„Hypoxie“ | Alexander Lass [Kerstin]

Inhalt laut BoD:

Obwohl sich Emilia nicht an den Onkel aus Portugal erinnert, folgen ihr Freund Lukas und sie der Einladung zu dessen Beerdigung.
In ihrem alten Campingbus fahren sie dem Hamburger Alltag davon in Richtung sonniger Algarve. Im Süden Portugals angekommen, bekommt Lukas mehr und mehr den Eindruck, dass hier etwas nicht stimmt. Aber warum ist er offenbar der Einzige, der das bemerkt? Langsam türmen sich die mysteriösen Ereignisse zu einer gewaltigen Welle der Bedrohlichkeit, bis diese auf das junge Paar niederkracht.
Die Erinnerungen an diesen Ort kamen wie die Flut. Langsam und unaufhaltsam.
Eine Reise, die sie besser nie angetreten hätten.

FRAGEN

Puh, dieses Buch hat mich mit einer Unzahl an Fragen zurückgelassen und ich kann hier noch nicht einmal welche stellen, da ich damit automatisch spoilern würde. Diese Geschichte spielt mit der Interpretationsfähigkeit der Leserschaft und ich habe es mehr als staunend, geschockt und ein Stückweit wütend beendet.
Staunend, da ich das so nicht erwartet hatte.
Schockiert, weil es ein grausames Thema anspricht.
Wütend, wegen genau diesem Thema, dass unterschwellig in dem Buch brodelt und mich nach Beendigung vollkommen hilflos sitzen lies.

Der Start ins Buch ist genial, selten habe ich solch eine Beklemmung erfahren. Die Szene am Strand, das Abtauchen und diese Mutprobe sind stilistisch richtig klasse dargestellt. Es zog mich da mit runter und ich musste mich zusammenreißen, dass dieses klaustrophobische Gefühl keine Überhand nimmt.

Plötzlich war alles still
(S. 8)

Was dann folgt war wie ein Sprung in eine andere Welt. Emilia und Lukas, dieses junge Paar, verliebt und sehr spontan in ihren Handlungen. Ein Brief für Emilia bringt beide dazu, ganz kurzfristig ihren Bully zu beladen und sich auf den Weg nach Portugal zu machen. Das sollte der versprochene Road Trip sein und hier war ich doch etwas enttäuscht. Mir war es zu viel an Details zu den Vorbereitungen und viel zu wenig zu den Charakteren selbst. Gewiss, es gibt den ein oder anderen Hinweis und hier war mir schon bewusst, dass da irgendetwas im Argen lag. Doch es war mir nicht greifbar, ich konnte es nicht zuordnen. Die Stimmung zwischen den beiden war klasse. Ein herzliches Miteinander, wodurch dieses Verborgene immer wieder in den Hintergrund verschwand.

Er machte sich Sorgen. Noch nicht wirklich doll, aber es kam ihm schon unheimlich vor.
(S. 85)

Die Fahrt nach Portugal nimmt sehr viel Raum ein. Es sind Belanglosigkeiten, die im Buch und im Laufe der Fahrt zur Sprache kommen. Es wird gegessen, geschlafen, gesprochen und wieder schleichen sich beklemmende Situationen ein. Das muss man den Autor lassen, wenn er an solch eine Szenerie kommt, kann er es so beschreiben dass sich mir die Nackenhaare stellen. Eine ganz besondere ereignet sich beim nächtlichen Verweilen auf einem einsamen Platz. Harter Toback und Kopfkino das sich da einstellt.

In Portugal angekommen, machen sich die zwei auf die Suche nach dem Haus des verstorbenen Onkels. Seine Ehefrau schien mir auf Anhieb seltsam, unsympathisch trotz des herzlichen willkommen heißen.
Hier, in diesem Milieu ist es wieder Emilia, die komplett anders wird, oder war sie es die ganze Zeit? Nichts deutet auf das hin, was da noch kommt, scheinbar. Denn auch hier wieder eine ganz bestimmte Szene, die ich aber nicht erfassen konnte, nicht zuordnen und mich wieder voll erwischte.

Nein, nicht nur Angst. Es war mehr. Es war Panik.
(S. 161)

„Hypoxie“ hat etwas besonders, ganz viel sogar. Die Art des Erzählens hatte mich eingelullt. Nur sehr wenige Personen, die den Weg der zwei kreuzten und damit für Störungen sorgten. Dieses Gespür der unterschwelligen Spannung und die Ahnung, das da etwas richtig schlimmes zwischen den Seiten umhertobt.
Ich habe das so nicht erwartet! Es war klar, dass Emilia schon einmal dort war. In dem Ort, an dem Strand, in dem Haus des Onkels. Es war auch klar, dass sie wegen diesem schlimmen Unfall damals, verdammt knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist. Man erfährt es schon recht früh im Buch.
Was dann aber kam, war wie ein Faustschlag in die Magengrube. Wie konnte ich das übersehen? Wo waren die Anzeichen? Hat es niemand anderes bemerkt?

Wären da nicht diese Schilderungen von Belanglosigkeiten auf der Tour gewesen, dieses ständige Zubereiten und Verzehren von Speisen, dieses besondere Augenmerk auf den Bully und letztendlich, die für mich immer noch offenen Fragen, wäre es perfekt gewesen.

Der Autor bringt ein Thema zur Sprache, das kaum erträglich ist und ich ziehe meinen Hut, dass er gänzlich auf Details verzichtet hat. Erst ganz zum Schluss hin gibt es eine Art Aufklärung, auch wenn diese schon wieder die nächsten Fragen aufwirft. Dennoch, alleine das Wissen das da etwas war, reichte mir aus.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★☆☆

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension

– Weitere Eindrücke –
Jasmin Zipperling °


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Buchdetails
Titel: Hypoxie
Buchreihe: Einzelband
Autor: Alexander Lass
Verlag: Books on Demand | [Selfpublisher]

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Anja aka Ana
Gast
Anja aka Ana

Huhu Kerstin,

da seid ihr zwei Euch ja relativ einig.
Trotzdem ist meine Neugier bei dem Buch da und ich denke ich werde es auch noch lesen.

Wenn ich auch nicht weiß wann, aber Zungenfehler sollte ich damit nicht warten.
LG
Anja und einen schönen Abend.