„Krieg der Bastarde“ | Ana Paula Maia

 

Aufgabe Nummer 6 der Challenge #WirLesenFrauen
Eva-Maria Obermann sagt:
„Lest das Buch einer nicht-europäischen und nicht-amerikanischen Autorin.“

Für diese Aufgabe musste ich gar nicht lange suchen, denn der Tipp von Jürgen Albers bezüglich dieses Buches hatte mich direkt angesprochen und schwupps stand es auch schon im Regal.


Inhalt laut Verlag:

Amadeu, ein Pornodarsteller aus Rio, klaut aus dem Büro seines ermordeten Chefs eine rote Nylontasche. Zu seinem Erstaunen ist sie randvoll mit Kokain. Amadeu glaubt, das große Los gezogen zu haben. Endlich kann er seine Freundin Gina, eine tätowierte rothaarige Preisboxerin, von ihren Geldsorgen befreien und mit ihr ein neues Leben beginnen. Doch alles kommt ganz anders: Amadeu wird von einem Taxi überfahren und stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Aber niemand weiß von Amadeus Tod, und deshalb ist schon bald Rios komplette Unterwelt hinter ihm und der Tasche her …

Herrlich schmuddelig

Wenn man nämlich ganz weit hinabtaucht, in den dunklen See seines Geistes, stößt man auf die unglaublichsten Sachen.
(S. 218)

Das Zitat passt wie Faust aufs Auge.
Es sind die unglaublichen Sachen, in der Geschichte, dem Buch und was wem wie geschieht. Ein genial konstruiertes Szenario aus Zufällen und Schicksal. Vermischt mit Charakteren, die so wunderbar abgedreht sind und sich unweigerlich alle auf die ein oder andere Weise im Buch treffen.

„Krieg der Bastarde“ hat ganz viel von PulpFiction, ist aber keine billige Kopie des berühmten Films. Ganz eigenständig sind die Schicksale und Personen, auch wenn man durchaus versucht ist Parallelen zu suchen.
Die 2 Auftragskiller sind ein so schräges Duo. Pablo Sasaki und Edgar Wislon sind geprägt von seltsamen Allüren und tiefschürfenden Gedanken.
Ihre Unterhaltungen hatten stellenweise sogar etwas poetisches.
Die beiden sind auf der Suche nach diesem Amadeu und der prallgefüllten Tasche. Das Amadeu gar nicht mehr unter den Lebenden weilt (das erfährt man schon im Klappentext, was ich nicht so toll fand), wissen die zwei nicht und jede Menge anderer Leute auch nicht. Nur Horacio, bei dem er sich einquartiert hatte. Dort landet irgendwann auch Gina Trevisan, die in der nach Schimmel stinkenden Bude vergebens auf ihren Herzensmann wartet und auf eine Zukunft ohne Schulden. Damit sie nicht mehr in den Ring steigen muss, in dem alles erlaubt ist.

Die Tasche mit dem wertvollen Inhalt lagert unterdessen in einer Absteige, sorgsam verwahrt und nur die Tauben wissen etwas genaueres. Vielleicht weiß Lozonni, der alte Mann etwas, aber auch nur vielleicht. Er ist so ziemlich der Erste im Buch, der beschrieben wird und macht diesen herrlich schmuddeligen Eindruck erst so richtig aus. Alles müffelt, alles ist heruntergekommen und neben tropfenden Decken und Schimmelflecken, flattern, fressen und kacken die Tauben.
Generell kommt so manches Tier in dem Buch vor, auch der Hund vom Cover schnappt gerne zu und selbst ein Drache taucht mehrmals auf.

Das ganze Setting ist keine Augenweide und da es auch an das ein oder andere Pornofilmset, die Videothek und so manche Absteige geht, sollte Mann oder Frau beim Lesen nicht zimperlich sein. Es gibt Mord und Totschlag, Blut fließt und so manche Szene aus den Filmen kommt auch zur Sprache. Schließlich hat Amedeu einen sehr besonderen Job. Die Hauptdarstellerin daraus hat etwas ganz besonderes drauf und so wird es auch beschrieben. Hui, da wird wirklich scharf geschossen!

Eine trostlose Stadt, einzig bewohnt von den Echos der Wenigen, die überhaupt hier angekommen sind.
(S 219)

Das Buch führt nach Brasilien, von Rio weg in diese fiktive Stadt und zu all den besonderen Menschen. Es hat einen unwahrscheinlich einnehmenden Stil und trotz der schmuddeligen Geschehnisse und Beschreibungen hat es doch etwas sehr erhabenes an sich. Die Sprache ist durchzogen von Träumen der Charaktere und zeigt auf, dass sich keiner in seiner (Lebens)Rolle wohl fühlt. Das Streben nach Glück und Freiheit ist unweigerlich mit der Notwendigkeit von Geld verbunden und so tun alle Dinge, die weit, ganz weit sogar, von der Legalität entfernt ist.
Diese Verbundenheit zeigt sich auch durch das Aufeinandertreffen der einzelnen Menschen. Nicht alle auf einmal, sondern mal hier und mal da, beabsichtigt oder wieder nur durch Zufall. Letztendlich führt es sie in dem Buch alle zusammen.

Die Jagd nach der Tasche ist der rote Faden im Buch. Während die Leserschaft genau weiß was damit geschehen ist, rennen die Männer und Frauen hinterher, zum Teil sogar unwissend. In der Geschichte gibt es eine ganze Menge an Verlierer,
nur die Frauen, trotz oder wegen ihrer Tätigkeiten, entschwinden mit einem Lächeln.

Mir hat diese Geschichte auch ganz oft ein Lächeln hervorgezaubert und so tragisch der ein oder andere Abgang auch war, alle hatten im letzten Moment etwas ganz besonderes vor Augen.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

– Weitere Eindrücke –
Schreiblust – Leselust
Litterae Artesque •


TB-Ausgabe Droemer Knauer Verlag

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Buchdetails 
Titel: Krieg der Bastarde 
Buchreihe: Einzelband  
Autorin: Ana Paula Maia
Verlag: Droemer Knaur (Taschenbuch-Ausgabe)

(das auf dem Foto oben abgebildete Buch ist das Exemplar des A1-Verlages, der leider aufgelöst wurde, allerdings ist die gebundene Ausgabe noch bei dem ein oder anderen Anbieter erhältlich)


Wer mehr von und über unsere, für diese Challenge gelesenen oder geplanten Bücher wissen möchte – hier geht es zum Beitrag:

#WirLesenFrauen

Dort gibt es alle 12 Aufgaben zu sichten und ob wir schon die ein oder andere erfüllt haben.

Zur Autorin: 
Ana Paula Maia, geboren 1977 in Nova Iguaçu, einer Vorstadt von Rio de Janeiro, hat als Jugendliche in einer Punkband gespielt. Während des Studiums der Publizistik begann sie neben Werbetexten auch Theaterstücke, Drehbücher und Romane zu schreiben. Eine ihrer Geschichten gab sie in zwölf Folgen mit dem Zusatz „Pulp-Feuilletons“ selbst online heraus, weil sie davon ausging, keinen Verleger zu finden, der mutig genug wäre, sie zu veröffentlichen. Mittlerweile publiziert sie bei einem der größten Verlage Brasiliens. 

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