„Sleeping Beauties“

Inhalt laut Verlag

Alle Frauen im Dornröschenschlaf – und der Männeralbtraum beginnt
Die Welt sieht sich einem faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie ein Dämon, der abgeschlachtet gehört? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.
Grandios gruselig gelesen von David Nathan!

Never wake up a sleeping woman!

Ich sage dir jetzt worum es geht. Also hör mir gut zu!
(Zitat Hörbuch)

Wer die Bücher von Stephen King kennt, weiß um den Horror der einem darinnen begegnet. Sei es „Carrie“, „ES“ oder „The Shining“. Es ist immer blutig und es zieht einen immer in die Abgründe der menschlichen Seele. Die Charaktere sind allesamt solche die leiden oder gelitten haben und dadurch eine Grenze überschreiten und mittels paranormaler Verhaltensweisen ihr Umfeld in Angst und Schrecken versetzen. In „Sleeping Beauties“ ist es auch so und doch ist es ganz anders, als alle anderen Bücher die ich von King kenne. Vielleicht lag es an der Kooperation zwischen Vater und Sohn? Vielleicht wollten die zwei mal etwas anderes ausprobieren? Oder, vielleicht haben sie einfach genau hinsehen und dabei festgestellt, das etwas nicht stimmt, im Staate oder wo auch immer?

Schlafende Schönheiten. Frauen aller Altersgruppen, Herkunft, Religion, Hautfarbe. Selbst die Kinder bis hin zu den Neugeborenen, werden nicht von dem Phänomen verschont. Sobald sie einschlafen spinnen sich feine Fäden zu einem festen Kokon um ihre Körper. Ein Schutzwall, in denen sie nun ruhen.

Nur warum? Was ist der Urspung dieser sehr seltsamen Begebenheit und die wichtigste aller Fragen – wie reagieren die Männer?
Hier baut sich alles ganz langsam auf. Mit dieser Frau, die mal eben zwei Crackköche in ihrem Wohnwagen tötet und dabei, so scheinbar nebenbei, einer anderen Frau hilft. Evie Black- herrlich abgeleitet von der Urmutter allen Ursprungs – Eva. Nur, was ist diese Frau? Eine aus dem Paradies verbannte? Eine Hexe? Ein Dämon? Ein Heilsbringer? Keiner hat eine Antwort und da sie zufallsgerecht im Frauen-Gefängnis von Dooling landet, ist es letztendlich der dortige Psychologe und ausgerechnet ein Mann, der alles auflöst.

Willkommen in Dooling

In dieser Stadt spielt sich (fast) alles ab.
Unzählige Charaktere treten auf den Plan. Der weibliche Polizeisheriff nebst Kolleg*Innen, der Hundefänger, die alte Landstreicherin, die Mitarbeiter und Insassinnen des Gefängnis, die Stadtbewohner, Freunde, Bekannte, Kollegen, Lehrer und die entsprechenden Familien. ES.SIND.UNMENGEN! Und doch konnte ich die meisten auseinander halten bzw. immer zuordnen. Die Herren King schweifen aus, erzählen bekanntermaßen detailliert und bauen so eine Begegnung nach der anderen auf. Alles hängt zusammen. Alles macht einen Sinn.

Als die ersten Meldungen zu dem weltweiten Phänomen herein kommen, weiß man schon um einige Missstände in den Familien und dem Gefängnis. Die Leidtragenden sind die Frauen, die Männer im Buch überwiegend Mistkerle. Wie selbst die scheinbar harmlosesten anfangen auszuticken, zeigt sich als bekannt wird wie die schlafenden Frauen reagieren, wenn man sich an dem Kokon zu schaffen macht. Hier konnte ich mir die Szenen sehr bildlich vorstellen. Das wären dann die Momente, bei denen ich im Film einen riesen Schreck bekommen würde.

Die Welt der Schlafenden

Mit der Zeit müssen die Frauen schlafen. Es ist machbar ein paar Stunden hinauszuzögern. Aufputschmittel, Drogen, extra starken Kaffee. So kommt es, dass eben alle nach und nach einschlafen – bis auf Evie.

Wer denkt, dass die Schlafenden nun weg sind, irrt sich. Es beginnt der Teil der Geschichte, den ich im Bereich Fantasy einordnen würde. Die Traumwelt ist eröffnet – wieder in Dooling und genau dort treffen die Frauen ein. Keine Männer, dafür ein Fuchs, ein weißer Tiger und ein Pfau. Ihre Bedeutung hatte für mich auch etwas sehr mystisches.
Wie beim Einschlafen erscheint nun eine Frau nach der anderen in dieser neuen Welt. Es kommen Hintergründe raus, einzelne Lebensschicksale und Gemeinsamkeiten. Besonders der Wunsch doch aufzuwachen und in die richtige Welt zurück zu kehren. Etwas das sich nicht jede Frau wünscht und so wird es spannend, ob der Baum der Erkenntnis sich erkenntlich zeigt und seine Tore öffnet.

In diesen Abschnitten bin ich öfters mal weggedriftet, nicht das ich geschlafen hätte aber es hat sich manchmal sehr in die Länge gezogen.

Und die Männer?

Das ist der Haken an der Sache. Die Männer, mal ganz salopp gesagt, flippen aus. Chaos bricht aus und die Anarchie lässt auch nicht lange auf sich warten. Ebenso wie irgendwelche Fanatiker die alle Schuld bei den anderen, nur nicht bei sich selbst suchen. King und King lassen an den Herren der Schöpfung wirklich kein gutes Haar. Es wird alles geboten. Gewalt in der Ehe, Vergewaltigung, Missbrauch, Drogenkonsum und die Folgen und noch vieles mehr. So lassen auch die Brennerbrigaden nicht lange auf sich warten.

Ein Kampf beginnt. Pro-Evie gegen den Rest der Welt, oder zumindest Dooling. Bewaffnet wird losgezogen Richtung Frauen-Gefängnis und so manch einer bleibt dabei auf der Strecke. Ein Krieg wegen Frauen! Man sieht es findet sich immer einen Grund – Wahnsinn.

Die Motten

Diese Flattertiere spielen die zentralste Rolle von allem. Ihr Auftauchen ist der Beginn des Einschlafens und Evie kann sie steuern, glaube ich zumindest. Motten gehören biologisch gesehen zu den Kleinschmetterlingen. In den unterschiedlichsten Mythen sind sie Todesboten aber auch ein Zeichen der Wiedergeburt, des Neuanfanges. Das passt alles so hervorragend in diese Geschichte.

Das Hörbuch war großartig. David Nathan hat wieder einmal mit seiner Stimme alles gegeben. 1661 Minuten in Dooling waren kein Zuckerschlecken, dafür haben King & King zu viele Missstände aufgezeigt. Etwas das aber wichtig ist und ob sich in den Ort, zum Ende hin etwas geändert hat? Selber hören (oder lesen).

Es ist spannend, es ist anders. Es ist eine Geschichte mit vielen bösen Menschen und selbst so mancher, den ich anfänglich für gut hielt, ist es auch. Frauen und Männer, es geht nicht miteinander und es geht noch weniger ohne.

ich würde fast soweit gehen da den ein oder anderen biblischen Hintergrund einzuflechten, aber vielleicht haben mich die zwei Autoren auch einfach nur mit dieser Geschichte eingefangen – wie eine Motte die das Licht umkreist.

Jedes mal wenn ich jetzt eine Motte sehe, gehe ich ganz nahe heran und flüstere „Evie? Bist du da?“

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆

 – Weitere Eindrücke –
Mein Lesezauber°
The Read Pack °
live breathe words °


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Buchdetails
Titel: Sleeping Beauties
Hörbuch Download, Laufzeit: ca. 1661 Minuten 

Autoren: Stephen und Owen King | Sprecher: David Nathan
Verlag: Random House Audio | Printausgabe: Heyne

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kleinewelle
Gast

Hallo Kerstin,
wow, das ist eine so tolle Rezension!
Du bringst die Sachen so auf den Punkt und ich bekomme direkt Lust das Buch nochmal zu lesen. Obwohl es schon ein Wälzer ist und man sich mit meinem HC verteidigen könnte. ;)
Als Hörbuch kann ich es mir auch gut vorstellen, denn ich mag David Nathan einfach total gerne zuhören. Vielleicht höre ich es mir einfach nochmal an. ;)
Auf jeden Fall danke, für deine klasse Rezension.
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de

Anja
Gast

Liebe Kerstin,
es freut mich, dass Dir der King so gut gefallen hat. Meins war er diesmal nicht. Irgendwann war ich soweit, dass ich dachte: 200 Seiten weniger wären toll gewesen und die englische Ausgabe ä, die ich gelesen habe, ist schon 200 Seiten schlanker.

Aber der neue King ist auch schon eingezogen und wartet auf mich.
So sehr hat mich dieses Buch dann nicht abgeschreckt.
LG Anja