„REUE“ | Sascha Berst-Frediani

Inhalt laut Verlag

Reiz des Verbotenen
Ein Dorf in Deutschland. Sie – jung, hübsch und beruflich erfolgreich, ihr Ehemann – derb und eher schlicht. Dass er nur am Wochenende zu Hause ist, stört sie nicht. Eigentlich wäre alles perfekt, wenn dieser Untermieter nicht wäre. Am Anfang spielt sie nur mit ihm. Aber die Versuchung ist zu groß. Und plötzlich ist es ernst. Doch als sie beschließt, die Karten auf den Tisch zu legen, ist einer tot und für die Wahrheit ist es zu spät. Ein eindringlicher Roman, aus unterschiedlichen Perspektiven anhand von Rückblenden erzählt.

Drei sind einer Zuviel!

Selten habe ich eine Geschichte gelesen, in der es nur so von Versagern, Fremdgeher, Neider und ichbezogenen Gestalten wimmelt. Bis auf eine klitzekleine Ausnahme, mochte ich keine der Personen und das war (nehme ich mal an) auch so gewollt!?

244 Seiten, eigentlich ausreichend aber doch zu kurz, denn es liest sich sehr schnell, was auch an der recht unkomplizierten Sprache liegt. Der Autor „spricht“ und „denkt“ durch seine Charaktere und die sind, nun ja, ich würde mal sagen – irgendetwas von einfach bis unterirdisch. Doch das macht diese Geschichte aus!
Ein paar Menschen, die etwas gemein haben und doch grundverschieden sind.
Jeder von ihnen ist von Zweifeln geplagt, wobei es bei der ein oder anderen Person durchaus in einen durch Neid behafteten Zorn ausartet.

Niemand war für ihn da. Niemand war je für ihn da. Niemand.
(S. 239)

Darf ich diese Herrschaften einmal vorstellen?
– Sabine | angehende Finanzassistentin mit einem Faible für den Untermieter und einem Ekel für den Ehemann
– Holzer | Sabines Ehemann, der als Berufssoldat in der Kaserne lebt und nur am Wochenende seine Frau nervt
– Thomas | der hübsche Untermieter, still, ruhig mit einer Vorliebe für´s Motorradfahren
– Frank | Thomas Kumpel und für alle Wartungsarbeiten zuständig
– Frau Müller | Sabines Kollegin und verbittert bis zum Abwinken
– der alte Bauer | wie gesagt – ein alter Bauer eben
– Steffi | heißt eigentlich Stefan

Diese Damen und Herren erzählen alles aus ihrer Sicht. Wie bereits erwähnt, bedient sich der Autor damit auch deren Umgangssprache. Da kann es schon mal zu Schimpftiraden und unflätigen Kraftausdrücken kommen. Letztendlich ist kein einziger von ihnen in irgendeiner Form glücklich. Alle sind am Hadern, entweder mit dem eigenen Leben, dem Leben eines anderen oder weil eben alles anders gekommen ist, als man ursprünglich mal dachte. So bleibt es nicht aus, dass sich die aufgestaute Wut entlädt und einer der oben genannten Personen ist plötzlich tot. Wobei – plötzlich ist auch nicht wirklich richtig. Es bahnt sich an, im Laufe der Geschichte, und man ahnt schon auf was es hinaus läuft.

Tief in sich wusste er, dass dieser Kampf nicht zu gewinnen war.
(S. 148)

Man könnte fast meinen „REUE“ sei eine Liebesgeschichte. Aber eben nur fast. Denn kein einziger der Charaktere liebt irgendjemanden, geschweige denn sich selbst. Ein fast schon deprimierendes Buch und doch hat es dieses gewisse Etwas. Dieses Wissen wollen was noch kommt und wer denn nun….aber das muss man sich selbst erlesen.

Der Stil ist wie gesagt sehr nüchtern und einfach. Nichts wirklich tiefschürfendes und auch jetzt wieder muss ich sagen, da ist etwas und wenn all diese Personen nicht so negativ behaftet wären, könnte man den ein oder anderen fast doch so ein bisschen mögen. Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntermaßen die Regel und während man bei der einen dachte „Mensch tu endlich mal was“ war es bei einer anderen genau umgekehrt.

Das Buch ist von der Aufmachung her auch ungewöhnlich. Ein Hartcover, wobei die Art des Umschlages mir so noch nie begegnet ist. Eine feste Kartonage, wodurch das Buch sehr gut in der Hand liegt, aber ob das den Preis rechtfertig?

Dagegen ist die Schrift von angenehmer Größe, die Kapitel nicht ellenlang und besonders das Cover ist trotz seiner Schlichtheit schon wieder sehr besonders und damit gelungen.


Dieses Buch gehört bei mir definitiv zur Gruppe derer, die sich schnell und gut lesen lassen. Ein Buch das neugierig macht aber unterschwellig auch ein bisschen schlechte Laune bringt, eben wegen dieser Charaktere und ihren Verhaltensmustern.

Besonders das Ende der Geschichte hat mich etwas ratlos zurück gelassen. Es war zu schnell und zu abrupt. Da sind noch einige Fragen übrig geblieben, die wohl nie beantwortet werden. Die Thematik der Reue spiegelt sich in dieser Geschichte wohl in diesen Gefühlen der einzelnen Charaktere etwas falsch gemacht zu haben oder etwas nicht getan zu haben. Eine Art Reue ob der eigenen Sinnlosigkeit wegen verpasster Chancen?!

Dennoch war es ein Lesegenuss, weil es eben nicht alltäglich ist.
Empfehlen würde ich es allen, die auf dramaturgische Spannung verzichten können und gerne mal die selbst gekochten Mitleidsüppchen der Personen kosten möchten. Es wird nicht jedem schmecken, dafür ist es zu besonders zubereitet.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★


Weitere Eindrücke –
Mein Bücherregal und ich °
Angeltearz liest °

Seehases Lesewelt °
Engelchenswelt °
Lesefreude °

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Buchdetails
Titel: REUE
Buchreihe: Einzelband  
Autor: Sascha Berst-Frediani
Verlag: Gemeiner

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