„Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe“ | Arno Strobel

Blut ohne Leiche, Leiche ohne Blut

Inhalt laut Verlag

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. War sie all die Zeit über noch am Leben und ist erst vor kurzem getötet worden? Und was hat der Mann mit der Sache zu tun? Ist er Täter oder Opfer?

Das Buch lag lange auf meinem Stapel der ungelesenen Bücher und ich hatte es ehrlich gesagt schon aussortiert. Warum? Um Platz zu schaffen, weil ich dachte ich würde es nicht mehr lesen und im letzten Moment habe ich mich doch um entschlossen – was bin ich froh! Denn trotz einiger Schwächen, habe ich den Trilogie-Auftakt wirklich gerne gelesen.

Fangen wir bei dieser Besprechung doch erstmal mit den kritischen Punkten an, denn diese fallen nicht allzu schwer ins Leseerlebnis – das hat der Autor mit seinem Ende geschafft! So makaber das für die Kenner*innen des Buches klingen mag, als Thriller-Leserin war es für mich endlich mal eines, das sich abhebt! Und doch war leider ein gewisser Handlungsstrang absehbar und zwar von Beginn der ersten Begegnung an. Und es geht dann auch sehr rasant voran, zu rasant für mein persönliches Empfinden. Wenn etwas so vorhersehbar ist und sich selbst überschlägt, ist dies eigentlich ein großer Kritikpunkt bei mir, aber wie eben schon geschrieben wurde ich mit dem Ende „besänftigt“. So wie ein Ende des Buches meine Leseerfahrung negativ beeinflussen kann, so geht dies eben auch andersherum.

Einzig weiterer Kritikpunkt ist Max` Beziehung zu seiner Schwester – wobei, so ganz stimmt dies nicht. Vielmehr störte mich seine Verknüpfung zwischen ihr und seinem aktuellen Fall, begründet darin das sie im Rollstuhl sitzt. Und auch die Erfahrung seiner Schwester die sie im Internet machen musste, das war mir ein wenig zu viel der privaten Ereignisse. Max Begegnung mit einer Frau, seine Sorgen und Gedanken bezüglich seiner Schwester, sowie ihr Erlebnis zum Ende hin.

Bezüglich des Falls ist es mir wichtig zu erwähnen, dass der Täter aus sexuellen Motiven heraus handelt! Ich kann mir vorstellen das die ein oder andere beschriebene Szene triggern könnte und auch mit den Beschreibungen der Leiche hält sich der Autor Arno Strobel nicht zurück. Nichts was mich persönlich beim Lesen stört, doch je mehr ich im Austausch mit anderen Leser*innen stehe, umso mehr stelle ich fest das es doch die ein oder den anderen Krimileser/Krimileserin gibt, welche solche Details gerne vorab wissen möchten.

Und nun zu dem was mir an diesem Buch wirklich gut gefiel und da wäre in erster Linie das Ermittlerteam: Max Bischoff, Anfang 30, neu bei der Mordkommission und geschult im ‚Profiling‘ (Fallanalyse & Täterprofil). Horst Böhmer, über 50 Jahre, alteingesessen in der Mordkommission und vom „alten Schlag“. An ihrem, für uns, ersten gemeinsam Fall.
Mich hat es wirklich unterhalten, zu erlesen wie die beiden aufeinandertreffen und sich aufeinander einspielen – nicht immer ganz einfach, aber wundervoll normal. Beziehungsprobleme, welche der Job mit sich bringt, aber gänzlich ohne überschwemmendes Konkurrenzgehabe untereinander oder Problemen mit Alkohol oder illegalen Substanzen.

Auch der Fall selbst wirft zunächst einige Fragen auf! Eine Wohnung voll mit Blut von einer Frau, die seit zwei Jahren vermisst wird. Die darauf auftauchende Leiche ist jedoch nicht eben diese vermisste Frau. Dieser Leiche fehlt ebenso viel Blut, wie dem Blut aus der Wohnung die Leiche fehlt. Und es soll nicht bei dem Blut und der einen Leiche bleiben.

Wie du mich in diesem einen, viel zu kurzen Moment angesehen hast. Nackte, reine Lust, die ihre Vollendung im süßen Schmerz fand.
(Seite 27)

Besonders gelungen fand ich die Innenansicht des Täters! Wie die Ich-Person poetisch die Begegnung mit einem der Opfer beschreibt, wie die brutalen Tatsachen völlig verzerrt dargestellt und geschildert werden. Diese Abschnitte habe ich verschlungen, das im Kleinen die psychotische Wahrnehmung eines Täters wiedergibt. So gerne ich eben diese Passagen gelesen habe, am Ende hätte es doch etwas weniger davon sein dürfen, manchmal ist weniger eben doch mehr.

Ich mag das Ermittlerteam und bin gespannt auf den zweiten Band der Trilogie mit hoffentlich etwas weniger privaten Ereignissen. Es ist immer schön eine Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen, ich brauche dies in einem Krimi (für mich ist das Buch ein guter Mix aus Thriller und Krimi) jedoch nicht zwingend, wenn die Charaktere in ihrer Arbeit und im Austausch gut skizziert sind. Und das sind sie, meiner Meinung nach, in diesem Buch.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆

– Weitere Eindrücke –
Gutowsky online °

Irve liest °

                 Buchdetails
Titel: Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe
Buchreihe: 1. Band
AutorIn: Arno Strobel
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-29616-3 [Paperback]
          Max Bischoff – Reihe
Band 1 ~ „Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe
Band 2 ~ „Im Kopf des Mörders – Kalte Angst

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Buecherpanda
Gast

Uuuh, das Buch ist soeben mal auf die Wunschliste gewandert! Von Arno Strobel wollte ich eh mal was lesen und Passagen aus der Sicht des Mörders lassen mich sofort hellhörig werden! Überhaupt der Fall an sich klingt sehr interessant!
Du sagst es ist für dich eine Mischung aus Krimi und Thriller… welcher Teil überwiegt den?
Ich persönlich mag Krimis nichts so gerne und es kann für mich dann schnell langweilig werden :/
Ansonsten klingt das nach einem ziemlich gutem Buch!

Liebste Grüße
Jenny

Anetts Bücherwelt
Gast
Anetts Bücherwelt

Oh….einen Strobel habe ich auch noch auf meinem SUB….vielleicht sollte ich den mal weiter hoch holen!
Liebe Grüße Anett

Ela
Gast

Hallo Janna,
schön, dass re auch dich überzeugen konnte.
Ich mag seine Werke ja eh sehr gern, als Bücher und Hörbücher.
Wobei ich gerade bei dieser Reihe froh bin, das Hörbuchformat gewählt zu haben denn der Sprecher lässt die beklemmende Atmosphäre noch intensiver werden.
Lieben Dank fürs verlinken! :)
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
Ela

laberladen
Gast

Oh nein, eine Reihe, da schau ich doch gar nicht so genau hin, denn das bedeutet gleich wieder vielfachen Zuwachs für den SUB, wenn sie mir gefällt.
Ich habe ein paar frühe Bücher von Arno Strobel gelesen und mag auch seine Zusammenarbeit mit Ursula Poznanski, aber von ihm alleine geschriebene Büchern hab ich in letzter Zeit ausgelassen. Ich werde mal abwarten, wie Dir die Fortsetzung(en?) gefallen, denn es klang schon so, als würdest Du diese Reihe weiter lesen wollen, und entscheide dann. Neugierig gemacht hat Du mich auf jeden Fall.

LG Gabi