„Royal Mary – Ein Mord in Tiflis“ | Abo Iaschaghaschwili

Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Buntes Treiben 

Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!
So oder so ähnlich könnte man hinausrufen um dieses Buch zu beschreiben, denn Royal Mary ist ein Pferd. So besonders dass man es dem Schah schenken möchte. Doch irgendjemand hat etwas dagegen, denn ein gemeiner Diebstahl hinterlässt einen leeren Stall und einen ersten Toten.

Der Franzose Albre, dem man irgendwann einmal das d´ abgenommen hat, ist der Ermittler in dieser Geschichte und er ist genauso besonders wie es das Buch ist.

Tiflis ist ein Schmelztiegel der Kulturen und die Zeit in der diese Geschichte spielt, ist zum Ende des 19. Jahrhundert angesiedelt. Man springt sofort hinein, in die Pferdebahn und lauscht dem Menschen beim Alltagsplausch und wird gleich Zeuge eines Diebstahls.
Mich hat es königlich amüsiert, der lässige Tonfall des Autoren und wie er die Gestalten zeichnet. Keinerlei Berührungsängste mit all diesen unterschiedlichsten Menschen und ihren Bedürfnissen. Eine richtig atmosphärische Zeitreise. Es geht durch die Straßen und über Märkte. Man geht über Plätze und landet in so mancher Spelunke. Dabei folgt man so mancher mehr als zwielichtigen Gestalt und kommt dem Geheimnis um das Verschwinden Royal Marys immer näher.

Und alles war ständig in Bewegung und die Vielfalt der Charaktere in dieser gar nicht so großen Stadt Tiflis doch beachtlich
(S. 13)

In diesem Buch versammelt sich alles und jeder. Nationalitäten aller Couleur geben sich ein Stelldichein und man musste höllisch aufpassen mit den Namen oder Bezeichnungen. Zum Glück gibt es hinten im Buch eine Auflistung, die hilft das ein oder andere vollkommen Unbekannte zu erklären.

Der Kriminalfall entpuppt sich bald als abgekartetes Spiel und der Besuch des Schahs spielt eine große Rolle. Diese Stadt wartet mit so vielen Überraschungen auf. Da es nicht bei dem einen Toten bleibt, hat Albre alle Hände voll zu tun und auch sein zur Seite gestellter Kollege Chripli ist oft genug überfordert. Dennoch schaffen die zwei es, sich durch das Wirrwarr zu schlängeln und so manche Aktion endet mit blutigen Nasen.

Royal Mary nur als Kriminalroman zu bezeichnen wäre eindeutig zu wenig. Es ist eine geschichtsträchtige Reise durch diese Stadt. Geprägt von all den Einflüssen der Menschen, ihren Gewohnheiten und Bräuchen, Sitten wie Unsitten.
Farbenfroh und bunt wie das Cover kommt neben den einzelnen Personen auch manches Getier zum Einsatz. Von dem ganz großen Elefanten bis hin zu den kleinen Schaben. alle tragen ihre Namen und alle haben einen Zweck.

Bei den Dialogen verzichtet der Autor auf die Gänsefüßchen, sondern begnügt sich mit Bindestrichen. Das tut dem Buch und der Geschichte keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, es passte perfekt dazu. Herrlich anders und herrlich schräg. Ein Krimi-Spionage-Fall ohne technischen Schnickschnack. Keine Superhelden aber genügend Bösewichte. Ernsthaft genug und doch immer wieder von solch abstrusen Situationen oder Gesprächen begleitet. Dazwischen immer wieder dieses Pferd und die verzweifelte Suche danach.

Aber ich habe immer noch nicht kapiert, wozu sie dieses Pferd brauchten.
(S. 124)

Solch ein lesenswertes Buch. Es hat mich bestens unterhalten und ich habe immer noch ein zufriedenes Grinsen im Gesicht.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

Diese Rezension ist ein kleiner Teil der „Reise nach Georgien„. Wer mehr wissen möchte – in dem Beitrag finden sich viele Berichte zu diesem Land.


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Buchdetails
Titel: Royal Mary
Buchreihe: Einzelband
Autor: Abo Iaschaghaschwili
Verlag: Edition Foto Tapeta
— Rezensionsexemplar —

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