„Seht was ich getan habe“ | Sarah Schmidt

Inhalt laut Verlag:

»Vater ist tot!« Zutiefst verstört starrt Lizzie Borden ihren Vater an, der blutüberströmt auf dem Sofa liegt. Auch ihre Stiefmutter wird tot aufgefunden – ebenfalls hingerichtet mit einer Axt. Eindeutige Spuren sind an jenem schicksalhaften Morgen des 4. August 1892 kaum auszumachen, dafür häufen sich die Fragen. Denn während die Nachbarn in Fall River, Massachusetts, nicht begreifen, wie einer so angesehenen Familie etwas derart Grausames zustoßen kann, erzählen diejenigen, die den Bordens wirklich nahestehen, eine ganz andere Geschichte: von einem jähzornigen Vater, einer boshaften Stiefmutter und zwei vereinsamten Schwestern. Schnell erklärt die Polizei Lizzie zur Hauptverdächtigen, deren Erinnerung jedoch lückenhaft ist. Wo war sie zum Zeitpunkt der Morde? Saß sie wie so oft unter den Birnbäumen und träumte vor sich hin? Oder ist sie doch verantwortlich für diesen Albtraum?

Ungeklärt?!

Wir unschuldig doch das Cover wirkt. Die junge Frau in ihrem hübschen Kleid, fast schon artig in der Haltung und doch suggeriert es etwas Unheilvolles. Der nie aufgeklärte Fall der Lizzie Borden, ist als Debüt der Australierin Sarah Schmidt, eine Reise in die Vergangenheit. Es ist gewiss keine Aufklärung der Mordfälle um Lizzies Vater und Stiefmutter, aber es ist ein ganz großes „Vielleicht“, ein „könnte so gewesen sein“, ein „man weiß nie“ oder einfach eine Interpretation von Möglichkeiten.

Solche Bücher fordern mich heraus. Der Hintergrund der wahren Begebenheit reizt mich bis auf´s Blut und führt bei mir dazu, dass ich alles versuche nachzulesen und zu recherchieren, was es zu finden gibt. Ein ungeklärter Mordfall, bei dem es zwei Opfer zu beklagen gab. Ein Fall der in die Geschichte einging und zu vielen Spekulationen beitrug.

Alles was sie sagten, betäubte mein Hirn; es war wie ein Fass voller Echos, die, wie in Essig eingelegt, langsam zu mir zurück drifteten.
(S. 115)

Die Unschuld des Covers verfliegt schon mit den ersten Sätzen. Die Autorin bringt einen dazu, sich in verschiedene Personen zu versetzen. Jeder erzählt aus seiner Sicht und dabei erlebt man immer wieder die gleichen Begebenheiten, nur eben aus einer anderen Perspektive.
Als da wären:
Lizzie Borden, die jüngste Tochter von Andrew Jackson Borden
Emma Borden, Lizzies ältere Schwester
John Morse, Bruder der ersten (verstorbenen) Ehefrau Andrews
Bridget Sullivan, das Hausmädchen irischer Herkunft
Benjamin, der Herumtreiber und als einziger fiktiv

Was hat sich damals angespielt in dieser recht wohlhabenden Familie? Warum ist Lizzies Verhalten so seltsam? Hat es etwas mit dem frühen Tod ihrer Mutter zu tun und der Tatsache, dass ihr Vater ein paar Jahre später eine neue Frau und damit eine Stiefmutter ins Haus bringt? Sind es die Verlustängste die Lizzie dazu antreiben, sich wie eine Klette an ihre Schwester Emma zu hängen? Was ist damals geschehen, dass irgendwer einem alten Mann und seiner Ehefrau die Schädel einschlägt, im eigenen Haus, ungesehen von irgendjemanden, unentdeckt, still, leise, heimlich?

Dieses Haus ist nicht gut…Es ist eine Brutstätte von Krankheit und Schrecken.
(S. 337)

Eine seltsame Familie, die Bordens. Der Umgang miteinander alles andere als herzlich. Stichelleien sind an der Tagesordnung, von jedem gegen jeden. Emma hat es sogar schon so satt, dass sie bei einer Freundin lebt und keinerlei Ambitionen hat in ihr zu Hause zurück zu kehren. Lizzie, obwohl schon über Zwanzig benimmt sich wie ein kleines störrisches Kind und lässt ihr Machtverhältnis gegenüber dem Hausmädchen Bridget deutlichen Lauf. Bridget selbst leidet unter furchtbarem Heimweh und wünscht sich so sehr aus diesem Haus zu kommen. Abby, die Stiefmutter hetzt ihrem Mann gegen die Stieftöchter auf und Andrew selbst wird des ein ums andere Mal auch gewalttätig. Das plötzliche Auftauchen des Bruders von Lizzies und Emmas Mutter scheint nicht wirklich Wohlwollend zu sein. Ein Heuchler, der es auf das Vermögen abgesehen hat? Dann noch dieser Benjamin, ein Herumtreiber, der auf der Suche nach Gelegenheitsjobs doch eher die nie erhaltene Liebe des eigenen Vaters sucht.

Alle miteinander sind prall gefüllt mit Wut. Was brachte den Tropfen zum Überlaufen? Ist wirklich einer dieser Personen ein Mörder, eine Mörderin?
Es wurde nie aufgeklärt, aber es hat irre Spaß gemacht durch diese Seiten und damit durch das Haus der Bordens zu reisen. Alles zu sehen und zu hören und doch nichts genaueres zu erfahren. Eine sehr unheilvolle Geschichte, gesättigt mit Emotionen und Erinnerungen. Kleinigkeiten, deren Erwähnungen mit einem sehr bildhaftem Stil erzählt werden. Das Ticken der Uhr, die verschlossenen Türen, das Knarzen der Böden, die stinkende Hammelbrühe auf dem Herd. Ein Haus voller Geräusche und Gerüche. Stellenweise unverblümt dargestellte Szenerien, die an Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten sind. Blut und Tod in einem kalten, gefühllosen Haus.

~ Lizzie Borden ~ Bildquelle: Wikipedia – Gemeinfrei

Die Autorin hat es geschafft, alle der involvierten Personen in einem Licht darzustellen, dass sich Unmengen an Fragen auftun.
Eine Geschichte mit realem Hintergrund, fiktiv aufgearbeitet und damit noch viel Unheilvoller.

In diesem Buch geht es nur um einen Bruchteil der Geschehnisse. Es werden nur die Tage vom 04. August 1892 bis zum 06. August 1892 erzählt – lediglich bei Benjamin macht die Autorin eine Ausnahme. Diese Episode habe ich erst im Nachhinein begriffen, als ich bei Recherchen vom Bruch zwischen Lizzie und Emma, Jahre nach der Tat, erfuhr. Alles macht einen Sinn. Es hätte so sein können – vielleicht?

Man könnte die ganzen Geschichte als durchweg negativ beschreiben, aber genau das hat mich so positiv überrascht. Sie lässt einen nicht mehr los – die Geschichte um Lizzie Borden!

Glaubst du, dass ich das alles erfinde? Euch alle belüge?
(S. 364)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

Weitere Eindrücke –
LeseBlick°
Travel without Moving °


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Buchdetails
Titel: Seht was ich getan habe
Buchreihe: Einzelband  
Autorin: Sarah Schmidt
Verlag: Piper

10
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Pink Anemone
Gast

Hallo Kerstin,
tja, es scheint so als müsse ich dieses Buch unbedingt haben. Jap, muss ich. Kommt also auf meine WL gaaaanz nach oben. Vielen Dank für die tolle Rezension die einem unter die Haut geht.

Liebe Grüße aus Wien
Conny

Nicole “NiWa” Wagner
Gast

Das Buch wartet hier auf mich und ich freue mich schon, wenn es an der Reihe ist. Tolle Rezension, die die Neugier darauf anstachelt!

Liebe Grüße,
Nicole

Tintenhain
Gast

Das Buch klingt sehr spannend, aber ich bin nicht sicher, wie unbefriedigend ich es fände, bei der Recherche herauszufinden, dass alles nur Mutmaßungen sind. Ich würde dann immer noch wissen wollen, was denn nun wirklich geschah. Ja, ich weiß, das weiß man nicht. :-D

Liebe Grüße,
Mona

kleinewelle
Gast
kleinewelle

Hallo,
tolle Rezension und hat mich nur noch mehr überzeugt, mir das Buch mal zu kaufen. Stand schon eh auf meiner Wunschliste. ;)

Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de

Ela
Gast

Wow!
Deine Einleitung bei Facebook hat mich schon neugierig gemacht, daraufhin hab ich den Klappentext gelesen und natürlich deine Rezi.
Diese weckt in mir nur noch mehr die Lust, dieses Buch ganz bald zu lesen!
Der Schreibstil in den Zitaten gefällt mir schon sehr gut und zieht mich an.
by the Way: ab auf die Wunschliste damit und zwar ganz weit oben.
Danke fürs neugierig machen :)
Frohe Feiertage,
Ela