„Und auch so bitterkalt“ von Lara Schützsack [Kerstin]

Und auch so bitterkalt
Cover © Fischer-Verlag

4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kerstin

25.07.2016

Ein Hilfeschrei den keiner gehört hat

Ein Jugendbuch dessen Thema Essstörung/Magersucht durchaus auch für Erwachsene lesenswert ist. Keine leichte Kost, eher eine tiefgründige Geschichte die aufzeigt wie missverstanden manche Jugendliche werden.

„Und auch so bitterkalt“ der Autorin Laura Schützack, erschienen im S. Fischer Verlag, ist mit seinen 176 Seiten recht kurz, verfehlte bei mir aber kein Stück seine Wirkung.

Aber erst einmal kurz zur Story: 
Lucinda, von allen als strahlend, schön und besonders bezeichnet.
Doch ihre äußere Hülle ist nur Schein, ein Mittel zum Zweck. Ihre jüngere Schwester Malina erzählt in dieser Geschichte alles um ihre große Schwester. Deren Probleme und Sorgen, die Tatsache das sie nicht ißt, die Mutter Isa hintergeht und dadurch in einen Sog aus Traum und Wirklichkeit abdriftet.
Ein Hilfeschrei der Lucinda, laut und intensiv und doch wurde er nicht (rechtzeitig) gehört – außer von Malina vielleicht?
Diese Geschichte ging mir unter die Haut, vielleicht auch weil meine Tochter auch mal in dieses Alter kommt.
Lucinda und ihre Mutter, ihre Streitigkeiten und wie Lucinda sehr manipulativ vorgeht fand ich immens gut dargestellt.
Isas Verhalten war mir oft genug nachvollziehbar und doch hatte ich gehofft das sie es schafft ihrer Tochter wieder nahe zu kommen.
Lucinda driftet immer mehr ab. Als Jarvis ins Spiel kommt keimte so etwas wie Hoffnung in mir auf.  Aber keine Chance, zu festgefahren alles und keine (professionelle) Hilfe in Sicht.
Mir tat Malina einfach nur unendlich leid. Sie vergöttert ihre große Schwester, kennt viele ihrer Geheimnisse aber nicht alle bzw. versteht sie einfach noch nicht.
Ein Vorbild ohne Vorbildfunktion.
Vermutlich ein alltägliches Geschehen, das leider immer noch ein Tabuthema ist. Genau dieses kam hier in dieser Geschichte authentisch rüber. Frieder und Isa, die machtlosen Eltern.
Für diese Geschichte hätte ich mir bewusst ein anderes Ende gewünscht. Gewiss ist das Leben kein Zuckerschlecken und Happy Ends gibt es nur in Liebesfilmen aber gerade bei dieser Thematik soll/muss es gut ausgehen. Damit aufgezeigt wird wie es gehen kann, dass es Wege gibt gemeinsam solch eine Erkrankung zu überstehen,  eben mit Hilfe und Unterstützung – auch für die Angehörigen.
Eine sehr eindringliche Geschichte, zart und poesivoll geschrieben.
Mir gefielen die kurzen Gedichte sehr gut, zeigten sie doch mit einer Wucht in ihrem Ausdruck den Schrei nach Hilfe auf.
Gerne vergebe ich 4 von 5 Sternen.
1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension zu dem Buch

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