„Hinter den drei Kiefern“ | Louise Penny

Das Buch wurde mir vom Kampa Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Inhalt laut Verlag:

Three Pines. In den Wäldern Kanadas, nur eine Stunde von Montréal entfernt, liegt dieses idyllische Dorf. Aber am Morgen nach Halloween legt sich ein Schatten über Three Pines. Mitten im Dorf steht eine düster verkleidete Gestalt. Niemand weiß, wer sie ist und was sie vorhat. Auch Armand Gamache, der Polizeichef von Québec, der in Three Pines ein Wochenendhaus besitzt, um sich von seiner aufreibenden Arbeit zu erholen, kann ihr kein Wort entlocken. Was sollte er auch tun? Herumzustehen ist schließlich keine Straftat. Aber spätestens als eine Leiche gefunden wird, bricht Unruhe aus: Warum hat Gamache es nicht geschafft, die Dorfbewohner zu schützen? Monate später, als der Fall vor Gericht kommt, zweifeln alle an der Kompetenz des Superintendent. Und auch Gamache ist sich nicht sicher, ob sein Plan wirklich aufgeht. Ein riskanter Plan …

Three Pines – drei Kiefern, so heißt der kleine Ort inmitten der kanadischen Wäldern. Hier wird gelebt und das ganz besonders und hier wird gestorben wie sonst nirgends. Wer die Vorbände kennt weiß wovon ich spreche. Sei es ein Stromschlag mitten auf einer Wiese, ein Pfeil in der Brust oder nun, in diesem Fall ein erschlagener Schuldeneintreiber.

Chefinspektor Armand Gamache hat in Three Pines ein Ferienhaus, in das er sich mit seiner Frau Reine-Marie immer wieder zurückzieht um sich von seiner aufreibenden Arbeit abzulenken. Doch ausgerechnet in diesem Idyll geschehen immer wieder sehr seltsame Dinge. Zum Glück ist der Polizist meist vor Ort und so ermittelt er in immer wiederkehrender Regelmäßigkeit in den Kreisen seiner Dorfgemeinschaft.

Dieses Mal fängt aber alles ganz anders an. Das Buch beginnt mit einer Gerichtsverhandlung und Armand sitzt im Zeugenstand. Ein Mord ist geschehen und nun gilt es peu á peu die Hintergründe zu erläutern und die Autorin Louise Penny schafft es wieder, einen in diesen Ort zu ziehen um alles mitzuerleben. Der Sprung in die Zeit vor dem Mord gelingt fließend und ist doch immer wieder Bestandteil dieser Gerichtsverhandlung. So trifft man diese Gestalt, die urplötzlich im Ort anwesend ist. Verhüllt mit einem dunklen Gewand, steht sie mitten auf den Dorfanger. Spricht nichts und tut nichts – außer einfach nur dazustehen. Niemand kann sie erkennen, geschweige denn identifizieren. Wer ist das? Was für eine Absicht steckt dahinter? Die unheilvolle Wirkung auf diesen stummen unerwünschten Gast macht sich unter den Dorfbewohnern breit und auch Gamache hat ein sehr seltsames Gefühl, bis, nun ja, man eine tote Person in eben diesem Gewand findet.

…er treibt Schulden ein, aber die Schuld ist eine andere.
(S. 73)

Lernt man Three Pines erst einmal kennen, ist man unweigerlich auch dabei die Menschen in dem Ort zu treffen. Eine Ansammlung sehr seltsamer Zeitgenossen. Allesamt verschroben aber außergewöhnlich herzlich. In Three Pines hatte ich mich schon mit dem ersten Band verliebt und in eben diese Menschen. Immer wieder gelingt es der Autorin sie so zu beschreiben, dass man sie vor sich sieht. Myrna, Olivier und Gabri, sowie Ruth, die immer ihre Ente Rosa dabei hat.
So ergeht es einem auch mit dem Ort und der Gegend. Das Setting in dieser Gegend ist unschlagbar.

Und Gamache wusste besser als die meisten, wie gefährlich das war. Jemanden zu entmenschlichen.
(S. 43)

Mon dieu – dieser Fall entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer richtig großen Sache. Diese Gestalt, die dort so anklagend steht und den Leuten eine gehörige Portion Angst einflößt, hat seinen Ursprung in Spanien. Ein Schuldeneintreiber. Doch welche Schuld soll hier bezahlt werden? Da Gamache nicht alleine ermittelt, lernt man neben seiner Familie und den Freunden auch so manche Kolleg*Innen kennen. Wobei die durchaus auch zur Familie gehören (können).

Es war sehr spannend und auch erschreckend zu lesen, wie die Menschen im Ort aus ihrem anfänglichen Unwohlsein eine Angst entwickeln, die dann wiederum im Aggressionen umschlägt. Doch es kommt noch viel viel mehr und es wird gefährlich für alle. Denn Armand legt sich mit den Falschen an. Er, der großen Wert auf einen respektvollen Umgang legt und in Sachen Korruption oder Bevorteilung ganz empfindlich reagiert, muss auf einmal in eine Richtung ermitteln, die ihm mehr als nur Kopfzerbrechen bereitet. Es geht ums Geld und es geht um etwas das sehr viel Geld einbringt.

Die Reihe um Three Pines ist so lesenswert.
Es sind leise Geschichte, die aber auch mal mit einem Knall enden können. Es gibt viele Begegnungen mit den Menschen und ihren Allüren und genau das macht es für mich aus. Es ist so herrlich unnormal dort, dass es fast schon wieder normal ist. Die Dialoge bringen einen ins Grinsen und sorgen doch immer wieder auch für einen großen Kloß im Hals. Es ist das Miteinander und das Füreinander, da kann selbst der ein oder andere Zwist nichts daran ändern.

Es war ein Refugium, Zufluchtsort vor den Sorgen und Grausamkeiten der Welt…
(S. 16)

Letztendlich findet Gamache immer den Mörder.
Der Weg dahin ist für ihn mehr oder weniger kompliziert. Aber da er sich viel auf seine Intuition, oder auch auf die der anderen verlässt und sein Verstand ihn selten trügt, erfährt er alles und somit auch die Leser. Das diese Geschichte eigentlich die Wiedergabe der Gerichtsverhandlung, wird einem immer dann bewusst, wenn der Richter die nächsten Fragen stellt oder irgendjemand „Einspruch“ ruft. Es stört allerdings kein bisschen, sondern bringt noch mehr Hintergründe zu Tage und macht unwahrscheinlich neugierig auf das, was da noch kommt.

So kann man sich entspannt zurücklehnen, vielleicht im Bistro, aus den Bleiglasfenstern auf den Dorfanger zu schauen, den Gesprächen lauschen, beobachten und einfach nur genießen. Voulez-vous un Café?

Manchmal stolperten die Leute zufällig über etwas. Wie all jene, die Three Pines gefunden hatten.
(S. 393)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★


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Buchdetails
Titel: Hinter den drei Kiefern
Buchreihe: 5. Band 
Autorin: Louise Penny 
Verlag: Kampa
— Rezensionsexemplar —

Armand Gamache – Reihe
Band 1 ~ „Denn alle tragen Schuld“
Band 2 ~ „Und die Furcht gebiert den Zorn“
Band 3 ~ „Der grausame Monat“
Band 4 ~ „Rachefest“
Band 5 ~ „Hinter den drei Kiefern“

8
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Janna
KeJas-BlogBuch

Ich war ja schon ewig nicht mehr mit einem Kommi bei dir und was soll ich sagen, ich erstöbere die Reihe mal *-*

-Leselust Bücherblog-
Gast

Liebe Kerstin, Dieses Buch ist vor einiger Zeit als Überraschung vom Kampf Verlag bei mir eingetrudelt. Und weil es ja ein ganz neuer Verlag ist und auf dem Buch auch nichts weiter drauf steht, dachte ich, dass es sich um den ersten Teil der Reihe handelt. Aber anscheinend lag ich da ja falsch. Der Klappentext hat mich aber gleich angesprochen und eigentlich hatte ich mich sehr darauf gefreut, dass Buch bald zu lesen. Aber nun weiß ich nicht so recht. Soll ich mir den ersten Teil besorgen, um die Bücher chronologisch zu lesen? Oder einfach erstmal das Buch lesen, das… Read more »