3 Geschichten – 3 Eindrücke | Melanie Raabe – Banana Yoshimoto – Catherine Steadman

Jannas Dreierlei

#WirLesenFrauen

3 Frauen – 3 Formate


„Abgrund“ von Melanie Raabe

Wertung: ★★★☆☆

Ein Wochenendtrip auf eine Insel. Eine Gruppe von Freunden, die Geburtstag feiert. Eine Fremde, die wortlos Umschläge mit Geld hinterlässt. Alte Konflikte, die wieder aufbrechen – und Geheimnisse, die nie ans Licht kommen dürfen …

Klappentext

Ein zehnteiliges Podcast-Hörspiel, bei dem meine Erwartungen aufgrund der Autorin Melanie Raabe hoch waren! Ich mag es kaum schreiben, aber leider wurde die Geschichte meinem Anspruch nicht gerecht.

Es ist geheimnisvoll, allein schon durch Vincents Träume und seinem Vorhaben bezüglich der Einladung in seine alte Heimat, die nie wirklich eine für ihn war.
Während Vincents damaliger Freundeskreis bereits zur Insel vorfährt, wird deutlich das mir kaum jemand von ihnen sympathisch ist! Wenn eine Gruppe Menschen zusammen ist und einer aus ihrem Kreis nicht anwesend ist …- naaa, wer erahnt, was dann passiert?!
Richtig! Erstmal über die fehlende Person erziehen. Auch im weiteren Verlauf verkörpern die Sprecher*innen gekonnt ihre Rollen und ich hätte den einen oder die anderen gerne mal kräftig gerüttelt.

Undeutliche Träume, geheimnisvolle Briefumschläge und das Auftauchen einer unbekannten Person erschaffen eine beklemmende Atmosphäre, die sich für mich in ihrem Verlauf nicht halten kann. Zehn Folgen die jeweils unter 30 Minuten Spieldauer haben, da kann kein gewohnter Raabe-Thriller entstehen. Etwas schade, da ich all ihre Geschichten gelesen habe und mich auf ihr neues Buch bereits freue!

Bei dem Hörspiel bleibt jedoch alles ein wenig zu sehr an der Oberfläche und baut nicht den mir bekannten Sog der Autorin auf. Da dies jedoch das erste Hörspiel war, dass mein Freund und ich gemeinsam gehört haben – dem es auch etwas besser gefiel als mir – ist es doch irgendwie was persönlich Besonderes.


„Lebensgeister“ von Banana Yoshimoto

Wertung: ★★★★☆

Nach einem schweren Unfall und dem Tod ihres Geliebten ist Sayoko nicht mehr sie selbst. Sie hat Geheimnisse der unsichtbaren Welt erfahren. In der Tempelstadt Kyoto lernt sie das Leben so zu akzeptieren, wie es ist: voller Ungewissheiten und Rätsel, dem Tod immer nahe, ob man jung ist oder alt. Aber sie begreift auch, wie einmalig das Diesseits ist.

Klappentext

Eine Geschichte über den Verlust, die Trauer und vom eigenen Lebensglück. Soyoko war glücklich vor dem verhängnisvollen Unfall, nur nie ganz sie selbst.

Sayako ist schwer verletzt, ihr Freund tödlich verunglückt. Körperlich und seelisch erleidet sie tiefsitzenden Schmerz, doch die Geschichte ist keiner Stelle düster. Ein Umgang mit dem Tot, in den ich mich zunächst hineinlesen musste und mir doch von Beginn an gefiel.

Der Umgang mit Trauer ist kulturell unterschiedlich und so ist auch diese Geschichte nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Die Autorin Banana Yoshimoto verschaffte mir aber eine wundervolle Gänsehaut und fängt gelungen den Schmerz ein, ohne tief schmervoll zu sein.

Es geht auch nicht Vordergründig um Trauer, sondern vor allem um die Dankbarkeit des Lebens. Nachdem Sayako eine Eisenstange in ihrem Körper hatte, dauerte es zwei Jahre bis sie in ihr Leben zurück kehrte und doch ein ganz anderes lebte. Sie nimmt ihre Umgebung anders wahr, sie gibt sich selbst mehr Freiraum, und sie ist ganz sie selbst.
Die Geschichte einer Frau, die viel verlor und ebenso viel dazu gewann.


„Something in the Water – Im Sog des Verbrechens“ von
Catherine Steadman

Wertung: ★★★☆☆

Erins Glück scheint perfekt, als sie mit Mark ihre Flitterwochen auf Bora Bora verbringt. Auf der paradiesischen Insel genießen die beiden unbeschwerte Tage – bis sie bei einem Tauchausflug auf eine Tasche mit sehr wertvollem Inhalt stoßen: über zwei Millionen Dollar. Erin und Mark beschließen, ihren Fund für sich zu behalten und alle Spuren zu verwischen. Aber zurück in London beginnt ihr Geheimnis schon bald, sie in einen reißenden Abgrund zu ziehen. Als sich beunruhige Vorfälle häufen, weiß Erin plötzlich nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann …

Klappentext

Mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass Thriller nicht gleich Thriller ist. Roman wäre doch weitaus passender gewesen, da dieses Genre sich nicht zu stark auf bestimmte Schreibelemente fokussiert. So Spannungsgeladen diese Geschichte anfängt, so flaut diese doch immer weiter ab.

Der Beginn ist fesselnd! Erin begräbt ihren toten Ehemann – allein und in völliger Abgeschiedenheit. Sofort ist klar, dass sich dahinter etwas Düsteres verbergen muss. Doch es kommt wie es kommen muss und die Geschichte springt in der Zeit zurück. Ein Stilmittel der mir gefällt, da ich Zeitsprünge und somit entstehende offene Fragen immer gerne lese.

Skizziert wird ein glückliches Paar kurz vor ihrer Hochzeit. Doch eben diese wird durch die berufliche Situation von Erins Verlobten Mark unter einen Schatten gestellt. Doch auch Erins Beruf nimmt sie stark ein, denn durch ihren geplanten Dokumentarfilm kommt sie in Kontakt mit einem Schwerverbrecher. Dadurch entstehen immer wieder Fragen, die eine beklemmende Atmosphäre erschaffen und ebenso fragte ich mich immer wieder, wie es zu der Ausgangssituation dieser Geschichte kam.

Das was perfekt wirkt, hat meist finstere Geheimnisse. Die Aufklärung ist in sich stimmig und absolut nachvollziehbar. Erin, die diese Geschichte aus der Ich-Perspektive heraus erzählt, ist keine Frau die plötzlich „im Sog des Verbrechens“ steht und alles wie von Zauberhand meisterhaft regelt. Sie ist eine Protagonistin, die auf Hilfe angewiesen ist, die nicht ohne Gegenleistung angeboten wird. Klingt bislang eigentlich nach einer überzeugenden Geschichte, oder? Nun, es gibt drei Punkte die mich dann aber doch stark gestört haben:

1. Das Genre! Warum muss überall Thriller draufstehen, wenn es doch eigentlich keiner ist? Dies weckt bei mir falsche Erwartungen.
2. Die Geschichte driftet um die Hochzeit herum ab. Klar, es dient der Skizzierung ihrer Beziehung, doch dies hätte auch knapper verfasst werden können.
3. Das Ende! ACHTUNG SPOILER
Ende gut – fast alles gut! Natürlich ist der Verrat schrecklich, alleine sein mit einem ungeborenen Baby kein schöner Start – dennoch ist Erin im Gesamten sehr glimpflich davon gekommen. Auch wenn sie selbst keinen Mord begangen hat, so hat sich Erin die Diamanten zu Eigen gemacht und erwartet daraus keine rechtlichen Konsequenzen. Etwas das mir besonders in diesem Genre immer wieder begegnet – die Protagonist*innen die wir Leser*innen mögen sollen und somit vor jeder Konsequenz geschützt sind.

Auch wenn mich die Geschichte nicht vollends einnehmen konnte, bin ich einem weiteren Buch der Autorin nicht abgeneigt. Nach einem Debüt lässt sich Steigerung erhoffen!


| Anzeige |

Titel: Something in the Water – Im Sog des Verbrechens
– Einzelband –
Autorin: Catherine Steadman
Sprecherin: Tanja Fornaro
Verlag: Osterwold (Der Hörverlag) | Print: Piper

Titel: Lebensgeister
– Einzelband –
Autorin: Banana Yoshimoto
Verlag: Diogenes

Titel: Der Abgrund (beliebige Podcast-App)
Hörspielreihe: 1. – 10. Folge (alle Folgen)
Autorin: Melanie Raabe
Sprecher*innen: Andreas Pietschmann, Anne Müller, Bettina Kurth, David Wittman, Jannik Schümann, Heike Warmuth, Lisa Hrdina, Luise Helm, Max Urlacher & Steffen Groth / Weitere Sprecher*innen der Nebenrollen siehe Link im „Titel“
Verlag: Der Hörverlag / Hörverlag Serials (Verlagsgruppe Random House)
| Hörspielreihe „Der Abgrund“ |
Folge 1 ~ „Hundert Euro“
Folge 2 ~ „Die Insel“
Folge 3 ~ „Das Schweigen“
Folge 4 ~ „Es ist nicht vergessen“
Folge 5 ~ „Der Leuchtturm“
Folge 6 ~ „Wahrheiten“
Folge 7 ~ „Weil sie böse sind“
Folge 8 ~ „Genug ist genug“
Folge 9 ~ „Gespenster“
Folge 10 ~ „Oben und unten“

Hör-Trailer:

10 Folgen – 10 Fragen
Interview vom Hörverlag Serials mit der Autorin Melanie Raabe



Welche Geschichte hat Euer Interesse geweckt,
kennt Ihr bereits eine oder mehrere?

Beitrag teilen mit:

8
Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her mit Deinen Gedanken! Wir freuen uns auf Deinen Kommentar & den Austausch mit Dir!

avatar
Gabi
Gast

Hallo liebe Janna, mich hat der Raabe-Podcast von vorneherein nicht gereizt. Wie gut, dass Du mich nicht in Versuchung gebracht hast, doch noch einmal darüber nachzudenken. Ich warte lieber auf ihren neuen Roman und spare mir den Abgrund. Was die Bezeichnung „Thriller“ angeht, finde ich auch, dass sie so inflationär auf die Bücher geschrieben wird, dass sie fast schon nichts mehr aussagen. Das ist in etwa so aussagekräftig wie „Roman“ und manchmal wäre es wohl besser, wenn man es dabei beließe. Es soll ja auch spannende Romane geben, die nicht gleich ein Thriller sind.Und weil die Genrebezeichnung so oft verschwimmt… Read more »

christin
Gast

Banana Yoshimoto, von ihr sollte ich langsam auch mal ein Buch lesen. Sie wird mir immer wieder ans Herz gelegt, da sie bereits zahlreiche gute Werke rausgebracht hat.Das Buch hier, werd ich mir auch mal merken :)

@Genre
Ich habe mir angewöhnt es zu „überlesen“ da es zu 90% nie stimmt :(
Denn es schürt wirklich falsche Erwartungen. Bei einem Thriller erwarte ich keinen schnöden Krimi, sondern THRILL! Das können allerdings nicht mehr viele Autoren erfüllen …
Und bei den eignen Lieblingen weiß man ja, was einen erwartet :P