„Lucky Lawyer“ von Ulrich Mannsfeldt

Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Inhalt laut Verlag

Das Leben des angesehenen Rechtsanwaltes Paul Balmer wird auf den Kopf gestellt, als sein emporstrebender in der DDR ausgebildeter Partner Jochen Ehring bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Der Machtkampf mit Ehring um die Sozietät ist zu Ende. Die attraktive Witwe Imogen, die er heimlich verehrt, ist frei. Ein neues unbeschwertes Leben könnte beginnen. Könnte!
Denn Balmer bekommt Zweifel an dem Unfalltod. Weil kriminelle Machenschaften der Sozietät schaden könnten macht er sich selbst auf die Suche nach den Hintergründen. Damit beginnt für ihn eine wilde Odyssee. In nur sechs Tagen kommt er mit der überraschenden Unterstützung von BKA und CIA erschreckenden terroristischen Machenschaften auf die Spur.

Kein Anwaltsallerlei!

In was war ich da hineingeraten?
(S. 276)

Paul Balmer ist alles andere als glücklich. Der Anwalt hat den Unfallort gesehen, an dem sein Kollege Jochen Ehring zu Tode kam und nun stellt er sich die Frage ob dies wirklich ein Unfall war. Seine Gedanken kreißen um das seltsame Verhalten in den letzte Stunden vor dem Unfall. Was hatte Ehring zu verbergen und was hat so sehr an ihm genagt? Hat dessen Vergangenheit in der ehemaligen DDR etwas damit zu tun oder ist es bloß ein purer Zufall, dass diese Tragödie vor einem geplanten Übernahmeabschluss geschah?

Jede Menge Fragen, die sich auch Paul stellt und an diesen nimmt hat man als Leser*in teil. Der Mittfünfziger denkt sehr viel, macht sich einen Kopf und so löst man fast schon gemeinschaftlich diese ganzen Rätsel. Es kommt recht schnell Bewegung in diese Geschichte und wer einen Roman oder Thriller im Sinne von Justizdramen oder ähnlichem á la Grisham vermutet, liegt komplett falsch. Es entwickelt sich eine sehr spannende Story, in der permanent etwas geschieht. Dabei spart der Autor Ulrich Mannsfeldt weder mit Humor oder unterhaltsamen Episoden. Es schien mir fast schon so als hätte er ein Dauergrinsen im Gesicht beim Schreiben, wobei es nicht zu Slapstick-Einlagen kommt und dadurch alles auch in seiner Ernsthaftigkeit zu lesen ist.
Paul Balmer ist kein Superheld und das merkt man spätestens wenn er Besuch von zwei recht unangenehmen Herren bekommt. Auch ist er trotz aller Intelligenz kein Übermann. Paul kann einiges aber eben nicht alles und das machte ihn mir sehr authentisch. Er fürchtet sich, er sorgt sich und er macht auch mal einen Rückzieher.

Gewalt war ein Teil der Welt, in der ich mich jetzt bewegte, Gewalt, der ich nicht gewachsen war.
(S.232)

Die Geschichte läuft auf eine ganz große Sache raus und wenn ich ehrlich bin habe ich dies so nicht erwartet. Im Prolog wird darüber gesprochen, dass alles so geschehen ist und ich habe nach Beenden des Buches viel darüber gegrübelt. So sehr, dass ich gezielt gesucht habe – hier hat mich der Autor voll erwischt, denn immer wenn die Rede davon ist, dass etwas tatsächlich so oder so ähnlich geschehen ist, will ich es wissen. Ob ich was gefunden habe? Verrate ich nicht, würde ja spoilern!

Auf jeden Fall hat mich Paul mit seinen Gedanken und der Autor mit seiner Story sehr gut unterhalten. Der „Lucky Lawyer“ ist so eine ganz andere Anwaltsgeschichte und besonders das Setting in und um Frankfurt fand ich großartig. Warum in die Ferne schweifen, wenn es auch in der Nähe Crime & Thrill gibt?

Mein einziges Manko ist diese Sache mit Imogen. Auch wenn sie und Paul sich schon seit Jahren zueinander hingezogen fühlten, war es mir total unglaubwürdig das eine frischgebackene Witwe sich direkt nach der Todesnachricht ihrer wahren Liebe besinnt. Ihre Rolle war wichtig und ich habe immer geschwankt zwischen „die mag ich gar nicht“ bis „wow, was für eine tolle Frau“.
Auch einige andere Charakter haben mir sehr gut gefallen, wobei besonders der ein oder andere Polizist/Ermittler zu nennen wäre.

Von Anfang an war ich neugierig auf was das alles hinausläuft und wurde durchweg an das Buch gebunden. Viel Spannung und auch tiefgründige Gedanken haben mir eine runde Geschichte beschert. Dazu ein bisschen Aktion, vor allem zum Schluss hin und dann noch dieses Wissen, dass da einige sehr üble Gestalten am Werk sind und hoffentlich nicht mit ihren Vorhaben durchkommen. Nicht zu vergessen dass auch die Liebe ein klitzekleines bisschen vorkommt.

Von der Aufmachung her, hatte mich das Buch sofort angesprochen. Das blutrote Cover mit der Frankfurter Skyline im Hintergrund ist ein Eyecatcher. Die CD am vorderen unteren Rand spielt auch eine sehr große Rolle.

Im Inneren erwartet einen, nach einem sehr kurzen Prolog, insgesamt 6 Kapitel, die kaum bis gar nicht durch Absätze unterbrochen sind. Eigentlich mag ich Absätze, vor allem bei kleinerer Schrift. Es vermittelt mir den Eindruck, des schnelleren Lesens – was vermutlich Quatsch und nur ein persönliches Lesegefühl ist.
Hier hat es mich aber nicht gestört, dafür war alles zu sehr im Fluss und Paul Balmer hat mich wunderbar mit auf seine Autofahrten und Gedankenreisen mitgenommen.

Aber was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.
(S. 383 oder Matthäus 16, 26 a)

Eine grundsolide und spannende Geschichte, die so hätte geschehen können – oder vielleicht sogar genau so geschehen ist?

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆

 – Weitere Eindrücke –
Lesenswertes aus dem Bücherhaus °


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Buchdetails
Titel: Lucky Lawyer
Buchreihe: Einzelband
Autor: Ulrich Mannsfeldt 
Verlag: SCO Puplishing | [Scoventa Verlag] 
— Rezensionsexemplar —

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