“Hypoxie” | Alexander Lass [Janna]

Ein Roadtrip mit Folgen

Inhalt laut BoD, Auszug:

Die Erinnerungen an diesen Ort kamen wie die Flut.
Langsam und unaufhaltsam.
Eine Reise, die sie besser nie angetreten hätten.

Ein Roadtrip mit einem Bulli? Innerhalb des Genres Thriller? Da bin ich doch sofort dabei! Und der Titel ist nicht einfach nur ein Aufhänger, sondern findet im Verlauf dieser Geschichte auch seine Bedeutung.
(Hypoxie bedeutet Sauerstoffmangel in Teilen des Gewebes oder dem ganzen Körper)

Der Schreibstil ist sicherlich reine Geschmackssache! Hier störte ich mich nicht direkt daran, aber es war mir stellenweise zu umgangssprachlich. Es passt zur Geschichte, aber ich hätte es mir an bestimmten Stellen etwas literarischer gewünscht. Es nimmt dem Verlauf nicht seine Ernsthaftigkeit, aber da ich kaum Bücher mit diesem Erzählstil lese, stolperte ich immer wieder darüber.

Beginnt das Buch mit einem Prolog, so lässt sich dessen Bedeutung erst am Ende finden. Nach diesem tragischen Ereignis in Portugal fand ich mich bei Emilia und Lukas in Hamburg wieder. Und einem Brief der zu dem Roadtrip einlädt. Bis zur Ankunft in Portugal vergehen einige Seiten, bei denen ich mir etwas mehr Spannung gewünscht hätte. Dafür jedoch geht der Autor gegen das Klischee der schwachen Frau und des starken Mann, eine Szene die mir sehr gut gefiel!

Die Ankunft. Emilias Verhalten. Szenen mit denen der Autor meine volle Aufmerksamkeit auf die Geschichte zog.

Es war Angst, die sich über ihren Körper ausbreitete, und als Begleiter kam das Zittern.
(Seite 100)

Emilias Zustand verschlechterte sich zunehmend, doch ihr schien dies nicht bewusst zu sein und Lukas selbst begann an seiner Wahrnehmung zu zweifeln. Ich als Leserin fragte mich immer wieder, wer von den beiden Charakteren nun die Person mit den Problemen sei. Die Stimmung innerhalb der Geschichte veränderte sich, die zwei lebensfrohen Menschen gerieten immer mehr in den Hintergrund. Der Autor baut gekonnt eine Szene ein, die mich als Leserin nochmals zweifeln ließ, welche Richtung die Geschichte einschlagen würde.

Während Emilia ihr Veränderung unbewusst entwickelt, hinterfragt Lukas immer mehr ihr Verhalten und seine Wahrnehmung. Auch die Frage, warum sie überhaupt zu diesem (Road)Trip eingeladen wurden, beantwortet sich erst im späteren Verlauf. Der Autor Alexander Lass arbeitet Ereignisse ein, die Neugierde wecken. Intensiv beschriebene Szenen und kurze Kapitel, ließen mich immer wieder zum Buch greifen.

Ihre Lippen bewegten sich. Schnell. Ihre glasigen Augen waren auf die nassen Fliesen vor ihr fixiert.
(Seite 120)

Ein Pärchen auf Reisen, eine Veränderung und eine Atmosphäre die immer düsterer wird. Jedoch konnte mich die Geschichte nicht gänzlich packen. Zu plötzlich, zu intensiv. Und ein wenig zu holprig. Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor seiner Protagonistin Emilia für eben diese Veränderungen etwas mehr Raum und Zeit gegeben hätte. Kaum am Ziel angekommen, beginnt Emilia sich Auffällig zu verhalten. Für mich wäre es intensiver – und leider auch glaubwürdiger gewesen – wenn dies bereits in Hamburg oder zu mindestens bei der Abfahrt begonnen hätte. In kleinen Schritten zu immer einnehmenderen Situationen. Nun, vielleicht mag es auch daran liegen, dass ich mich schon zu sehr in die Thematik hineingelesen habe, mich seit vielen Jahren für diesen Bereich interessiere. Der Autor bleibt seinen Leser*innen die eine oder andere Antwort schuldig und hat damit genau die richtige Entscheidung getroffen. Man kann nur Vermutungen anstellen, hat eine Ahnung und somit fällt meine Kritik in der Auflösung nicht zu stark ins Gewicht. Ich kann nur erahnen, welches Verhaltensmuster dahinter steht, doch unabhängig davon, für welches sich der Autor zwischen den Zeilen entschied, solch eine Veränderung kommt nicht von einen Moment auf den nächsten …

Das der Untertitel “Ein Roadtrip-Thriller” gewählt wurde, kann ich absolut nachvollziehen. Und die Genrezuordnung ist nicht falsch, ließ bei mir nur bestimmte Erwartungen entstehen, die erst im späteren Verlauf in Erscheinung traten. Man liest es wohl heraus, ich bin ein wenig hin und hergerissen. Bestimmte Ereignisse waren mir mit zu wenigen Thriller-Elementen erzählt, andere haben mich gepackt. Da Alexander Lass noch an seinen Anfängen steht und hier einen sehr interessanten Plot geschaffen hat, werde ich ihn definitiv im Auge behalten. Bei einem kommenden Buch darf gerne mehr mit den Ängsten der Protagonist*innen gearbeitet und der Irritation der Leser*innen gespielt werden!

Rezension verfasst von © Janna
★★★☆☆


1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension

– Weitere Eindrücke –
Jasmin Zipperling °
#GemeinsameHypoxie:
Seitenwandler °
Mademoiselle Facettenreich °

AdrienneAva °

Buchdetails | Anzeige |
Titel: Hypoxie
Buchreihe: Einzelband
Autor: Alexander Lass
Verlag: Books on Demand | [Selfpublisher]

4
Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her mit den Gedanken! Wir freuen uns auf Eure Kommentare & den Austausch!

avatar
Moni2506
Gast

Hey Janna,

Interessante Rezension zu dem Buch. Ich bin hier hängen geblieben, weil Jasmin Zipperling das Buch bei instagram immer wieder erwähnt hat, auch im Zusammenhang mit dem Känguru. ;)
Nach deiner Rezension glaube ich erst recht, dass es für mich persönlich wohl eher kein Buch ist. Ich glaube mit dem umgangssprachlichen würde ich nicht so gut zurechtkommen und das Genre Thriller lese ich zwar durchaus, aber eben auch nur ganz selten und da sprechen mich eher andere Themen an.

LG, Moni

Isabel
Gast

Liebe Janna, eine tolle Rezension. Da ich selten bis nie dieses Genre lese, habe ich mich an dem ein oder anderen nicht gestört, kann Deine Suchtweise aber sehr gut nachvollziehen. Finde es eh immer spannend die unterschiedlichen Sichtweisen zu einem Buch zu hören.
Liebe Grüsse
Isabel