„Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ | Jorge Bucay

Sagen und Märchen für Erwachsene

Inhalt laut Verlag

Das Leben ist eine komplizierte Angelegenheit. Nicht so sehr jedoch für Jorge Bucay, der als Psychotherapeut das Schwierige erklären muss. Er weiß, wie er Demian, dem neugierigen jungen Mann, der auf seine vielen Fragen allein keine Antwort findet, helfen kann – mit Geschichten: Sagen der klassischen Antike, Märchen aus aller Welt, sephardische Legenden, Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten aus Japan und China. Und sollte er wirklich einmal keine passende Geschichte in seinem riesigen Fundus haben, dann erfindet er eben selbst eine.

Ich könnte für meine Rezension das halbe Buch zitieren! Wundervolle Geschichten, Sagen, Erzählungen und Märchen innerhalb einer großen Geschichte. Die Geschichte von Jorge und Demian. Vom Therapeuten und seinem Patient. Von einem Weg des Begreifens.

Der Autor ist Psycho- und Gestalttherapeut, dies liest man innerhalb der Geschichte zwar heraus, erschwert das Lesen aber in keinster Weise. Sehr gut finde ich, dass die verschiedenen Therapien anhand von unterhaltsamen Beispielen kurz erklärt und die Unterschiede somit nachvollziehbar verdeutlicht werden.

Schon die erste Geschichte schlägt mit voller Wucht zu, führt mir die Schwäche unserer Gesellschaft vor Augen, der Zwiespalt in dem wir leben! Gerade erst auf Twitter hatte ich eine kleine Unterhaltung über den Leistungsdruck in unserem System, in unserem Leben. Die Geschichte über den Elefanten besagte das genaue Gegenteil und spiegelt uns als Gesellschaft dennoch deutlich wider.

So verhält es sich auch mit den darauffolgenden Märchen die Jorge seinem Patienten immer wieder während den Sitzungen erzählt, immer abgestimmt auf das, was Damian aktuell beschäftigt.

„Eine Fabel, ein Märchen oder eine Anekdote“ bekräftigte Jorge, „kann man sich hundertmal besser merken als tausend theoretischer Erklärungen, psychoanalytische Interpretationen oder formale Lösungsvorschläge.“
(Seite 15)

Durch diese Methode der Therapie, erhält dieses Buch einen ganz eigenen Sog. Wortbedeutungen, Wahrnehmungen und Realitäten sind ebenso Themen innerhalb des Buches, wie Selbstzweifel und neue Sichtweisen. Einige Geschichten sind sehr stark und haben Tiefe, andere sind schwächer, aber im Gesamten überzeugt es durch Tiefgang. Von Unterhaltsam bis berührend stimmten mich verschiedene Geschichten nachdenklich. Ich möchte nicht sagen, dass man nach dem Lesen ein dickes Aha-Erlebnis hat oder plötzlich erleuchtet ist, ebenso sind viele Themen einem selbst bereits bewusst und doch wird man beim Lesen nochmals dafür sensibilisiert. Ein Bewusstwerden verschiedener Problematiken, die nicht immer welche sein müssen.

Die Dinge existieren nur durch ihr Gegenteil.
(Seite 232)

Eigene Interpretation:
Je mehr ich las, desto mehr bekam ich das Gefühl das der Autor Jorge Bucay nicht nur die Rolle des Therapeuten Jorge eingenommen hat, sondern sich als Demian selbst gegenübersteht. Natürlich könnte es ebenfalls eine Erzählung sein, in denen der Autor seine Erfahrungen mit verschiedenen Patienten zusammengetragen hat. Doch für mich klingt es vielmehr nach dem Weg der eigenen Erkenntnis, ein Weg an dem er uns teilhaben lässt und von dem ich mir als Leserin die eine oder andere Geschichte auf den eigenen Weg mitnehmen kann.

Nicht jede Geschichte wirbelte meine Gedanken durch oder traf mich dort, wo sie hinzielte. Insgesamt jedoch kann ich das Buch empfehlen, Geschichten die erst wirken, wenn diese selbst gelesen werden. Es hätte nur eine Antwort weniger, eine Frage zurückgelassen werden dürfen, um sich selbst dem Gedanken hingeben zu können.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


– Weitere Eindrücke –
The Read Pack °
Lesen in Leipzig °

– Anzeige –
Nachfolgender Link führt zur Verlagsseite

                  Buchdetails
Titel: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte 
Buchreihe: Einzelband
Autor: Jorge Bucay
Verlag: Fischer

2
Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her Eure Gedanken! Wir freuen uns auf Eure Kommentare & den Austausch!

avatar
-Leselust Bücherblog-
Gast

Liebe Janna,
Jetzt habe ich endlich Zeit für eine Stöbernde bei euch. Eine schöne Rezension mal wieder. Das Buch klingt sehr schön und interessiert mich wegen meines Studiums gleich doppelt. Hoffentlich bin ich da beim Lesen dann aber nicht zu kritisch. Na mal sehen.
Und diese Ausgabe, die du hast, ist ja mal so was von mega schön! <3
Wünsche dir noch einen schönen Sonntag.
Julia