„NACHTWILD“ | Gin Phillips

Das Buch wurde mir liebenswerterweise von Ana (Tii & Anas kleine Bücherwelt), die es als doppeltes Leseexemplar vom DTV-Verlag hatte, kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt.
Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird auch durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Ausnahmesituation

Inhalt laut Verlag

Dunkler als die Nacht. Wilder als ein Tier. Näher als du glaubst.
 

Es ist ein herrlicher Tag und Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo – da hört sie plötzlich Schüsse. Am Ausgang sieht sie Tote auf dem Boden liegen. Sie weiß nicht, ob die Polizei unterwegs ist, ob der oder die Täter noch in der Nähe sind. Als weitere Schüsse fallen, flüchtet sie mit Lincoln in ein leer stehendes Gehege. Das Leben ihres Sohnes hängt jetzt allein von ihr ab und davon, ob sie einen Weg finden wird, sie beide zu retten. Jedes Geräusch, jede Bewegung kann tödlich sein. Sie muss Entscheidungen treffen und Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätte.

© Kerstin

16:55 Uhr, ein Zoo, ein herrlicher Tag der zu Ende geht. Ein Erlebnistag für Joan und ihren vierjährigen Sohn Lincoln. Ein Tag mit Gemeinsamzeit und Zweisamkeit. Bis zu dem Moment, als eine Ausnahmesituation alles dreht und wendet.
Was Joan zuerst für platzende Luftballons hielt, entpuppt sich durch einen Zufallsblick für Schüsse. Gefährliche Männer im Zoo, Männer mit Waffen. Figuren die am Boden liegen und nein, sie möchte es nicht wissen und weiß doch, dass es Menschen sind.

Ausnahmesituation, insbesondere wenn sie mit Gewalt einhergehen, lösen bei den (meisten) Menschen irrationale Verhaltensweisen aus. So auch bei Joan.
Was ist „normal“ in solch einer Situation? Flucht mit dem Kind, es aus der Gefahrenzone bringen, ist mit Sicherheit ein Instinkt, dem die meisten folgen, so auch Joan. Verstecken um nicht entdeckt zu werden und dabei immer leise sein. Sehr leise, pssst, nicht so laut, sei leiser.

Diese Geschichte ist sehr gelungen in den Darstellungen der Hilflosigkeit. Eine Mutter mit Kind, versteckt in einem Tiergehege, stets in akuter Gefahr von den Amokläufern entdeckt zu werden. All diese Dinge, die ihr durch den Kopf gehen, ausgelöst durch diese Situation und wahrscheinlich ein Schutzmechanismus um nicht Durchzudrehen. Joan erinnert sich viel an die Zeit vor Lincoln, an die ersten Jahre mit dem kleinen Kerl und was sich inzwischen alles ge- & verändert hat.
Sie gibt dadurch Einblicke in ihr Seelenleben und der fruchtbaren Sorge um ihr Kind.

Es gibt so viele Dinge, die vor ihm nicht existierten
(S. 60)

Neben Joan und Lincoln gibt es in dieser Geschichte noch vier weitere Charaktere. Mark, der kaum zu Wort kommt und nur angeschnitten wird. Robbys Darstellung ist da schon viel deutlicher.
Daneben gibt es noch die ehemalige Lehrerin Margaret und die Jugendliche Kailynn.
Ihre Begegnungen untereinander sind Zufälle und doch scheint alles einen Sinn zu haben. Es sind Auslöser von weiteren Erinnerungen und Erzählungen.
Dazwischen ist immer wieder die Angst entdeckt zu werden.
Eine für mich immense Beklemmung die aus allen Seiten herausschreit, obwohl man doch leise sein muss.

Eine leise Geschichte in der man mit Joan und den anderen durch den Zoo streift. Sichere Plätze sucht, überlegt wo es gefährlich werden kann, ob es genug Sichtschutz gibt, wie laut ein Laut sein kann und das selbst das Atmen Geräusche macht.

Ich glaube das wir unser Leben leben, indem wir dumme Dinge tun und dumme Dinge glauben
(S. 233)

19:53 Uhr, ein Zoo, ein Alptraum der zu Ende geht. Fast, denn noch ist die Situation für Joan und ihren vierjährigen Sohn Lincoln nicht ausgestanden.
Was mich immer wieder innhalten lies, waren diese Fragen die man sich unweigerlich stellt. Wie würde ich mich verhalten? Könnte ich in dieser Situation so handeln oder eben nicht handeln? Wären meine Reaktionen rationaler oder durchdachter gewesen?
Wahrscheinlich kann man das gar nicht beantworten. Jeder reagiert anders und so war ich auch nicht in der Lage, Joan für ihr manchmal sehr abstruses Tun zu verurteilen.
Auf jeden Fall hat sie gezeigt, dass ihr Mutterinstinkt über allem steht.
Das eigene Kind wird beschützt, egal wie und vollkommen unabhängig ob das Verhalten in den Augen anderer akzeptabel ist. Das Gewissen ist da und hebt den Finger aber Joans Muttergefühle sind so viel stärker. Wie dies in wenigen Zeilen herübergebracht wurde hat mich sehr beeindruckt

Sie sagen einem nicht, dass man die Guten nicht von den Bösen unterscheiden kann…
(S. 286)

Die Kennzeichnung „Thriller“ ist etwas irreführend.
Es geht eben nicht thrillermäßig zu im Buch. Es ist ohne Frage spannend, weißt aber viele Seiten auf, in denen nichts oder nur sehr wenig geschieht, außer den Erinnerungen der einzelnen Charaktere. Es kommt zu Begegnungen mit der zoologischen Welt und so manche davon ist traumatisierend.
Der Stil der Autorin hatte für mich etwas ungemein einnehmendes.

Nur das Ende – ja, da bleiben Fragen – obwohl, Joan hatte sie eigentlich beantwortet.

Es gibt wunderschöne Dinge. Achte auf sie.
(S. 298)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆


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Buchdetails
Titel: NACHTWILD
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Gin Phillips 
Verlag: DTV 
— Rezensionsexemplar —

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federecke
Gast
federecke

Guten Abend.
Ich fand das Buch okay. Weil eben Thriller drauf stand, hatte ich auch irgendwie ein bisschen mehr erwartet und das Ende fand ich ein bisschen … Hm. Einfallslos? Das war mir irgendwie zu unrund.
Man konnte es sehr gut fix weglesen, aber es hat bei mir nicht gerade einen sehr anhaltende Eindruck hinterlassen.. Ja. Es war schon realistisch und beklemmend, aber ich hab mich dabei erwischt, wie ich auch gerne mal zwei Seiten überblätttert hätte, weil man so auf der Stelle gestapft hat.

Liebe Grüße
Chrissi