„LENZ“ | Michael Theurillat

Das Buch wurde mir von Vorablesen und dem Ullstein Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Inhalt laut Verlag:

Lenz ist ein großartiger universeller Kriminalroman über das drängendste Thema unserer Zeit: den Terrorismus. Kommissar Eschenbach gerät zwischen die Fronten und kämpft für die Wahrheit in einer Welt aus dubiosen Hintermännern, falschen Fährten und hochgefährlichen Verdächtigungen.

Einzelgänger 

Natürlich gibt es verschiedene Gründe, weshalb Menschen tun, was sie tun
(S. 14)

Alles beginnt mit der Versteigerung einer wertvollen Münze, was an für sich kaum einen Einfluss auf die weitere Geschichte hat, meint man jedenfalls anfänglich.
Lenz lebt alleine und pflegt seine Einsamkeit genauso wie die alte Freundschaft zu Walter Habicht. Dieser, schwerkrank, hat eine Bitte und genau diese ist an ganz bestimmte Vorgaben gehalten. Ein Paket hat Lenz zu überbringen, an eine alte Freundin, die wie er selbst abgeschieden lebt und eine weitreichende Vergangenheit hat. So macht er sich auf den Weg zu Isabel und damit auf eine Reise, die mehr offenbart als ihm lieb ist und ihn in ganz große Schwierigkeiten bringen wird.

Ein paar Tage im August, länger benötigt die Zeitspanne in dieser Geschichte nicht, um das Ausmaß von menschlicher Gier zu zeichnen.
Gewiss, eigentlich fängt alles schon viel früher an, vierzig Jahre um genauer zu sein. Eine Zeit in der aus einem einstigen Team drei junger ehrgeiziger Menschen Freunde wurden, die sich aus den Augen verloren und doch noch immer im Kontakt miteinander stehen. Ewald Lenz ist einer dieser dreien. Ein Einzelgänger, der im Polizeidienst für das Archivar zuständig ist. Einer seiner wenigen Freunde ist Kommissar Eschenbach, dem er immer wieder mit Hintergrundinformationen hilft. In dieser Geschichte aber spielt Lenz selbst die Hauptrolle, was man alleine durch den Titel schon entnehmen kann. Ein gebildeter Mann, der gerne denkt und ungerne reist.

Die Schriften kommen zu mir. Wenn sie interessant sind, schaue ich sie mir an. Ich ordne sie und gebe ihnen einen Platz
(S. 73)

Parallel zu den Erlebnissen von Lenz ist Kommissar Eschenbach zu erlesen. Gerade erst aus den USA zurückgekehrt muss er erkennen, dass eine junge Kollegin die Zügel in der Hand hat aber nicht wirklich nach seinen Wünschen ermittelt. Ein besonderer Fall scheint es mit diesem Selbstmord eines alten Mannes nicht zu sein. Man hat es schon abgehakt und abgelegt. Eschenbach aber wittert etwas ganz anderes dahinter und beginnt seine Ermittlungen direkt in der seltsam unnatürlich aufgeräumten Wohnung des Toten. Wer war dieser Mann? Was hatte ihn zu der Tat getrieben und wie um alles in der Welt hängt sein Freund Lenz da mit drinnen?

Eschenbach habe ich durch diesen Band erst kennen gelernt und ich kann sagen, dass keines der Vorbände dafür nötig war. Der Kommissar geht stark auf die Siebzig zu und ist eher ein ruhiger Zeitgenosse. Seine Sekretärin Rosa Mazzeloni ist immer auf dem Sprung und trägt ihm vieles zu. Richtig klasse fand ich die Dialoge mit dem Pathologen Kurt Salvisberg, der in konstanter Regelmäßigkeit von Eschenbach genervt wird, aber dabei doch immer ein freundschaftlicher und neckischer Ton angeschlagen herrscht.
Generell empfand ich die Ermittlungsarbeiten als sehr lesenswert und nicht unnötigen Floskeln oder Klischees ausgesetzt.

Heerscharen von hübschen Frauen tummeln sich an der Seepromenade und die zwei einzigen Arschlöcher, die noch arbeiten, telefonieren gerade miteinander?
(S. 192)

Mich hat es komplett überrascht wohin die Reise in diesem Buch ging. Ein Kriminalroman der sehr in Richtung Politthriller wandert, dabei aber komplett unblutig zugeht. Keine wilde Action aber jede Menge an Verschwörungen, dann da ist immer noch diese Ivy und irgendetwas ist an ihr nicht wie es sein soll. Ausgerechnet sie wirft Lenz auf die Lister terroristisch Handelnder und das kann und will Eschenbach weder glauben, noch hinnehmen.

Es war eher unterschwellig spannend. Einiges, was man aus der Sicht Lenz erfährt, bleibt Eschenbach lange vorenthalten und umgekehrt. So muss jeder der Beiden erst immer weiter vorankommen und zum Teil sehr alte Geheimnisse lüften. Gerade Lenz erfährt dabei Dinge die ihn in seinen Grundfesten erschüttern. Isabel Cron ist schon lange nicht mehr die Frau, die er kannte und doch lässt er sie ihre Geschichte erzählen. Sie braucht Lenz nicht nur zur Lebensbeichte, denn da ist noch etwas das niemals in die Hände der Flaschen geraten darf, da eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes auf die Menschheit zu käme. Lenz ist wohl der Mann, dem sie vorbehaltlos vertraut. Und nicht nur Isabel rückt mit der Sprache raus, ein anderer alter Freund hat Lenz auch einiges zu sagen.

Hier wären wir wieder bei dieser oder irgendeiner Münze. Ein Preis, den es für hervorragende Forschungsarbeiten und Ergebnisse gab und genau da liegt der Hund begraben, denn nicht alles was erforscht wird ist gut oder gar gesund. Das mit dem Begraben wird sich dem kommenden Leser noch irgendwann offenbaren.

Lenz ist ein ruhiger Kriminalroman und hat mich sehr gut unteralten. Es geht unter anderem in den Erzählungen um Syrien, einst ein friedfertiges und blühendes Land. Es geht um Geheimdienste, Manipulationen im ganz großen Stil und dem Verlangen aus mehr noch viel mehr zu machen.

Zu groß war dieser Sommer gewesen, zu lang die Geschichte, die sich währenddessen ereignet hatte
(S. 261)

Für mich sind diese Geschichten immer wieder ein Highlight.
Der Blick hinter die Kulissen. Das Erfahren von all dem, was sonst im Verborgenen bleibt. Geheimdiensttuscheleien bei denen es alles andere als kuschelig zugeht und so mancher Staat und vor allem die dort lebenden Menschen auf der Strecke bleiben. Machtspiele um der Macht willen und alles nur weil es dort etwas gibt, das viel Geld einbringt.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★


– Anzeige –
Nachfolgende Links führen zu Verlags- und/oder Autor*innen-Seiten, Amazon, Twentysix oder Books on Demand

Buchdetails
Titel: LENZ
Buchreihe: 6. Band
Autor: Michael Theurillat
Verlag: Ullstein
— Rezensionsexemplar —
Kommissar Eschenbach – Reihe
Band 1 ~ „Im Sommer sterben“
Band 2 ~ „Eistod“
Band 3 ~ „Sechseläuten“
Band 4 ~ „Rütlischwur“
Band 5 ~ „Wetterschmöker“

7
Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her mit den Gedanken! Wir freuen uns auf Eure Kommentare & den Austausch!

avatar
Gabi
Gast

Weder der Autor noch diese Reihe sagte mir überhaupt etwas. Aber Deine Rezension hat mich sehr neugierig auf das Buch gemacht. Denn wenn man auf Action verzichtet, muss man sich ganz schön ins Zeug legen, um auch auf ruhige Art und Weise zu unterhalten – zumindest empfinde ich es so.
Also ist Lenz ein guter Band für einen Seiteneinstieg, weil nicht der Hauptermittler die zentrale Rolle hier spielt, das merke ich mir mal!

LG Gabi

-Leselust Bücherblog-
Gast

Liebe Kerstin,
Oh, das ist schon der sechste Band der Reihe? Das hatte ich gar nicht so auf dem Schirm. Ich habe das Buch ja schon bei meinen Favoriten der Neuerscheinungen mal vorgestellt und fand, das Buch klingt sehr interessant. Was du schreibst, bestätigt ja meine Vermutung. Und da du schreibst, dass man diesen Teil der Reihe auch als alleinstehendes Buch gut lesen kann, bin ich ja erleichtert. Ruhige Ermittler, Verschwörungen und Einblicke hinter die Kulisse aktueller Themen klingt ja echt gut.
Mal sehen, ob es das Buch irgendwann mal in unserer Stadtbibliothek gibt. Ich warte geduldig. :)
Liebe Grüße, Julia