“Zwischen zwei Fenstern” | Dianne Touchell

Ehrlich. Klischeefrei.

Inhalt laut Klappentext:

Er liebt das Nachbarmädchen mit dem tizianroten Haar und dem Leberfleck am Bein. Er sieht hinüber in ihr Zimmer, wo sie sitzt und zeichnet. Sie hat die verstörende Gewohnheit, sich die Haare auszureißen. Sie beobachtet den Nachbarjungen, der sich beim Lesen unaufhörlich Notizen macht. Hinter dem Glas seines Fensters scheint er sich am sichersten zu fühlen. Genau wie sie. Wie zwei Gefangene hängen sie für den anderen Botschaften ins Fenster. Am liebsten in fünf Silben, weil das schön klingt. Als sie irgendwann lächelt, ist das für ihn, als würde in einem verlassenen Haus das Licht wieder angehen.

Eine Geschichte um Jugendliche. Für Jugendliche? Bei weitem nicht! Diese Geschichte ist einnehmend und keinesfalls mit einer durchschnittlichen Liebesgeschichte zu vergleichen. Und wer meinen Buchgeschmack kennt, weiß dass solche bei mir auch nicht Klischeeform zu finden sind. Hier geht es um zwei Jugendliche in zerrüttenden Familienverhältnissen. Eine Feindschaft beider Elternpaare untereinander. Ein Hass der Nachbarschaft. Ein Hass gegenüber der eigenen Ehe. Dazwischen zwei Fenster in denen sich die zwei Jugendlichen gegenüberstehen. Wortlos.

Dad hat unserem Hund, Dobie Squires, beigebracht, Mum zu beißen.
(CD 1, Erster Satz)

Dies sind die ersten Worte des Protagonisten Creepy. Ein Satz der die Familienverhältnisse sehr gut zusammenfasst.
Anders bei der Protagonistin Maud. Ihre Eltern sprechen kaum noch miteinander. Macht es auch nicht besser.

Dazwischen ganz viel Schmerz, Sehnsucht und am Ende, ein klein wenig Hoffnung. Nicht weil es ein Happy End ist, sondern weil es offen bleibt, welchen Weg die Beiden tatsächlich einschlagen. Doch der Weg dahin ist schwer, das Leben von Creepy und Maud ist ein … ein Auf und Ab?! Ein wenig. Durch ihre Begegnung zwischen zwei Fenstern.

Creepy, ein Junge der von seinen Mitschüler*innen kaum gesehen und als etwas schräg wahrgenommen wird. Und das ist er. Anders als die Anderen, aber nicht schlechter. Heimlich ist er verliebt in seine Nachbarin, dem Mädchen gegenüber seines Fensters. Etwas unheimlich, wie er sie beobachtet. Doch aus dieser Heimlichkeit ergibt sich eine neue Heimlichkeit, ein zartes Annähern zwischen ihm und Maud.

Maud selbst wirkt zurückhaltend. Schaut man genauer ist es keine Zurückhaltung, sondern eine Distanz zu ihrer Umgebung, umhüllt von einer Sehnsucht. Sie will gesehen werden, von ihren Eltern, doch diese sind vertieft in ihre Probleme und die Erhaltung ihrer Fassade. Maud zieht sich immer mehr zurück, rupft immer intensiver an ihren Haaren. Ein Schmerz, der sich sie selbst spüren lässt.

Das ist echt ein Phänomen […] Das Überbringen von Essen anlässlich eines Unglücksfalls.
[…] ‘Bitte bringt mir das, was ihr für Sandwiches ausgegeben hättet, in bar mit’, dann sitzen wir nicht in ohrenbetäubender Stille da, sondern es kommt alles aufs Tapet was wir denken. Und wir reden laut und schnell und ehrlich miteinander.
(CD 3)

Gesellschaftlicher Gepflogenheiten und die Frage nach dem ‘Warum’. Aus Unsicherheit, was gesagt werden darf? Innerhalb dieser Geschichte kommen einiger solcher Gedankengänge der Protagonist*innen, ohne sich jedoch ausschweifend damit zu befassen. Es sind Feststellungen und Hinterfragungen zweier Jugendlicher. Nicht mehr, nicht weniger. Und genau mittenrein.

Ein etwas unheimlicher Junge. Ein Mädchen mit einer psychischen Erkrankung. Eine zarte Verliebtheit ohne Klischee. Inmitten dessen ihre Sehnsüchte, ehrliche Worte und einiges zum Schmunzeln. Ein Jugendbuch das anders ist, als es der Klappentext vermuten lässt und eben deshalb überzeugt!

Minimale Kritik habe ich bezüglich der Sprecherin, deren Atmung leider etwas zu deutlich zu hören war. Ansonsten jedoch konnte mich die Geschichte absolut einnehmen. Es wird nicht psychologisch, keine Moral, aber viel Emotion. Ein Einblick zweier Familien, hinter deren weißer Fassade die Schwärze allumfassend ist. Keine lockerleichte Erzählung, aber auch keine die mich erschlug. Das Leben, ungeschönt und einnehmend.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


– Weitere Eindrücke –
Buchstabenträumerei °

Buchdetails | Anzeige |
Titel: Zwischen zwei Fenstern
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Dianne Touchell | Sprecher*innen: Svenja Pages und Jens Wawrczeck
Verlag: Audiolino | Printausgabe: Königskinder (Carlsen Verlag)

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