„Mitgegangen“ | Jürgen Ehlers

Inhalt laut Verlag

Krimi mit erschreckend realem Hintergrund! Düsseldorf, Februar 1929. Am Zaun einer Großbaustelle wird die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Gewürgt, missbraucht, erstochen, mit Petroleum übergossen und angezündet. „Wer tut so etwas?“, fragt einer der Polizisten erschüttert. Die zynische Antwort lautet: „Meistens der Vater. Oder der Onkel.“ Doch dieser Fall ist anders. Kommissar Wilhelm Berger sieht sich rasch mit einer ganzen Reihe brutaler Überfälle auf Männer, Frauen und Kinder konfrontiert. Ist hier ein Wahnsinniger am Werk? Ein Verdächtiger wird schließlich gefasst und gesteht alles. Doch die grausamen Morde gehen weiter…

~ Serienmörder ~

Das ist mal wieder so ein Hörbuch, welches eher durch Zufall auf meinen Ohren landete. Das Cover hatte mich total in seinen Bann gezogen und auch der Klappentext machte mich sehr neugierig. Die ersten Minuten empfand ich als „durchschnittlich“, etwas holprig und doch hat es mich letztendlich in seiner Gänze komplett überzeugt. Diesem „mit erschreckend realem Hintergrund“ hatte ich zu erst gar keine große Aufmerksamkeit geschenkt, viel zu schnell war ich in der Geschichte versunken. Hörte, wie man das kleine Mädchen fand, wie die Polizisten vorgingen und was dort, an dieser grausamen Fundstelle zurückblieb und doch von dem ein oder anderen in Gedanken mitgenommen wurde.
Was hatte es aber mit den realen Hintergrund auf sich? Hier musste ich ja doch noch vor Beendigung nachlesen, denn es kam auf einmal eine Person vor, die mir bereits in anderen Bücher begegnet war und von deren realen Existenz ich wusste- Ernst Gennat!

Gerade bei historischen Kriminalromanen muss ich recherchieren und nachprüfen was damals geschehen ist und wie die vom Autoren geschilderte Situationen und Charaktere passen. Gibt es Abweichungen, ist der Zeitrahmen identisch, wie verhält es sich mit Namen von Personen und Orten. Der Autor Jürgen Ehlers hat es wirklich geschafft mich quasi parallel lesen und hören zu lassen und, was ich richtig klasse fand, auf eine Email von mir mit diversen Fragen an ihn, kam auch prompt eine Antwort. Dazu nachher etwas mehr, vielleicht möchte so mancher von Euch wissen um was es überhaupt in dem Buch ging. „Der Vampir von Düsseldorf“ ist eines der Schlagworte die ich als erstes googelte und sofort wurde ich fündig. Klar hatte ich schon davon gehört, als begeisterte Krimi und Thriller-Leserin setze ich mich viel mit der Thematik um Serienmörder und die Ermittlungen um sie auseinander und der Name Peter Kürten war mich auch geläufig. Ein Mann, der in der Weimarer Zeit die Polizei und die Bevölkerung in Atem hielt, da seine Taten sehr grausam waren und er immer wieder zuschlug. Keiner konnte ihm habhaft werden, so dass er über mehrere Jahre mordete oder zumindest einige der Opfer schwer verletzte.

In dem Hörbuch geht es eben genau um diese Taten. Es gibt Schilderungen zu den Abläufen, allerdings alles in Romanform. So kann es passieren, dass man mit einer der jungen Frauen einem netten Herren begegnet, Vertrauen fasst und mitgeht. Die Folgen waren furchtbar. Was mich an dem Buch aber so begeisterte war die Art wie der Autor alles schilderte. Er hat zwar vieles sehr deutlich geschildert aber ich hatte nie den Eindruck dass es ihm darum ging mittels grausamer Details eine Effekthascherei zu betreiben. Vielmehr waren es die Ermittlungsarbeiten die im Vordergrund stehen. So kommt Wilhelm Berger ins Spiel.
Der Kommissar ist Dreh und Angelpunkt in der gesamten Geschichte. Ein bisschen was aus seinem Privatleben fließt mit ein, immer passend zu den Umständen und eine kleine Grundlage der damaligen politischen Verhältnisse.

Lange Zeit tappte die Polizei im Dunkeln. Es gab wenig Hinweise und auch Zeugenaussagen führten nicht wirklich zu sinnvollen Ergebnissen. Das Buch schildert viele der Passagen aus den damals realen Ermittlungsarbeiten, wirkt dabei aber nie wie ein Sachbuch sondern hat einen fast schon unheimlichen Flow, dem man folgt und folgt, lauscht und sich fragt wo man hätte irgendwas anders machen können. Bedenkt man die damalige Zeit und was für Möglichkeiten überhaupt vorhanden waren ist es kaum verwunderlich das es so lange dauerte bis der Täter überführt wurde.
Fingerabdrücke und Blutgruppenanalysen gab es, ebenso wie eine Art Spurensicherung und Beweisaufnahme. aber alles dauerte viel länger. Vergleiche von DNA gab es nicht. Wollte man mit anderen Behörden Kontakt aufnehmen, war dies nur telefonisch oder persönlich möglich, Unterlagen, Fotos, Abschriften – hier musste per Post versendet werden oder mittels Kurier überbracht werden.
All dies wird einem bei lesen/hören so richtig bewusst. Klingenputzen und stundenlanges Suchen nach Zeugen gehört genauso dazu, wie das Bewusstsein der Polizisten, dass der Täter jederzeit wieder zuschlagen konnte. Hier wurde auch ein großes Augenmerk auf die Emotionen derer gelegt und ich muss sagen, dass mir Berger und Kollegen richtig imponierten. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich letztendlich aus. Gewiss war auch Kommissar Zufall mit im Spiel, was gerade im Fall Kürten wohl dafür sorgte, dass man seiner doch habhaft werden konnte.

Nun komme ich aber noch einmal zu meinem kurzen Kontakt mit dem Autor. Mich hatte einiges interessiert und er hat alles beantwortet.

– die Namen der Opfer im Buch sind abgewandelt
– die Schilderungen um Verletzungen und Tathergänge sind soweit möglich war in den realen Begebenheiten geschildert
– Kommissar Berger und sein privates Umfeld sind rein fiktiv
– ebenso wie die Kollegen Bergers und deren Privatleben
– Ernst Gennat hat tatsächlich an diesem Fall mit ermittelt
– Fakten zu dem Fall bezog der Autor aus Fallakten des Landesarchivs und aus dem Institut zur Zeitungsforschung
– die dargestellten Ermittlungen und vor allem die dabei unterlaufenen Fehler sind real
– geschätzt hat der Autor fast ein Jahr für seine Recherchen gebraucht

Wer auf historische Kriminalromane mit einem realem Hintergrund etwas anfangen kann, dem kann ich dieses Hörbuch nur empfehlen.
Großartig recherchiert und auch dank dem Sprecher Peter Woy sehr authentisch und spannend erzählt.
In dem Buch geht es um einen Serienmörder, aber das Augenmerk lag meines Erachtens ganz deutlich viel mehr bei den Opfern und den Ermittlungen. Das die Polizisten fiktive Charaktere sind stört kein bisschen, es hat sogar dazu beigetragen dass ich mich in deren Situationen, Gedankengänge und Emotionen einfühlen konnte.

Eine gelungen Zeitreise in ein ganz düsteres Kapitel. Absolut hörenswert.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★


| Anzeige |
Buchdetails
Titel: Mitgegangen
Buchreihe: Einzelband
Autor: Jürgen Ehlers | Sprecher: Peter Woy
Spieldauer: 11 Stunden 11 Minuten

Verlag: Saga Egmont

Wilhelm Berger- Reihe:
Band 1 ~ „Blutrot blüht die Heide“ [1917]
Band 2 ~ „Die Nacht von Barmberg“ [1920]
Band 3 ~ „Mitgegangen“ [1929]
Band 4 ~ „In deinem schönen Leibe [1938]
Band 5 ~ „Nur ein gewöhnlicher Mord“ [1939]
Band 6 ~ „Im Haus der Lügen“ [1947]
Band 7 ~ „Neben dem Gleis“ [1959]

Beitrag teilen mit:

6
Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her mit den Gedanken! Wir freuen uns auf Eure Kommentare & den Austausch!

avatar
Anja aka Ana
Gast

Oh, das ist was für mich!

Hallo Kerstin,
Danke für Deine wundervolle Buchbesprechung. Das der Autor Dir die Fragen beantwortet hat finde ich super.
Das Glück hatte ich nicht immer und ist der Autor kooperativ, dann macht das Lesen noch mehr Spaß.

Dieses Buch reizt mich besonders, da ich in Düsseldorf arbeite und natürlich auch immer mal wieder dort unterwegs bin.

Also kommt es auf die Liste, Ich geh dann mal bei audible stöbern.
LG
Anja

Tintenhain
Gast

Ich glaube, das würde ich nicht aushalten. Aber deine Rezension ist auf jeden Fall gut geschrieben. Toll, dass der Autor dir geantwortet hat. Irgendwie schon cool, wie das heute möglich ist.

Liebe Grüße,
Mona