„Totenrausch“ von Bernhard Aichner

Das Buch wurde mir vom Verlag  kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Band 1 „Totenfrau“ ist schwarz ~ wie der Tod und die Trauer ~ alles was Blum verkörpert.
Band 2 „Totenhaus“ ist weiß ~ wie die Unschuld und der Neuanfang ~ alles was Blum verkörpert.
Band 3 „Totenrausch“ ist rot ~ wie die Wut und die Rache ~ alles was Blum verkörpert.

Totenrausch

„Einen kurzen Moment lang ist da so etwas wie Hoffnung.“ (Seite 294)

Brünhilde Blum ist keine rational denkende Frau. Sie denkt mit dem Bauch und dem Herzen und genau damit hat sie mich in jedem der 3 Bände erreicht. Von der liebenden Ehefrau zur hassenden und rächenden Witwe. Eine Bestatterin, die den Mord an ihrem Mann grausam rächt und die unter die Erde bringt, die Schuld haben. Eine liebende Mutter, die zum Wohle ihrer zwei kleinen Töchter vor der Polizei flieht und versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen und doch wieder in einem Totenhaus landet. Nun endlich, nach gelungener Flucht, weit weg von ihrer Heimat, vereint mit ihren Töchtern, wagt sie es erneut – der Neuanfang. Eine neue Stadt, neue Namen, neue Identitäten. Doch Blum hat sich dem Falschen anvertraut und der Preis ist hoch. Zu hoch?

Blum ist eine Mörderin und ja, ich mag sie. Ihre Taten sind mir gewiss nicht egal. Dennoch, kein Mitleid sondern einfach nur Verstehen. In ihre Geschichten konnte ich abtauchen, wegdriften, mitleiden, mitfiebern, mithoffen. Mit einer Blum legt man sich nicht an, dass wird auch ihrem Gegenspieler in diesem Buch irgendwann klar. Nicht wegen ihr selbst, sondern wegen dem Beschützerinstikt den sie an den Tag legt. Ihre zwei Mädchen, für die Blum alles, wirklich alles tun würde, sind ihr Heiligtum und genau dieses beschützt sie, mit allen Mitteln. 

Der Autor Bernhard Aichner hat eine Protaginistin erschaffen, die einem ans Herz wächst.
Seite um Seite, immer mehr.
Ein Charakter dessen Verletzlichkeit an erster Stelle steht.

Seltsamerweise kommt einem Blum nie böse oder aggressiv vor. Eine Mörderin, deren Taten eher im Affekt entstanden sind oder durch Zufall.
Sie ist keine Killerin die lange überlegt, obwohl sie doch viel denkt, nachdenkt, überdenkt und letztendlich allen Vorsätzen zum Trotz doch zur Tat schreitet, weil sie es muss, keine andere Wahl hat und genau dass weiss man als LeserIn und man möchte am liebsten hineinspringen und helfen, irgendwie.

„Sie muss mit allem rechnen, alles bedenken, tausend Dinge könnten passieren…Alles kann ganz anders kommen, als sie es sich vorstellt.“ (Seite 431)

Wer einmal ein Buch von Bernhard Aichner gelesen hat, kennt diesen unverwechselbaren Schreibstil. Kurz und knapp, aber prägnant und ineinander fließend. Es ist immer im Jetzt, selbst die Erinnerungen. Wörtliche Rede und die Gespräche haben ihre ganz eigene Weise und genau daran habe ich mich im Laufe der Bücher so gewöhnt und es genossen.

Es gibt keine großen Beschreibungen, ein Haus ist ein Haus und ein Auto ein Auto. Egal sind Farben und Ausstattung, man braucht dieses ‚Drumherum‘ nicht. Es ist unwichtig, nebensächlich und damit einfach erst gar nicht beschrieben. Nur das wirklich Wichtige wird erzählt. Einfach Blum und ihre Geschichten!

Mit ihrer stillen und leisen Art hat sich Blum in mein Herz geschlichen und im Kopf festgesetzt. Eine der Protagonisten, die man nie vergisst.

– Mach’s gut Blum, ich werde deine Geschichten vermissen.
– Sei nicht traurig.
– Bin ich nicht.
– Sicher?
– Ok, doch so ein bisschen.

„Alles wird gut, flüsterte sie. Alles wird gut.“ (Seite 11)

Rezension verfasst von © Kerstin 


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    Buchdetails
Titel: Totenrausch
Buchreihe: 3. Band
Autor: Bernhard Aichner
Verlag: btb [Verlagsgruppe Random House]
–Rezensionsexemplar–

Totenfrau Trilogie
Band 1 ~ „Totenfrau

Band 2 ~ „Totenhaus
Band 3 ~ „Totenrausch“

8
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Nicole Wagner
Gast

Wow, eine sehr gelungene Rezension! Jetzt kriege ich doch Lust auf das Buch, dabei hat mir der 2. Band gar nicht gefallen. Ich fand die Handlung absolut an den Haaren herbei gezogen und dachte mir, dass ich den Abschluss gar nicht mehr lesen werde. Vielleicht wird es nun doch noch etwas.

Liebe Grüße,
Nicole

lesefreude
Gast

Sehr schöne Rezi. Die Bücher von Bernhard Aichner schwirren schon lange auf meiner Wunschliste herum. Ich mag Bücher in denen man auf seltsame Art mit dem Mörder sympathisiert. Kurze Sätze mag ich gerne wenn ich lese und schön etwas müder bin. Vielleicht wird es ja jetzt endlich mal was mit mir und Blum

fraupixel
Gast

Der Autor scheint sein Publikum zu polarisieren. Entweder man hasst ihn oder man liebt ihn. Aber es scheint nichts dazwischen zu geben. :) Interessante Rezension! Vielleicht traue ich mich ja auch endlich mal an einen Krimi von ihm.

monerl
Gast

Hallo Kasin,
ich wollte diese Bücher unbedingt mögen! Die Geschichte fand ich toll ausgedacht und Blum genial. Aber der SCHREIBSTIL!!! Ich habe es versucht mit „Totenfrau“ und ich musste abbrechen. Ich konnte diese abgehackten und kurzen Sätze einfach nicht mehr lesen. Sehr schade, ich hätte so gern gewusst, wie es Blum ergeht. Ich freue mich aber, dass du es geschafft hast, die Trilogie zu lesen und sie dir gefallen hat. Ich bin sicher, wäre es ein „normaler“ Erzählstil, wäre ich Feuer und Flamme gewesen.
Wünsch dir nen guten Start in die Woche,
glg Monerl