Buch & Film: „The Shape Of Water“ | Guillermo del Toro & Daniel Kraus

Wortlos

Inhalt laut Verlag

Ein geheimes US-Militärlabor 1963: Im streng gesicherten Labortrakt F-1 wird eine Kreatur aus dem Amazonas gefangen gehalten, deren Erforschung einen Durchbruch im Wettrüsten des Kalten Krieges liefern soll. Doch eines Nachts entdeckt die Reinigungskraft Elisa das Wesen, das halb Mann und halb Amphibie ist. Die stumme junge Frau tut etwas, woran noch kein Wissenschaftler gedacht hat: Sie bringt dem Wasserwesen die Gebärdensprache bei und beginnt so entgegen aller Regeln eine vorsichtige, geheime Freundschaft mit ihm. Als sie erfährt, dass das »Projekt« schon bald auf dem Seziertisch enden soll, muss Elisa alles riskieren, um ihren Freund zu retten…

Ich bin einfach schwer begeistert! Das hatte ich bei diesem Buch nicht erwartet. Weder das was mir in diesen Zeilen begegnete, noch das mich diese Geschichte so einnehmen würde. Und das es diese Emotionen hervorruft schon gar nicht! Trotz der zarten Liebesgeschichte, war vor allem Wut, wenn nicht gar Hass, ein sehr starkes Gefühl beim Lesen.

Wortlos, das war vielmehr ich, nach dem Lesen des Buches. Doch das ist weder diese Geschichte, noch Elisa. Auch wenn Elisa nicht sprechen kann, hat sie viele Worte. Sie gebärdet diese und hat in ihrem homosexuellen Nachbarn Giles und ihrer Arbeitskollegin Zelda, deren Hautfarbe schwarz ist, zwei Menschen in ihrem zurückgezogenem Leben gefunden, die sie verstehen. Aufgewachsen in einem Heim, ohne eine hörbare Stimme, hat sie es in einem Amerika kurz nach dem 2. Weltkrieg nicht einfach. Ebenso wenig wie ihre zwei engsten Freunde, aber sie ist zufrieden mit ihrem Leben, einzig die Sehnsucht nach etwas nicht greifbarem nimmt sie immer wieder ein.

Von einem Tag auf den anderen wird Elisas Leben auf den Kopf gestellt, diese eine Begegnung die ihr Leben verändert. Ängstlich, annähernd – leise und doch so Raum einnehmend. Während das Wesen im Tank sie aufblühen lässt, so lässt sein Peiniger Strickland sie erschaudern. Schon lange hat es kein Protagonist aka Antagonist geschafft, mich so wütend durch die Seiten springen zu lassen. Strickland! Holy, wo fange ich an, wo höre ich auf? Er machte mich so sauer, dass ich am liebsten eine nicht jugendfreie Version hier abliefern würde, also genau das, was die Autoren mit dieser Figur erreichen wollten! Und genau das ist es, was mich an dieser Geschichte so begeistert und fasziniert. Ich weiß nicht wie oft ich mir Notizen zu ihm gemacht habe, mit verschiedensten emotionalen Ausbrüchen, Schimpftiraden und unfeinen Bezeichnungen.
Und dies schafften ebenso die anderen Protagonist*innen mit anderen Emotionen die bei mir hervorgerufen wurden. Ich litt mit ihnen, ich ärgerte mich mit ihnen und ich freute mich mit ihnen. Bereits von den ersten Seiten an wurde ich in den Bann dieser Geschichte gezogen, wurde überflutet von Neugierde und Angst, auch wenn der Ausgang der Jagd bereits klar war.
Ein Buch der leisen Töne, aber nicht der wenigen Worte. Nach und nach sank ich tiefer hinein, baute eine Beziehung zu Elisa, dem Wesen, Giles, Zelda und Stricklands Frau Lainie auf. Mrs. Strickland die mit einem tyrannischen Mann in einer neuen Stadt von vorne beginnen muss. Zwischen Wäsche und Angst. Ein Buch das weit über eine Liebesgeschichte hinausgeht.

Zunächst eckte ich mit Kapitelüberschriften wie „Ungebildete Frauen“, der Benutzung des N-Wortes und auch einigen anderen Darstellungen an. Ich las weiter und das Buch beinhaltet so viel mehr als eine heranwachsende Liebe. Es spricht Themen an, die damals keinen großen Raum von Widerspruch und Auflehnung zuließen. Ein System das Menschen in verschiedene Klassen einteilt und dem geben die beiden Autoren durch ihre Schreibweise und den Darstellungen der damaligen Zeit Authentizität.
Es ist die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, schwarze Menschen (PoC) und Frauen im Allgemeinen haben keine Rechte. Man liest die Zeit in der die Geschichte spielt heraus und Strickland macht dem alle Ehre. Seine Ehefrau soll nicht arbeiten und Elisa würde er gerne ein Krächzen entlocken – widerlich! Das Leben ohne viel Geld, die gesellschaftlichen Unterschiede, die Rollenverteilung aufgrund des Geschlechts, sind nicht die Themen die im Fokus, aber vielleicht genau deshalb so unüberlesbar.
Die Autoren schaffen es Emotionen hervorzurufen, sind gesellschaftskritisch ohne dabei jedoch laut mit dem Finger drauf zu zeigen. Die Erfahrungen der Protagonist*innen sind leise eingearbeitet, sind nicht die Haupterzählung und treffen dennoch genau dort wo es wehtun soll.

Die gesamte Geschichte ist sehr atmosphärisch und wird in den Kapiteln immer kürzer, je näher man sich dem Ende entgegen liest. Es entwickelt sich ein Gesamtbild der Charaktere, es skizziert die Facetten des Lebens und den Lebensschmerz. Die Vielfalt der Themen wirkt an keine Stelle überzogen oder überladen, sondern ist innerhalb der Geschichte fein aufeinander ab- und eingestimmt.

Der Film

Wunderschön, optisch einfach ein Genuss. Guillermo del Toro eben! Aber es fehlt so viel aus dem Buch, das hatte ich nicht erwartet, da del Toro bei beiden Formaten seine künstlerischen Finger drin hatte. Enttäuscht wäre zu hart, aber verwundert.

Der Film für sich alleine ist definitiv eine Augenweide, aber in seiner Erzählung zu schnell! Ich glaube ohne das Buch, hätte der Film mich nicht so berührt. Die ganzen leisen Töne dazwischen fehlen. Und ja, diese grandiose Anfangsszenerie, Strickland im Amazonas, da hatte ich wirklich gedacht eben dies auch im Film zu finden. Da der Fokus der szenischen Darstellung (des Fims) jedoch mehr auf die Liebesgeschichte gerichtet ist, scheint es ohne die Anfangsszene des Buches doch stimmiger zu sein. All das was mir im Buch begegnete sind hier leider nur eine Randerscheinung.

Auch die Nebenrollen, die im Buch eine starke Präsenz haben, sind im Film nur Randfiguren. Ich bin selten jemand, die zuerst den Film schaut und dann liest – eigentlich lese ich nie das Buch, wenn ich die Verfilmung bereist kenne. Bei dieser Geschichte würde ich aber schon dazu raten.
Und wenn schon erst lesen und dann schauen, macht es nicht wie ich! Hatte das Buch am Nachmittag ausgelesen und konnte es am Abend einfach nicht mehr erwarten und schaute direkt den Film – das (direkte) Vergleichen schloss sich daher nicht aus … …

Fazit?! Ich bin schwer begeistert von dem Buch! Das Cover hat mich fasziniert und der Klappentext klang zu verlockend. Ich hatte nicht erwartet auf das zu treffen, was mir innerhalb der Seiten begegnete. Eine Liebesgeschichte und doch so viel mehr. Ein Buch das wundervolle Bilder hervorrief und mich berührte.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★


Weitere Eindrücke
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Buchdetails | Anzeige |
Titel: The Shape Of Water
Buchreihe: Einzelband
Autoren: Guillermo del Toro & Daniel Kraus
Verlag: Knaur

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Diana
Gast

Hallo,
da ist ja endlich deine Rezi zu dem Buch. Und mit kurzer Filmkritik, sehr gut.
Ich konnte mich mit dem Film nicht so gut identifizieren. Zu viel Liebe, und das mag ich nicht so. Obwohl mir die Grundidee dahinter schon gefiel. Aber vielleicht fehlte mir das, was du erwähnst, die Tiefe.
Werde wohl mal das Buch lesen müssen um genaueres zu sagen. Danke für deine Rezension. :)
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de