„Mosaik der verlorenen Zeit“ | Elyseo da Silva

Mosaik-Erzählung

Inhalt laut Klappentext

Julián verbrennt. Schuld daran ist ein Alptraum, der nach dem Aufwachen Brandblasen auf seinem Körper hinterlässt. Kein Arzt, kein Psychologe, kein Medikament scheinen Julián helfen zu können. Just zur Zeit seiner größten Verzweiflung steht plötzlich Kyriel vor der Tür. Die beiden Freunde haben sich seit Jahren nicht gesehen, doch ist Kyriel selbst auf der Flucht vor den eigenen Erinnerungen. Als ein unerwarteter Gast endlich Licht ins Dunkel bringt, begeben Julián und Kyriel sich auf eine Reise, die ihrer beider Leben für immer verändern wird. Auf der anderen Seite der Welt, in einem kleinen Dorf in Guatemala, wächst das Maya-Mädchen María Dolores auf. Ihre Kindheit endet von einem Tag auf den anderen, als sie vor der Hütte, in der sie gemeinsam mit ihrer Familie lebt, ein Symbol entdeckt. Auf einem Felsen prangt eine weiße Hand. Jeder in Guatemala weiß, was dieses Symbol zu bedeuten hat: Jemand wird sterben… Das Mosaik der verlorenen Zeit ist – als literarisches Roadmovie auf den Spuren des guatemaltekischen Bürgerkriegs und als historischer Roman in der Tradition des Magischen Realismus – einer jener kaleidoskopischen Romane, wie sie bislang in Deutschland ihresgleichen suchen. Eine Vielfalt von Schauplätzen, Zeiten und Themen wachsen zusammen zum schillernden Abbild eines halben Jahrhunderts.

Einen besseren Titel hätte der Autor für sein Buch nicht nehmen können und so habe ich das Wort „Mosaik“ auch für meine Überschrift gewählt. Erzählung trifft es nicht wirklich und ist doch passend. Es ist ein Roman, welcher verschiedene Ereignisse und Protagonist*innen skizziert, aber auch ein Teil Erzählung ist. Klingt kompliziert, vielleicht, ist es aber überhaupt nicht! Je mehr ich las, desto mehr tauchte ich in diese Geschichte ein.

Während ich besonders bei den Abschnitten von Julián und Kyriel bei manchen Formulierungen stolperte, umso mehr wurde ich von den anderen Abschnitten gefangen genommen! Somit Kritik auf hohem Niveau. Immer wieder muss Julián für Kyriel übersetzen und die aufmerksamen Leser*innen stellen schnell fest, dass besonders zum Ende hin erst auf diese Feinheit geachtet wurde. Dafür aber überzeugt Juliáns Mutter Lola auf ganzer Linie. Der Autor hat ihr einen passenden Akzent verliehen, um der Geschichte auch in diesen Abschnitten einen besonderen Flair und Glaubwürdigkeit zu verpassen. Natürlich wird dies mit verschiedenen Kürzeln und Wörtern des spanischen innerhalb anderer Konversationen ebenfalls unterstrichen, doch manchmal stolperte ich eher darüber. Ich wusste nicht recht, ob die Protagonist*innen nur für das Wort auf die Sprache zurückgreifen oder sich grundlegend spanisch unterhalten und einzelne Worte etwas hervorheben sollten. Dies mag vielen vielleicht nicht auffallen, ich jedoch hielt ein paar Mal inne – warum mir dies manchmal stark auffiel und manchmal gar nicht, weiß ich nicht recht und es ist für mich persönlich, wenn ich das Buch im Ganzen betrachtet, nur ein kleiner Kritikpunkt – und wie schon erwähnt auf hohem Niveau.

Ich bin so ein- und abgetaucht in die politischen Ereignisse Guatemalas und der Rebellion, dem Kult der Mayas, das ich überhaupt nicht mehr daran dachte, gewisse Zitat zu notieren. Und es wäre auch kaum machbar gewesen! So wundervoll einige Sätze sind, so sehr wären sie aus ihrem Kontext gerissen wurden. Und doch habe ich eines, das dem Buch gerecht wird, ohne Zusammenhang verstanden werden kann:

So ist das mit den Erinnerungen, nicht wahr? Sie erzählen uns die Geschichte unseres Lebens. Wir erzählen uns diese Geschichte
(97% des eBooks, Kapitel 64)

Denn genau das ist diese Geschichte. Sie ist eine Erinnerung an die Mayas, an ihren Widerstandskampf, eine Kultur die für Viele heute nur eine Randnotiz ist, ein Volk das vor Jahrhunderten ihre große Zeit hatte. Und es ist noch vielmehr! Es sind nicht nur die politischen Ereignisse oder die Mayas. Es ist eine Suche nach sich selbst, vereint mit vielen Themen wie Liebe, Selbstzweifel, Sexualität, Vergänglichkeit. Ich kann den Roman kaum zusammenfassen, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Ich kann ihn Euch nur ans Leseherz legen, auch wenn die Vielfalt an Themen groß erscheinen mag, so erschlägt sie nicht. Wundervoll miteinander verwoben und in den Rahmen des Buches eingearbeitet!

Mehrere Handlungsstränge und Protagonist*innen, bei denen der Zusammenhang nicht direkt zu Beginn greifbar ist, sondern sich nach und nach zusammensetzt. Viele kleine Einzelteile, die im weiteren Verlauf ein Gesamtbild schaffen, eben genauso wie beim Zusammensetzen eines Mosaikbildes! Ein Feuertraum und das Ende eines Lebens sind der Anfang dieser Geschichte, viele Fragen ohne eine einzige Antwort.

Immer wieder baut der Autor Elyseo da Silva wahre Ereignisse der damaligen Zeit in Guatemala ein. Fußnoten und Zeitungsartikel schaffen den Leser*innen Einblicke ohne dabei die zu überfordern, die sich mit der Widerstandsbewegung der Guerilleros bis dato nicht auseinandergesetzt oder befasst haben. Eine gelungene Zusammenführung von Realität und Fiktion. Auch wenn der Autor diese Artikel innerhalb der Geschichte selbst formuliert hat, basieren sie auf wahren Ereignissen.
600 Seiten umfasst die Printausgabe und ich bin kaum in der Lage eine umfassende Rezension zu schreiben. Nicht nur wegen der Befürchtung ausversehen etwas vorwegzunehmen, vielmehr müsste ich das Mosaik wieder in seine Einzelteile legen und es würde am Ende vielleicht ein falsches Bild entstehen … Die Geschichte ist in drei Abschnitte unterteilt, mit den unterschiedlichsten Protagonist*innen und ihren Lebens- und Leidensgeschichten. Und doch kann kaum eine davon einzeln betrachtet werden, da sie sich am Ende zu einer einzigen zusammenfügen.

Da sind Pascal und Kyriel, beide verlieren dieselbe Frau ihres Lebens.
Julián der ohne Vater aufwuchs und von seinem Erbe heimgesucht wird. Gemeinsam mit Kyriel begibt er sich auf die Reise seines Lebens. Auch Pascal sucht Antworten und entdeckt dabei eine ganz andere Laura, als die, die er liebte. Laura selbst, ihr Leben wird nach und nach von Pascal zusammengesetzt. Briefe die nach einem Freund schreien und eine Familie der Mayas, die über Generationen von ihren Erfahrungen berichten.

Wie zu Beginn, holperte ich ein wenig im Lesefluss der beiden Protas Julián und Kyriel, aber dies verflüchtigte sich mit der Zeit. Dennoch war ich mir nicht gänzlich sicher, ob ich Kritik übe oder doch vollends begeistert bin. Aber der Autor hat mich überzeugt, mit seinem ganz eigenen Flair, mit seiner recherche und mit einer Geschichte die so nicht häufig zu finden ist. Und er hat mich berührt! Nicht nur das ich mitfühlte, am Ende bekam ich Gänsehaut! Wenn ein Tränchen läuft, dann wurde beim Schreiben alles richtig gemacht!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★


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             Buchdetails
Titel: Mosaik der verlorenen Zeit 
Buchreihe: Einzelband
Autor: Elyseo da Silva
Verlag: LeisonPress | [Selfpublisher]

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Anja aka Ana
Gast

Eine gewohnt schöne Rezension von Dir liebe, Janna.
Das Buch wird es nicht zu mir schaffen, da es mich nicht sooo anspricht. Aber ich finde es immer schön zu sehen, wie sehr ein Buch begeistern kann.

Hab ein tolles Wochenende

LG
Anja