„Das Haus am Ende der Welt“ | Paul Tremblay [Janna]

Highlight!

Eine abgelegene Ferienhütte am See in den Wäldern New Hampshires: Hier wollen Eric und Andrew gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Adoptivtochter Wen eine Woche Urlaub machen. Kein Smartphone, kein Internet – nur Ausspannen und Zeit mit der Familie verbringen. Mit der Idylle ist es dann aber schnell vorbei, als eines Tages vier merkwürdige, bis an die Zähne bewaffnete Gestalten auftauchen. Sie versprechen, die junge Familie nicht zu verletzen. Sie sagen, dass sie Hilfe brauchen. Doch die vier verbergen ein dunkles Geheimnis und für Eric, Andrew und Wen beginnt der schlimmste Albtraum ihres Lebens …

Inhalt laut Verlag

Wow! – Das fasst diese Geschichte mit nur einem Wort sehr gut zusammen.
Ich habe mir wirklich Zeit gelassen zwischen dem Lesen und Rezensieren, ich war mir unsicher wie ich meine Kritik in die Endwertung einfließen lasse. Ich schwankte, da mich ein Punkt beim Lesen störte … jetzt, nachdem ich die Geschichte auf mich wirken ließ und ich mir Gedanken zu meiner Kritik machte – und auch auf keine andere Umsetzungsmöglichkeit kam – ist es eigentlich perfekt so, wie es geschrieben ist! Meine Kritik ließ mich nur etwas beim Lesen selbst stolpern, aber so wie Paul Tremblay es geschrieben hat, ist es genau richtig! Ohne eben diesen Verlauf, würde ein wichtiger Part der Geschichte verloren gehen.

Und je mehr ich las, umso mehr verflüchtigte sich auch meine Kritik, wodurch ich einfach schlichtweg begeistert bin von diesem Buch! Für die ganz Neugierigen könnte ich natürlich benennen, was mich zunächst störte, doch wofür? Es ist nur ein kleiner Teil gewesen, der sich nach dem Lesen ebenso schnell verflog, wie ich mich durch die Seiten las!

Das Szenario bewegt sich zwischen verschiedenen Genres, ist aber in erster Linie ein Spannungsroman. Die Geschichte hat eine intensiv einnehmende Atmosphäre, die sich von Seite zu Seite steigert und in einem ruhigen Ton erzählt wird. An keiner Stelle überholt sie sich oder wird überzogen skizziert und was mir besonders gut gefällt, ist die große offene Frage am Ende!
Dieses Buch lässt viel Freiraum für eigene Gedanken, es wurde mir überlassen, zu welchem der zwei Seiten ich mich verbunden fühle. Die Geschichte und ihre große aufgeworfene Frage darin ist nicht neu und doch beschäftigte ich mich ganz automatisch damit.

Ein Ehepaar will mit seiner fast acht jährigen Tochter einen entspannten Urlaub verbringen, fernab all der Hektik, den Menschen, der mobilen Möglichkeit zur Kommunikation mit der Außenwelt.
Ein sommerlicher Tag. Frische Luft, das Wasser, der Wald. Nur diese drei Menschen ganz für sich allein. Eric, Andrew und Wen. Doch was, wenn diese Idylle nur die Ruhe vor dem Sturm ist? Was, wenn die Katastrophe bereits naht, plötzlich vor deiner Tochter steht und versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen? Was, wenn diese Katastrophe noch drei weitere mitbringt und keine Möglichkeit besteht Hilfe zu holen oder sich zu wehren? Welche Ängste entstehen dann?
Eine sehr düstere Atmosphäre entstand, die mich völlig für sich einnahm und mich bis zur letzten Seite nicht mehr los ließ!

Es begann so harmlos! Doch dann tauchte dieser Fremde auf, spricht mit Wen, während ihre Väter auf der anderen Seite des Hauses sitzen. Am liebsten hatte ich ihr zugerufen, dass sie sofort zu Andrew und Eric laufen soll. Doch es war zu spät, es war schon zu spät als ich mit dem Lesen begann. Die kommenden Ereignisse waren unausweichlich. Ich fieberte auf jeder Seite mit, wurde schier kirre bei den immer wieder auftauchenden Cliffhangern! Ich liebe und hasse den Autor für sein Talent, bei den spannendsten Szenen einen Wechsel hineinzubringen und zunächst seine drei Protagonist*innen zu skizzieren, das Leben dieser Kleinfamilie. Es passte hervorragend in die Geschichte, verliert sich nicht, sondern ist Teil der Geschehnisse, auch wenn mich dies in die Vergangenheit der Drei führte.

Und die Details! Kleinigkeiten die mal mehr, mal weniger auffallen, jedoch erst viel später an Bedeutung gewinnen. Ebenso versteht sich Autor Paul Tremblay darin, eine unangenehme Atmosphäre zu schaffen, die sich immer mehr steigert. Hinzu kommt das zunächst absolute Unwissen, was diese vier bewaffneten Fremden wollen. Eingedeckt mit mörderischen Instrumenten tun sie zunächst völlig widersprüchliche Dinge und äußern Sätze, die absolut keinen Sinn ergeben.

Nichts von dem, was passieren wird, ist deine Schuld. Du hast nichts falsch gemacht, aber ihr drei habt ein paar schwere Entscheidungen vor euch. Grässliche Entscheidungen, fürchte ich. Ich wünschte mit jeder Faser meines gebrochenen Herzens, ihr müsstet das nicht tun.

Das ist auch für uns nicht leicht. Wir sind noch nie in so einer Situation gewesen. Niemand war je in so einer Situation, nicht in der gesamten Menschheitsgeschichte.

Seite 37 & Seite 59

Bevor ich Antworten bekam, ereigneten sich vermehrt Situationen, die keinen Sinn ergeben zu scheinen. Doch nach und nach entblätterte sich der Horror. Die kleine Hütte am Wald wurde immer kleiner, die Gefahr immer größer. Ich konnte mich diesem Sog kaum entziehen!
Wie heißt es auf Seite 73?! Die Hoffnung ist eine Droge, die den Verstand vernebelt, in den Wahnsinn treibt – doch genau dieser stand bereits vor ihnen. Meine Nerven haben wirklich gelitten, diese Beklemmung die mich verschlang, dieses Szenario, welches mich packte. In Kombination mit diesem ruhigen aber intensiven Schreibstil, tauchte ich nach nur wenigen Seiten völlig in die Geschichte ein. Auch wenn ich wirklich durch die Seiten preschte, wurde ich nie gehetzt, ich konnte das Buch nur einfach nicht beiseitelegen. Und mittendrin die immer wiederkehrende Frage, was mich am Ende erwarten würde, welche Antwort mir da begegnen würde. Ebenso überraschte mich die Geschichte mit einer erschreckenden Wendung und ließ bei gewissen Passagen Gänsehaut entstehen!

Immer wieder schaffte es der Autor mich zu verunsichern. Ereignisse und Erklärungen die sich widersprechen und doch stimmig sind, doch die Antworten blieben aus. Auch nach der letzten Seite ist nicht ersichtlich, welchen weiteren Verlauf die Geschichte nehmen könnte. Genau das was ich mir als Ausgang gewünscht hatte. Glaube und Zufall. Erscheinung und Wahn.
Ich habe ganz bewusst die Ereignisse und Thematik darin nicht gezielt benannt und nur minimal an der Oberfläche gekratzt. Je weniger Du vorab darüber weißt, umso einnehmender ist das, was Dich erwartet.
Wie gesagt, die Geschichte in ihrem Kern ist nicht neu, aber innerhalb dieses Szenarios grandios erzählt – das Buch gehört ganz klar zu meinen Jahreshighlights!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★


1 Geschichte – 2 Meinungen: Kerstins Rezension

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Buchdetails
Titel: Das Haus am Ende der Welt 
– Einzelband
Autor: Paul Tremblay
Verlag: Heyne

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5
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Gabi
Gast

Au fein, wieder mal Eure beiden Sichten auf ein Buch. Und auch wenn ihr zwei ein bisschen unterschiedlichen Lesegeschmack habt, ist das Buch bei beiden super weggekommen.
Da inzwischen in den kalten Nächten schon mal die Nebel ums Haus ziehen, werde ich das Buch wohl mal auf meine Liste schreiben. Ein Janna-Jahreshighlight, da kann ich nicht widerstehen.
LG Gabi

Tintenhain
Gast

Klingt ja super! Das schreibe ich mir mal auf.

Steffi
Gast

Hey ihr Zwei,
also eigentlich finde ich das Buch ja mega interessant… Ist es wirklich doller Horror oder eher so Richtung Thriller?
Ach, ich lege es auf jeden Fall auf meine Wunschliste. :D

Habt einen tollen Abend!

Ganz lieben Gruß
Steffi