„Wie man die Zeit anhält“ | Matt Haig

Das Buch wurde mir vom dtv Verlag in Form einer Überraschungspost zum Lesen und rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Ein Leben zwischen Jahrhunderten

Inhalt laut Verlag

Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles.

Ein Buch das ich mir von allein wohl nicht gekauft hätte. Eine Geschichte die mich überraschenderweise in ihren Bann zog. Eingeworfene Gedanken. Wahrheiten in Nebensätzen.

Tom ist alt, sehr alt. Jahrhunderte hat er erlebt. Allein, mit Fragen ohne Antworten. Doch auch die Medizin entwickelt sich weiter und so sucht er einen Arzt auf, doch bevor Tom Antworten erhält, wird der Arzt tot in einem Fluss gefunden.
Wenn man sich dazu den Klappentext durchliest, so klingt die Geschichte nach einem spannenden Verlauf mit einem Hauch Liebe. Stimmt. Und doch ist es ganz anders.

Ich bin durch die Seiten gehuscht und hätte selbst nicht gedacht, dass die Geschichte solch eine ‚Sogkraft‘ hat. Ich mag Matt Haigs Art. Der Verlauf der Zeit. Die Ungesagten Dinge. Die Gedanken in den Nebensätzen. Hat mich die Geschichte so mitnehmen können, da ich keinerlei Erwartungen hatte? Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal … Natürlich könnte ich jetzt ein kritische Leserin sein. Schreiben das mir ein gewisser Tiefgang fehlte, gesellschaftliche Problematiken zu grobflächig thematisiert werden. Mach ich aber nicht! Denn genau das gefiel mir, das Einstreuen von Themen die einen kleinen Raum einnehmen und dennoch bedeutsam in ihren Aussagen sind. Ich brauche keine Geschichten die mir Antworten vorgeben, ich mag es, wenn ich mir selbst überlassen werde mit meinen eigenen Gedanken und nicht die der Autor*innen „aufgedrückt“ bekomme.

Lernen wir aus den Fehlern vergangener Jahre? Dies sind Fragen die die Geschichte aufwirft, ohne dabei intensiv darauf einzugehen. Es sind Gedankenfetzen die im Verlauf von Toms Leben auftauchen, immer mal im Kleinen angesprochen werden. Immer Buch: Wie man die Zeitanhältwieder finden wir ähnliche Fehler in unserer Geschichte, wir geben ihnen nur neue Namen. Genau dies ist es, was Tom als Geschichtslehrer seiner Klasse vermitteln will. Wir müssen uns erinnern, um uns zu verändern.

Geschichte ist überall. Man muss nur hinsehen. 
(Seite 23)

In Musik, durch Altbauten, Bücher, Filme, Theaterstücke und vieles mehr haben wir die Geschichte um uns. Und durch Tom begegnen wir ihr. Er trifft bekannte Persönlichkeiten wie Fitzgerald oder Shakespeare. Dies lässt sich unterhaltsam lesen, ist aber auch der einzige Anhaltspunkt der unterschiedlichen Jahrhunderte. Mir fehlte der Flair, das vollständige abtauchen! Wären die Jahreszahlen nicht gewesen, ich hätte die Kapitel kaum voneinander unterscheiden können. Hier eine Begegnung, dort eine Beschreibung der damaligen Zustände, aber das was die einzelnen Jahre unterscheidet, ausmacht, wurde nicht genug herausgearbeitet.

Auch das Ende wurde für mein Empfinden zu schnell abgehandelt. Plötzlich überschlugen sich die Ereignisse und so ganz passte dies nicht zum eher ruhigen Verlauf zuvor. Ein Ende welches für die letzten Zeilen so verlaufen musste, ich hätte mir jedoch etwas Melancholisches gewünscht. Ein Ende das stimmig zur vorherigen Geschichte ist.

… wir können uns immer nur an unsere Erinnerung der Wirklichkeit halten, nicht an die Wirklichkeit selbst, zwei Dinge, die verwandt, aber nicht dasselbe sind.
(Seite 33)

Eine fast poetische Erzählung. Vieles stellt Matt Haig in den Raum ohne sich tiefer damit auseinanderzusetzen. An manchen Stellen hätte etwas länger verweilt werden dürfen, aber die Thematik liest sich deutlich heraus. Manchmal braucht es nicht mehr. Immer ein Hauch Traurigkeit, Wehmut und Schmerz. Erinnerungen die über Jahrhunderte reichen, Erfahrungen die am Verlauf nichts ändern können. Eine Geschichte die mich abtauchen ließ.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


– Weitere Eindrücke –
Hochhorst °
Jules Leseecke °

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Quelle: Das Verlagsheft zum Buch „Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig

 

Buchdetails
Titel: Wie man die Zeit anhält
Buchreihe: Einzelband
Autor: Matt Haig
Verlag: dtv
— Rezensionsexemplar —

Für die, die sich Geschichten lieber erzählen lassen, kann ich mir reinsten Hörgenuss vorstellen. Christoph Maria Herbst schlüpft in Toms Rolle.
Das Hörbuch erschien im „Der Hörverlag„.
Dies ist schon die zweite Hörbuchversion eines Haig Buches („Ich und die Menschen“), welches von C. M. Herbst gesprochen wird.

Auch die Filmrechte sind bereits verkauft und kein geringere als Benedict Cumberbatch spielt die Hauptrolle. Auch wenn mir das Buch nicht gefallen hätte, allein wegen dem Schauspieler will und werde ich mir den Film anschauen. Und ich bin gespannt wie die Geschichte umgesetzt wird. Das Wandeln durch die Jahrhunderte, die Begegnungen großer Namen.
Wann die Verfilmung in die Kinos kommen soll, habe ich bis dato nicht in Erfahrung bringen können.

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Pink Anemone
Gast

Hallo Janna,
was für eine wunderschöne Rezension, die ich genau so unterschreiben kann. Ich bin noch ganz hin und weg, meine Gedanken huschen immer wieder zu diesem Buch. Für mich war es ein absolutes Lesehighlight.
Psst…ich habe Dich verlinkt :-*

Liebe Grüße aus Wien
Conny

mllefacette
Gast
mllefacette

Schöne Rezension. Ich freue mich sehr darauf es zu lesen. Ich mache immer wieder den Fehler Matt Haig zu lange auf dem SuB abzulegen.

Ella
Gast
Ella

Hallo Liebe Janna, Ich mag deine Rezension sehr gerne und ich kann deine kleinen Kritikpunkte auch verstehen. Dabei sehe ich das anders. Ich finde die Beiläufigkeit der Vergangenheit spannend und ein guter Kontrast zu den eher melancholischen Parts der Gegenwart. Auch das Ende finde ich passend, weil es irgendwie auch Tom beschreibt, der gegen Ende neuen Lebensmut findet und sich aufrichtet, sein Leben endlich selbst in die Hand nimmt, ohne sich treiben zu lassen. Das spiegelt sich in der schnellen Erzählweise des Endes sehr gut wieder. Allerdings hat mich dieses Buch auch abtauchen lassen, wie dich auch. Ich hatte allerdings… Read more »

Ela
Gast

Hey Janna,
ich glaube ich würde in dem Fall auch das Hörbuch vorziehen.
Hab es schon etwas länger im Visier und bin mir noch nicht ganz einig ob ich es wirklich lesen/hören will. :)
Wobei ich ja bereits eine Weihnachtsgeschichte von diesem Autor kenne, die mir ebenfalls vom Stil her gut gefiel.
Na mal sehen, ich wünsch Dir jedenfalls auch hier noch einen wunderschönen Geburtstag <3
LG Ela

laberladen
Gast

Deinen Tipp, das Hörbuch zu wählen, habe ich doch gleich umgegsetzt und mir die ungekürzte Lesung auf den Merkzettel gesetzt. Mir gefällt es immer sehr gut, wenn ein Buch Anregungen gibt, aber nicht alles im Detail vorgekaut wird. Und außerdem wird’s jetzt endlich mal Zeit, ein Buch von Matt Haig zu lesen.
Komm gut in die neue Woche!
LG Gabi

Shanlira
Gast

Hallo Janna,

bisher hat mich das Buch nicht so angesprochen, aber vielleicht überlege ich es mir doch noch mal anders.

Die Verfilmung muss ich mir aber auf jeden Fall anschauen. Ich liebe Benedict Cumberbatch ❤

Liebe Grüße
Nicole

lesefreude
Gast
lesefreude

Hallo Janna!

Schön, dass du so viel Freude mit dem Buch hattest. Der fehlende Flair in den einzelnen Jahrhunderten ist mein größtes Kritikpunkt. Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Stimmungen konnten nicht so richtig transportiert werden.
Alles in allem jedoch ein vergnügliches Buch mit vielen wichtigen Thematiken und schönen Gedanken.

Liebe Grüße
Sabrina

-Leselust Bücherblog-
Gast

Hallo Janna,
Das freut mich ja, dass dir das Buch gefallen hat. Das Buch hat mich ja ebenfalls als Überraschungspost erreicht, aber ich habe es bisher noch nicht gelesen, weil ich eigentlich gedacht habe, dass das nix für mich ist. Aber wenn es dir so gut gefallen hat, dann muss ich dem Buch wohl doch mal eine Chance geben. :D
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Julia