„Klugscheißer Royale“ | Thorsten Steffens

Das Buch wurde mir vom Autor kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Inhalt laut Verlag:

Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dement­sprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht…

Alles auf Anfang

Ich bin Tino Seidel und krieg mein Leben nicht auf die Reihe
(S. 34)

Tino Seidel, was für eine Type! Der Autor Thorsten Steffens hat da einen Charakter geschaffen, der es anfänglich etwas schwer bei mir hatte. Kluge Sprüche können ja was haben, aber klugscheißern á la Tino war dann doch nochmal eine ganz andere Hausnummer. Ein Stückweit konnte ich seinen Chef sogar verstehen.
Bei Tino war ich mir anfänglich nicht sicher ob ich das alles lustig finde, es hat sich schließlich doch auch herauskristallisiert, dass er selbst mit seiner eigenen Lebenssituation unzufrieden ist.
Schulabschluss (Abi) – ja, Ausbildung oder Studium  – nein. Er ist direkt ins Berufsleben gehüpft und das ihm jetzt etwas fehlt merkt er nun selbst. Dann lässt ihn auch noch seine Freundin sitzen, der nämlich auch dieses „ich kann alles, ich weiß alles und das auch noch besser“ tierisch auf die Nerven geht.

Nun heißt es erst einmal wieder Fuß zu fassen, nach einer Entlassung alles andere als leicht und mit seiner Vita einen Job zu finden auch kein Zuckerschlecken. Der Besuch im Arbeitsamt zeigt ganz deutlich seine Gefühlslage und das emotionale Chaos das gerade bei ihm herrscht. Der Autor hat da echt ein Händchen die Situationen zu beschreiben und Tinos Gedankenwelt darzustellen.
Neben so mancher humorvoller Einlage gibt es recht vieles, das einen innehalten lässt.

Manchmal komm es mir so vor, als ob ich mit einer Autopanne auf dem Standstreifen stehe, während sich alle anderen auf der Überholspur befinden.
(S. 9)

Das Buch ist als Roman gekennzeichnet und auch wenn der Titel etwas humoriges verspricht, es ist für mich kein Buch das für Dauerlacher sorgt. Dafür ist Tinos Situation viel zu ernst. Da er aber auch ein Glücksvogel ist, bekommt er auf Umwegen doch noch einen Job. An einer Volkshochschule wird er als Hilfsleher eingesetzt – hier kommen ihm seine Fremdsprachkenntnis zu gute.

Tinos Einstieg als neuer Mitarbeiter hat mir gut gefallen, eine Abendschule an der nur Frauen unterrichten birgt für den Gerneklug Tino ja doch ein paar Offenbarungen. Besonders die Leiterin Frau Penner hat es faustdick hinter den Ohren und sieht nebenbei noch bombastisch aus. Das die restlichen Kolleginnen eher daneben sind, passt in das für mich recht klischeehafte Bild genauso, wie die Menschen, die an dieser Abendschule ihren Abschluss nachholen (wollen).
Absolut typische Gestalten, bei denen mir eine wirkliche Charakterisierung gefehlt hat.

Ach nee, was sind sie doch für ein Scherzkeks!…Sie passen bestimmt hervorragend in unser kleines, bescheuertes Kollegium.
(S. 72)

Der Unterricht stellt sich dann allerdings doch als gut heraus, vielleicht liegt das aber an Tino und der Zusammenarbeit mit seinen Schülerinnen und Schülern.
Ein eher zöglicher Aufbau an Vertrauen und immer mehr aus dem privaten Umfeld.
Wobei genau das Umfeld Tinos mich stellenweise sehr aus dem Konzept brachte. Jede Menge an Bekanntschaften, Treffen und Unterhaltungen. Viel drumherum aber mir viel zu wenig auf den Punkt gebracht.

Du unterrichtest hier schließlich keine Kinder, sondern erwachsene. Die kannst du nicht einfach so zu etwas zwingen.
(S. 140)

Die Gestaltung im Buch hat mir dagegen sehr gut gefallen, ganz besonders die Überschriften der einzelnen Kapitel, wie auch die in grau hinterlegten Kästchen besonders interessante Wörter und deren Erläuterungen.
Umgangs- und Jugendsprache in den passenden Kontext gebracht – wobei mir Tino mit seinen Mitte 20 fast schon wieder zu alt dafür vorkam.

Zum Ende hin, bei einer Situation mit Tinos Freundin, hat der Autor gezeigt dass schwierige Themen zwei Seiten haben und ist entsprechend gut vorgegangen. Die Sichtweisen beider sind zwar nur kurze Einblender, haben aber eine Wirkung.

Generell gibt es viele komische und lustige Situationen im Buch. Die Sprüche sind passend und haben mich viel zum Schmunzeln gebracht. Tinos Versuche sein ungeordnetes Leben wieder in eine gute Bahn zu bringen hängt letztendlich von ihm selbst ab, dass kommt sehr gut rüber und ist meines Erachtens nach der wichtigste Punkt und zieht sich wie der berühmte rote Faden komplett durch das Buch.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★☆☆

– Weitere Eindrücke –
Buchvogel
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Magische Farbwelt •


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Buchdetails 
Titel: Klugscheißer Royale
Buchreihe: Einzelband  
Autor: Thorsten Steffens
Verlag: Piper
— Rezensionsexemplar —

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