„Verirrte Prinzen & bockige Prinzesinnen“ von ganz vielen

Inhalt laut Verlag:

Es war einmal …
Ein Prinz rettet eine Prinzessin und sie lebten glücklich und zufrieden …
Äh, nein. Nicht mit uns. So, wie es die eingefahrenen Rollenbilder im Märchen gerne zuckerwatterosa und pastellhimmelblau ausmalen, kann das einfach nicht abgelaufen sein. Wir haben die wahren Geschichten von verirrten Prinzen und bockigen Prinzessinnen zusammengetragen, die im klassischen Märchenbuch nicht auftauchen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann …
Ach, lassen wir das.
Eine ungewöhnliche Märchensammlung für alle ab 16 Jahren.
27 Autoren geben sich die Ehre und erzählen in 29 Geschichten, wie es wirklich abgelaufen ist.

Titelbild: Josephine Awgustow

Es war einmal?

HA – ich habe es geahnt! Das konnte doch alles niemals nie so stimmen. Kein Wunder, dass ich mich als Kind schon immer gesträubt habe in Prinzessinnen-Kostümen oder deren Rollen zu schlüpfen. Es war klar wie Kloßbrühe, alles nur Wunschdenken oder gar Fantasien voller Begierden. Von wegen verirrt – verwirrt passt noch viel besser. Es wundert mich kaum, dass nahezu die meisten Märchen irgendwann einmal, in schlecht beheizten Hütten, Burgen oder sonstigen heruntergekommen Unterkünften, von Männer geschrieben wurden. Jetzt kommt es heraus, alles und siehe da – Märchen gehen auch anders.
Besser, frecher, ehrlicher und vor allem sehr viel bunter!

Bildquelle: „Von verirrten Prinzen & bockigen Prinzessinnen“

Das ist kein Märchen, sondern die Realität. Da zieht die Prinzessinnen-Masche nicht.
(S. 33)

29 kurze Märchen-Adaptionen geben sich ein Stelldichein in diesem Buch. Eins nach dem anderen, wobei ich mir beim Lesen Zeit gelassen habe und nie mehr als 2 an einem Tag gelesen habe. Sonst würden diese Geschichten ineinander verschwimmen und das wäre schade angesichts der Vielfältigkeit.
Zudem kam da eine gewisse Vorfreude auf, eine Spannung was einem auf den nächsten Seiten erwartete. So musste es auch dem Prügelknaben ( „Die Tränenprinzessin“ – Dennis Frey) ergangen sein, eine herrlich abgewandelte Fifty Shades of Märchen-Erzählung.

Im den Buch gibt es sehr viel bekanntes. Allen voran natürlich die Prinzessinnen. Holde Damen in noblen Schlössern, zarte Wesen in Tüll und Seide. Schön anzuschauen und oft vom eigenen Vater an den nächstbesten versprochen, nebst Königreich, wenn das ein oder andere Problem aus der Welt geschaffen wird. Da die Damen erst gar nicht gefragt werden, ist es kaum verwunderlich dass so manche ganz andere Pläne hat. Und seien wir mal ehrlich, da ist der Prinz wochenlang auf Tour, kämpft sich durch Dornenhecken und steht als ungewaschenes, verschwitztes und zerzaustes Männlein vor einer Frau, wer würde da nicht Reißaus nehmen und lieber mit einem schnuckeligen Drachen kuscheln oder einer Ritterin die Klamotten, äh, Rüstung vom Liebe zerren (Josephine Awgustow – „348“) ?

Es gibt nichts, was es nicht gibt und so sind auch diese Erzählungen. Feen, Nornen, verzauberte Frösche, verfluchte Prinzessinnen, Drachen und Gnome. Mägde, Knechte, Prinzen, Könige, Magier. Liebende, Hassende und solche die erst in größter Gefahr erkennen, für wen das Herz wirklich brennt. Umso schöner, dass in den Erzählungen jegliches Vorurteil fern bleibt und die schreibenden Menschen solch wunderschöne Geschichten kreiert haben, in denen eben alles vorkommt und vorkommen darf („Egal ob Prinz oder Prinzessin“ – Louise Hofman).

Nicht alle der Erzählungen sind „es war einmal“, sondern es gibt auch märchenhafte Erfahrungen in der Gegenwart, vielleicht haben doch viel mehr als gedacht eine verborgene Gabe („Mara und der Müllersbursche“ – Tommy Krappweis)?
Es wurde nie langweilig und auch wenn Märchen eigentlich immer in die gleiche Richtung gehen, war ich angenehm überrascht, was da aus den Federn der einzelnen herauskam. Emphatische Liebesgeschichten, abenteuerliche Machtkämpfe, ehrliche Offenbarungen und immer wieder ganz viel Humor.

Keine einzige der Geschichten ist vulgär oder gar unter der Gürtellinie, denn die Autor*innen haben mit ganz viel (Selbst)Verständnis aus Märchen Lebensgeschichten geschrieben und den einzelnen Charakteren damit Respekt gezollt. Die Altersempfehlung von 16 Jahren ist somit nicht wegen etwaiger Situationen oder Begebenheiten geschuldet, sondern dient eher einem Verstehen können derselbigen.

Das Buch an sich ist schön gestaltet. Ein stabiler Einband, strahlend weiße Seiten, eine angenehm große Schrift und zu jeder Erzählung die Überschrift mit Nennung der Autor*innen, sowie einer kleinen Zeichnung.
Herrlich beim Cover ist die im Rücken verborgene Axt, da funkeln selbst die Sterne um die Wette. Apropos Sterne, was so mancher Stern für Dummheiten anstellt, erfährt die Leserschaft auch und bei der nächsten Sternschnuppe sollte darauf geachtet werden, was sich gewünscht wird („Der falsche Prinz“ – Felix Koch).

Das Vorwort stimmt einen schon perfekt auf das, was da kommt, ein und die klitzekleine Geschichte „Überfall“ von (der beim Einreichen 7jährigen!) Rike Hänisch hat auch mich schwer beeindruckt.

Postkarte by Chaospony Verlag – Illustration Sandra Lina Jakob

Meine persönliche Lieblingserzählung aus dem Buch ist „Paartherapie“ von Anne Danck. Wenn sich Schneewittchen, Dornröschen, König Drosselbart, das Biest und viele mehr, in einer Art Theateraufführung miteinander unterhalten und dabei allerhand Dinge offenbaren, hätte ich das gerne live vorgespielt bekommen – ich grinse immer noch.

Irgendwo gibt es für jeden einen Platz. Auch für Dich.
(S. 195)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

– Weitere Eindrücke –
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Buchdetails
Titel: Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen
Buchreihe: Einzelband
Autor*innen: ganz schön viele, als da wären:

Josephine Awgustow ~ Lea Baumgart ~ Manuel O. Bendrin ~ Veronika Carver ~ Markus Cremer ~ Anne Danck ~ Sarah Drews ~ Dennis Frey ~ Nicole Geier ~ Patrick Gold ~ Martin Habedank ~ Rike Hänisch ~ Franziska Hesse ~ Louise Hofmann ~ Felix Koch ~ Veronika Lackerbauer ~ Olivia Meyer ~ Daniel Müller ~ Michelle Pröstler ~ Melanie Schneider ~ Daniela Tetzlaff ~ Lina C. Vindur ~ Sabrina Weisensee ~ Heike Westendorf  ~ Ivy Wintermoon ~ Tina Wolff ~ Tommy Krappweis

Verlag: Chaospony

© Chaospony Verlag
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Lara
Gast

Das kannte ich noch gar nicht, aber das klingt ja super! Merke ich mir auf jeden Fall.
Liebst, Lara.