„Weil ich dich hasse“ | Simone Trojahn

Täterperspektive

Inhalt laut Klappentext

Ist Rache eine Lösung oder stößt sie uns nur weiter in den Abgrund? Wie viel kann eine Seele ertragen, bevor sie zerbricht? Warst du schon mal ganz tief drinnen … in dir selbst? Siebeneinhalb Jahre, nachdem er seine Mitschülerin brutal vergewaltigte und zum Sterben im kalten Schnee zurückließ, worauf diese ins Wachkoma fiel und seither nicht mehr zu sich kam, wird der vierundzwanzigjährige Manuel aus dem Gefängnis entlassen und kehrt zurück in sein Heimatdorf. Die Familie des Opfers ist inzwischen an ihrer aussichtslosen Lage zerbrochen und sinnt auf Rache. Doch wie sehr muss man hassen, um Dinge zu tun, die das eigene Vorstellungsvermögen sprengen? Wie würdest du handeln, wenn du an deinem Hass ersticken würdest und Rache die einzige Option wäre?

Ein Buch das es in sich hat, denn es ist detailliert, in all seinen Taten. Und es ist, unter anderem, aus der Sicht des Täters erzählt. Ein Buch das triggert oder triggern könnte, denn was Jana passiert wird deutlich beschrieben und nicht nur angedeutet! Auch die Autorin weist in ihrem Vorwort sehr genau darauf hin, was einem in dieser Geschichte erwartet und beschreibt ihre Beweggründe dafür. Ein Vorwort welches man definitiv zuvor lesen sollte.

Unabhängig davon ob die Leser*innen dieser Geschichte solche Erfahrungen selbst erleben mussten oder nicht, es packt! Schon aufgrund der Tatsache das Manuel, der Täter, von seinen Gedanken und seinem Leben erzählt. Er hat Phantasien, lebt sie aus in seinem Kopf, bis zu jenem Abend, der viele Leben von Grund auf verändern wird. Der Abend an dem Jana in Manuels Auto steigt und nie wieder in ihr altes Leben zurückkehren wird. Ein Abend der viele Jahre später eine Impulshandlung mit verehrenden Folgen hervorruft.

Nicht nur dieser Abend, sondern auch die späteren Handlungen werden sehr detailliert beschrieben. Missbrauch und Folter nehmen einen großen Raum in diesem Buch ein und die Benennung „Hardcore“ sollte vor dem Kauf nicht nur wahrgenommen, sondern auch ernst genommen werden!

Ein für mich starker Kritikpunkt liegt im ersten Teil der Geschichte. Nicht weil die Autorin die Missbrauchs-Szene genau beschreibt, sondern weil mir die Distanz zu Jana zu groß ist. Mit zu viel Abstand werden ihre Gedanken während der Tat beschrieben. Es ist kaum zu greifen warum Jana sich so verhält wie sie es tut. Ich hätte mir weitaus mehr Feinfühligkeit gewünscht, da die Szene selbst beschrieben werden muss, um die Intensität der späteren Handlung zu steigern. Während Manuels Perspektiven dieser Nacht mich erschütterten und schockierten, so ist Janas Gefühlswelt zu oberflächlich gehalten.

Dafür wird im späteren Verlauf eine Handlungskette beschrieben, welche mich forderte. Ich wurde nicht nur von Beginn an mit der Täterperspektive konfrontiert, sondern stand vor ungefragten Fragen seitens der Autorin. Sie schildert die Sichtweisen der Mütter, von Jana und von Manuel, und zwingt ihre Leser*innen sich mit beiden Familien auseinanderzusetzen. Wie ergeht es den Müttern, wenn die Tochter kaum noch lebensfähig und der Sohn nicht erreichbar ist? Eine Geschichte die andere Perspektiven aufzeigt. Als Überlebende kann Jana kaum noch bezeichnet werden und somit stehen ihre Eindrücke nach dem ersten Teil nicht mehr im Mittelpunkt. Dies jedoch macht die Szenen nicht erträglicher. Denn sie vegetiert vor sich hin, ist ihrer Familie ausgeliefert. Was dies bedeutet wird in der Geschichte auf eine Art erzählt, die vielerlei Gefühle und Gedanken bei mir hervorrief. Verständnis? Wohl kaum! Aber ich wurde ‚gezwungen‘ mich in Janas Bruder hineinzuversetzen.

Manuel und seine Gedanken. Seine sexuellen Phantasien und seine Jahre im Gefängnis. Wenn der Täter selbst zum Opfer wird. Die Autorin wagt einen Weg der sonst kaum in Büchern zu finden ist – kann man Mitleid für solch einen Menschen empfinden? Kann man nachvollziehen das Janas Mutter so handelt und kann man Janas Bruder und seine Unsicherheit verstehen? Fragen die seitens der Autorin unbeantwortet bleiben und bewusst oder unbewusst beim lesen entstehen.

Mütter die ihre Kinder auf unterschiedliche Weisen verlieren und ebenso unterschiedlich mit ihrer Hilflosigkeit umgehen. Der Bruder, der Täter und mittendrin wir Leser*innen! Ich schwankte aufgrund meiner Kritik an dieser Geschichte sehr stark hin und her bezüglich meiner endgültigen Bewertung. Die Autorin hat sich an ein Thema herangewagt, welches momentan aktuell unter Hashtags wie #metoo oder #redmylips zu finden ist und sich doch mit etwas ganz anderem auseinandersetzt.

Die Seite der Täter*innen mit einzubeziehen, ihre Familien, ist ein Ansatz den man nur in wenigen Büchern findet. In dieser Geschichte liegt der Fokus auf dem was nach der Nacht folgt, eine überspitzte und brutale Szenerie. Der Täter und seine Gedanken, eine Leseerfahrung die mich forderte. Und ein weiterer Täter der die Leser*innen moralisch fordert – bringt Rache die ersehnte Erlösung, selbst Täter sein und dadurch die gleiche Stufe betreten?

Rezension verfasst von © Janna
★★★☆☆


 – Weitere Eindrücke –
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        Buchdetails 
Titel: Weil ich dich hasse
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Simone Trojahn
Verlag: CreateSpace Independent Publishing  | [Selfpublisher] 

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laberladen
Gast

Man merkt deutlich, wie hin und her gerissen Du bist. Ich war es beim Lesen Deiner Rezension auch, denn einerseits wagt sich das Buch offensichtlich in Regionen vor, in die sich nicht viele trauen. Nur weil man das Böse nicht ansieht oder es totschweigt, geht es ja nicht weg. Deshalb finde ich es schon wichtig, sich auch mit der Tätersicht auseinanderzusetzen, denn ich kann Gewalttaten und Sadismus so überhaupt nicht nachvollziehen und kämpfe damit, zu verstehen, was diese Leute antreibt. Andererseits gebe ich auch Pink Anemone recht, dass es wichtiger ist, sich auf die Opfer zu konzentrieren, sie zu hören… Read more »

Anja
Gast

Tolle Rezension. Aber ich glaube, das wäre nichts für mich.
GLG
Anja

Pink Anemone
Gast

Ich glaube nicht, dass dieses Buch etwas für mich ist. Nicht aufgrund der expliziten Beschreibung der Vergewaltigung und von Gewaltszenen, sondern weil meiner Meinung nach den Tätern sowieso schon viel zu viel Beachtung geschenkt wird. In den Medien durch diverse Schlagzeilen bezüglich Tat und Gerichtsverhandlungen und anscheinend auch hier. Vergessen werden immer die Opfer – was sie durchmachen müssen, während und vor allem nach der Tat. Sie geraten in den Hintergrund und sogar in Vergessenheit, während den Täter oft sogar noch nach der Inhaftierung Beachtung geschenkt wird. Bei sowas mache ich (aus Gründen) nicht mit…auch wenn es sich hier „nur“… Read more »