„Todesblues in Chicago“ | Ray Celestin

Vom Jazz zum Blues

Sommer 1928. Aus den Flüsterkneipen dringen neue Jazzklänge, während die Bewohner Chicagos vor Hitze fast wahnsinnig werden. Gleich drei Verbrechen halten die Stadt in Atem: die Entführung einer Fabrikantenerbin, der Gifttod mehrerer Mitglieder der High Society und ein Mord im Rotlichtviertel, dessen Opfer die Augen aus den Höhlen entfernt wurden. Die Pinkerton-Detektive Ida Davis und Michael Talbot ermitteln – und folgen einer gefährlichen Spur, die sie direkt in die Kreise des größten Mafiabosses aller Zeiten führt: Al Capone.

(Inhalt laut Verlag)

Nachdem ich „Höllenjazz in New Orleans“ mit Begeisterung gelesen habe, habe ich den Folgeband gespannt erwartet! Doch gänzlich an den Flair und den Fall aus dem Reihenauftakt kommt „Todesblues“ nicht heran, was aber nicht heißt, das Buch hätte mir nicht gefallen.

„Todesblues“ spielt zehn Jahren nach „Höllenjazz“, somit können die Bücher unabhängig voneinander gelesen werden. Erst war ich verwundert, aber das so viel Zweit zwischen den Ereignissen liegt, gefiel mir immer mehr! Und diese Zeitspanne behält der Autor bei, denn Band 3 wird in New York der 40er Jahre spielen.

Die 20er Jahre in Chicago, die Zeit der Prohibition. Hochburg des Alkoholschmuggels und Drogenkonsums. Stadt des Jazz und Blues-Father Louis Armstrong. Pool der Mafia – allen voran Al Capone. Und drei Perspektiven die zunächst keine Gemeinsamkeiten zu haben scheinen. Ähnlich wie im ersten Band werden diese Wege nach und nach miteinander verwoben und auch der Beschreibungen zur Stadt, der Musik und der niederdrückenden Hitze, bleibt der Autor sich treu. Doch ganz so intensiv tauchte ich diesmal nicht in seine Worte ein, nahm mich nicht mit in die Straßen Chicagos. Vielleicht hat mich die Mafia zu sehr abgeschreckt, um mich in diese Stadt tiefer zu verirren … hätte Band 1 mich nicht so überzeugt, hätte ich eher nicht zu Al Capone gegriffen, denn Mafia-Geschichten, sind kein reizvolles Thema für mich.

Und doch habe ich dieses Buch gerne gelesen, komisch oder? Nicht wirklich, denn ich mag den Schreibstil des Autors. Auch wenn ich diesmal nicht völlig abgetaucht bin, mag ich seine Beschreibungen. Die Stadt, das Leben damals, die Atmosphäre – dies fängt er gekonnt ein und verwebt gelungen Realität und Fiktion. Ich mag es wie er einzelne Szenen beschreibt und welche Protagonist*innen er geschaffen hat.

Wenn man durchs Leben geht, sammelt man Erfahrungen, aber wenn man alle normalen Erfahrungen längst gesammelt hat – was macht man dann? Wenn die einzigen Erfahrungen, die man noch sammeln kann, finstere sind?

Seite 401

Wie auch beim ersten Band würde „Krimi“ oder „Thriller“ nicht den Erwartungen gerecht werden und „Roman“ schon allumfassender ist. Die Mafia ist nicht so vordergründig wie man meiner Beschreibung oben nach glauben mag. Capone spielt eine Rolle, schon allein weil der Protagonist Dante von ihm nach Chicago zitiert worden ist. Nachdem auf einer von Capones Feiern fast alle im Krankenhaus aufwachten, sinnt dieser auf Rache – Dante soll den Täter ermitteln.

Währenddessen taucht vor Jacobs Füßen, ein neuer Protagonist, eine Leiche auf die ihn an einen früheren Fall erinnert. Da er jedoch kein Ermittler, sondern Tatortfotograf ist, beginnt er eigenständig herauszufinden was sich dahinter verbirgt. In beiden Fällen spielen gepunshter Alkohol eine tragende Rolle, die eine schreckliche Vergangenheit zu Tage fördert.

Und dann sind da natürlich noch Ida und Michael! Und Louis Armstrong, doch innerhalb dieser Geschichte nimmt er einen kleineren Part ein, als zuvor im 1. Band.
Ida und Michael werden beauftragt eine vermisste junge Frau zu finden, wobei ihnen sehr schnell Steine in den Weg gelegt werden, die ihre Zukunft auf wackelige Beine stellt.

All diese Erzählstränge laufen eine ganze Zeitlang parallel und ich fragte mich immer wieder, wann sie aufeinander treffen. Ida, Michael, Jacob und Dante. Das Ende hatte mich dann doch überrascht! Nicht unbedingt die Aufklärung an sich, aber der Verlauf dahin war nicht absehbar. Genau dieser Verlauf, was und wann verbindet sich alles und der Ausgang dessen nahmen mich ein und gefielen mir an dieser Geschichte!

Ray Celestin hat im hinteren Teil des Buches einiges zu bieten! Im Nachwort schildert er jene Ereignisse, die damals wirklich in Chicago geschehen sind und hat ein Glossar verfasst, in dem Personen und Bezeichnungen erläutert werden. Ebenso finden sich dort eine Stadtkarte und ein Personenverzeichnis.

Die Geschichte wurde in mehrere Teile gegliedert und hat zu jedem Beginn ein Zitat aus Zeitungen oder der Strafjustiz. Fiktiv dazu finden sich einige Zeitungsberichte innerhalb der Abschnitte, sowie Auszüge aus dem Strafregister.

— Wortkabinett —
Sätze die mir gefallen, aber nicht ganz in den Kontext meiner Besprechung passen

Und die ganze Zeit glommen die Zigaretten im Aschenbecher, und die Rauchfäden zogen nach oben und kringelten sich umeinander wie eine gespenstische Doppelhelix, während sie einander hielten und auf einem Meer der Einsamkeit trieben.

Seite 349

Ich mag die Protagonist*innen dieser beiden Romane und ich freue mich schon darauf sie in New York wieder zutreffen! Ich hoffe sehr, dass mich die Atmosphäre beim 3. Band wieder allumfassend umhüllt.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


Weitere #Todesblues Eindrücke
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Meine Rezension zum 1. Band:


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Foto © Amazon


Buchdetails
Titel: Todesblues in Chicago
Buchreihe: 2. Band
Autor: Ray Celestin
Verlag: Piper

City Blues Quartett-Reihe
Band 1 ~ „Höllenjazz in New Orleans“
Band 2 ~ „Todesblues in Chicago“
Band 3 erschien bereist auf englisch: „The Mobster’s Lament“



„Chicago Breakdown“ von Louis Armstrong:

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Anett
Gast

Liebe Janna,

vielen Dank auch fürs verlinken! Hab ich jetzt bei mir auch gleich gemacht :)
Da sind wir uns doch wieder einig mit dem Buch! Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Band 3 und denke, New York ist auch ein guter Schauplatz!

Liebe Grüße Anett.

LeseWelle
Gast

Hallo Janna,
eine tolle Rezension hast du da geschrieben. Ich liebe den Schreibstil von Ray Celestin ja genauso wie du und stimme dir zu, wenn das nicht der zweite Teil seiner Reihe wäre, hätte mich das Thema rund um die Mafia auch etwas abgeschreckt.
Aber wieder mal ein gelungenes Buch und ich freue mich auch riesig auf die Fortsetzung und wie es mit Ida und Michael weitergeht. :D
Liebe Grüße
Diana