“The Girls” | Emma Cline

Sex, Drugs & Murder

Inhalt laut Verlag

Es sind die späten, radikalen 60er, im Norden Kaliforniens. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. An einem der endlosen Sommertage begegnet sie ihnen: den »Girls«. Das Haar lang und unfrisiert, die Kleider ausgefranst, das Lachen laut und frei. Es dauert nicht lang, und Evie ist im Bann der aufregenden Suzanne – und einer Clique, die, einem charismatischen Irren hörig, bald unter grausamen Umständen berühmt werden wird. Ein Strudel von unfassbarer Gewalt rückt näher, an einen Augenblick, in dem alles für immer schiefgehen kann im Leben eines Mädchens.

Dieses Buch geriet aufgrund seines Covers in meinen Fokus, dank Klappentext landete es weit oben auf meiner Wunschliste und durch meinen Geburtstag dann direkt in meinem Regal. Im heißen Juli (2018) wurde es dann auch innerhalb kürzester Zeit ausgelesen!

Ich denke, ich verrate kein Geheimnis, auch wenn mir dies im Vorfeld nicht klar war: die Geschichte ist zwar fiktiv, basiert jedoch auf den Taten der Manson-Family. Ich möchte gar nicht zu sehr darauf eingehen, denn 1. gibt es zum Nachlesen genug Material im Internet und 2. handelt das Buch nicht von den Taten, sondern um den Weg hinein in solch eine Gemeinschaft, den Sog in die Sekte.

Natürlich werden auch die Morde thematisiert und beschrieben, doch so unsensibel dies nun (möglicherweise) klingen mag, diese spielen einen eher nebensächlichen Handlungsstrang. Die Protagonistin Evie steht im Mittelpunkt, zum einen durch die Ich-Perspektive, aber auch bedingt durch den Fokus der Geschichte. Der Verführung und den Schatten. Sich verführen lassen und das Dunkle ignorieren, ein leichter Weg. Egal welchen Alters, egal welchen Geschlechts. Sehen was man sehen will …

Diese langhaarigen Mädchen schienen über allem zu schweben, was um sie herum geschah, tragisch und abgehoben. Wie Fürstinnen im Exil.
(Seite 7)

Das Böse steht nicht plötzlich vor Dir, zeigt dir seine Fratze. Es kommt schleichend, verführt Dich, hüllt Dich ein. Bei Evie waren es diese Mädchen, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen. herausstachen aus Evies Alltag.
Die 14jährige Evie inmitten der Ignoranz ihrer Eltern, dem Verlust einer Freundschaft und dem Grauschleier ihres eigenen Alltags. Genau dies ist das Augenmerk der Geschichte. Fiese Zungen könnten behaupten, es ist fiktiv, die Protagonistin erst vierzehn – dem möchte ich widersprechen! So oder so ähnlich, Geschlecht und Alter belanglos, kann es vielen Menschen ergehen. Die Sehnsucht nach einem Gefühl von Zugehörigkeit, Aufmerksamkeit, nicht übersehen werden, geliebt zu werden. Ob es nun ein Russell Hadrick wie in diesem Buch ist oder ein anderer Mensch. Sie wissen wen sie wann ansprechen müssen, was sie sagen sollen, um ihr Gegenüber von den eigenen Gedanken zu überzeugen, Einfluss auf Handlungen zu nehmen.

Es war unmöglich, den Ursprung auszumachen, den Augenblick, in dem sich die Dinge veränderten.
(Seite 86)

Und plötzlich steht man mittendrin! Begreift erst langsam, wenn überhaupt, worin man sich verfangen hat. Auch nach dem Auslesen kann ich nicht DEN Moment greifen, es sind die verschiedensten Erlebnisse die dazu führten, das Evie in den Bann dieser Gruppe gezogen wurde. Und es sind mehrere Momente, in denen ich sagen wollte “Jetzt musst du gehen!”. Doch Evie verliert sich auf der Ranch, erfindet sich neu, fühlt sich gesehen und angenommen.

Evies Leben wird skizziert. Als junges Mädchen und als Erwachsene. Der heiße Sommer, der ihr Leben aus den Angeln hob. Der kalte Winter, in dem sie sich, wie schon oft zuvor, mit vergangenem auseinandersetzt – einen leisen Schmerz verspürt. Eine Sehnsucht die über die Jahre ihre Schatten wirft. Ein wechselnder Erzählstrang von vergangenem und gegenwärtigem.

Es ist ein leiser Weg vom angeblich behüteten Leben in die Gemeinschaft der Ranch. Die Morde sind Blitzlichter, einzelne Sequenzen innerhalb des Buches, und werden erst zum Ende hin ausführlicher geschildert. Es geht nicht um Moral oder eine Anklage, es geht um den Versuch des Verstehens.
Ein wirklich starkes Debüt!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★


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Buchdetails
Titel: The Girls
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Emma Cline
Verlag: dtv

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Jenny
Gast

Eine sehr spannende Rezension! Saskia hat das Buch auch schon gelesen und fand es super. Bisher war mir gar nicht bewusst, dass es da bei um eine Sekte geht, dass macht das ganze natürlich noch Interessanter!

Liebste Grüße
Jenny