„Fuck you Zombie“ | Erdal Ceylan [Kerstin]

Das Buch wurde mir von der Lektorin Meelah Adams kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Inhalt laut Klappentext:

In einem verschlafenen Dorf irgendwo im Nirgendwo sein Dasein zu fristen, ist für die Kindheitsfreunde Deniz und Mike schon hart genug. Mit der Langeweile ist es aber schlagartig vorbei, als sich von einer Sekunde zur anderen die perfekte Dorfidylle in eine vernichtende Zombieinvasion verwandelt. Nun müssen die besten Freunde ihren Mann stehen und sich dabei nicht nur gegen die blutrünstigen Zombiehorden stellen und versuchen zu überleben, auch eine Gang von Glatzköpfen hat es auf sie abgesehen. Eine lange Nacht voller Schmerzen, Blut und Zerstörung steht ihnen bevor, denn eines steht fest. Jeder will überleben, aber nicht jeder schafft es.

Illustration: Joell Martinez Tenjo – Cover Design: María Paula Vargas Triana

Wenn Deniz diese Nacht überleben wollte, musste er endlich mit den Tagträumereien aufhören und erwachsen werden
(S. 99)

Dieses Zitat nehme ich als Einstieg in meine Rezension, da es ein ganz wichtiger Bestandteil meines Leseeindruckes ist. Eigentlich wollte ich anders starten, nämlich mit einer kleinen Schimpftirade dem Autoren gegenüber, aber ich falle nicht gerne mit der Tür ins Haus. Zu dem Zitat und dessen Wichtigkeit komme ich gleich, jetzt erst einmal das:

„Mein lieber Herr Ceylan (jahaaa, dass soll sich sehr vorwurfsvoll anhören), was haben Sie sich mit dem Start nur gedacht. Was ein Glück gehöre ich zu den lesenden Menschen, die sich nicht so schnell triggern lassen, aber die Einstiegsszene mit Bela war wirklich krass. Ganze 20 Seiten, die für das Buch beinahe das Aus bedeutet hätte. Sie wissen um was es geht, oder? Diese Vorbereitungen in Sachen Videoszene, die sich nach ein paar Seiten auflösten, aber im ersten Moment doch sehr schockierten. Hallo? Missbrauchsdarstellungen sind kein Thema mit dem man Scherze macht, auch nicht in einem Zombiebuch. Das passt nicht, in keiner Weise.

In dem Kästchen beschreibe ich eine kurze Erläuterung zu der Szenerie. Die Schrift ist weiß, also einfach mit dem Cursor markieren, dann wird es sichtbar – keine Panik, es enthält keine detaillierten Beschreibungen, sondern umreißt nur die Szene.

Bela möchte eine satanistische Gruppe gründen und zu „Werbezwecken“ braucht er ein gruseliges Video, das aufzeigt was für harte Kerle sie doch sind. Dafür hat er eine junge Frau entführt, betäubt und in ein verlassenes Gebäude verschleppt. Bela und seine Kumpanen scheinen alles aber eher als Spiel anzusehen. Es kommt zu Schilderungen was sie gerne machen würden, aber nicht zu einer Gewalttat, außer das Lucie, so heißt die junge Frau, in ein weißes Kleid gesteckt wurde und mittels Mushrooms betäubt am Boden liegt. Diese Pilze sind Auslöser für die Verwandlung in einen Zombie, somit ist Lucie nicht nur Opfer dieser Perversen, sondern Zombie Nummer 1. Das hätten diese Knallpfeifen besser bleiben lassen, denn Lucie ist mächtig hungrig und so entkommt nur Bela, der mit ohne Hose schreiend durch den Wald in den Ort läuft und Lucie ihm hinterher. Wie in Zombiegeschichten üblich beginnt dann das große Beißen und Fressen.

Wäre dies alles ohne diese Entführung abgelaufen und Lucie ein Mitglied dieser Truppe um Bela, hätte es einen anderen Stellenwert für mich gehabt. Hier sehe ich das große Problem wirklich darin, dass eine Frau gegen ihren Willen gefügig gemacht werden soll.

Herr Ceylan, die Kurve hatten Sie danach aber noch immer nicht so ganz bekommen, wobei ich ab dem Kennenlernen von Deniz und seinem Kumpel Mike alles eher als Parodie ansah und wenn ich ehrlich bin, ich musste zwar des Öfteren den Kopf schütteln, aber irgendwann haben Sie mich doch zum Schmunzeln gebracht.

Deniz und Mike, das sind diese zwei auf die ich das Zitat beziehe und zwar wegen dem „Erwachsen werden“. Diese Typen sind Mitte Zwanzig und führen sich auf wie pubertierende. Sprechen junge Männer in dem Alter so? Mein lieber Scholli – Fremdschäm-Faktor hoch³. Alles sehr sexualisiert und kaum als vernünftige Konservation zu benennen. Aber auch hier haben Sie die Kurve bekommen. Als nämlich diese Zombiehorde stetig wuchs und den jungen Männern klar wurde, was da gerade in dem verschlafenen Nest geschieht. Landleben pur, aber eben nicht hinter dem Mond. Sieh einer an, die konnten doch noch was anders als durch die Hose zu denken. Jetzt kam der Gemeinschaftsgeist auf und der Wille auch andere zu retten, insbesondere die Frauen, die anfänglich eher nur feuchte Wunschträume waren.

Versuche dich zu entspannen, es wird gleich besser
(S. 331)

Deniz und Mike haben sich nach ihren anfänglichen Palavern und Hintergrundgeschichten dann doch noch zu netten Kerlen entwickelt, was ein Glück kam da diese Zombieapokalypse möchte ich fast schon sagen. Auch die Personen, die sich um die beiden aufhalten werden immer intensiver. Aus Spitznamen werden auf einmal Charaktere und bei so mancher der Personen habe ich wirklich mitgefiebert, ob sie den Zombies entkommen.
Ach ja, Zombies. Ich mag diese Dinger ja nicht sonderlich, aber in dem Buch konnte ich all die Geschehnisse super gut lesen. Vielleicht lag es daran, dass alles wirklich eher parodiert rüberkam. Eine Rentnertruppe als fressende Zombies hat schon was. Wenn dann noch eine Szene kommt, in dem ein Rentnerzombie (oder ist das ein Zombierentner?) das Gebiss verloren hat und am Hals seines vermeintlichen Futters sabbert habe ich wirklich etwas Kopfkino und kann mir das Grinsen nicht verkneifen.

Das sich die Zahl der nicht infizierten schnell dezimiert ist keine Überraschung, aber das sich diese kleine Truppe an Überlebenden einen Plan ausdenken wie sie der Horde zu Leibe rücken kann, hat mir gefallen. So mancher der Charaktere entpuppt sich als richtig clever und hier ist es wieder der Gemeinschaftssinn, der alles wett macht.

Zwischendurch begegnet man immer wieder mal Bela, der immer noch keine Hose anhat und einer Sache auf die Schliche kommt, die mit dem Dorf, dessen Abschottung, dem Militär und ein paar sehr skrupellosen Typen zusammenhängt. Bela hat eine enorm wichtige Rolle und ich habe ihm, besonders zum Ende hin, alles Gute hinterher gerufen.

Wer wissen möchte warum – in dem Kästchen gibt es wieder eine Info dazu.

Das Dorf scheint gerettet, wofür allerdings Bela nichts getan hat. Der Kerl trägt noch immer keine Hose, kriecht und rennt also sinnbildmäßig mit nacktem Arsch durch die Gegend und hat nach wie vor Lucie an seinen Hacken kleben. Die kann  ihn nämlich riechen, oder eben nicht (ist er selbst dran Schuld, hätte sie ja nicht entführen müssen) und wird diese zombiemäßige Frau wohl nie mehr los werden – man stelle sich das alles als einen Film vor. Bela ohne Hose, schreiend durch den Wald am laufen und hinter ihm Lucie, die Nase in den Wind gereckt. Wenn das keine Parodie ist?!

Man hatte sie gejagt, verhöhnt und verprügelt. Sie hatten sich durch Blut und Innereien gewühlt…
(S. 398)

Im Nachhinein bin ich doch zufrieden, dieses Buch nicht abgebrochen zu haben, denn es hat mich, lässt man die ersten ca. 50 Seiten außer Acht, doch sehr gut unterhalten. Es war eine spannende und lustige Reise durch dieses Zombiedorf.
Vom Schreibstil her sehr flüssig und mit angenehmer Länge der einzelnen Kapitel.
Eine verrückte Geschichte mit recht durchgeknallten Charakteren, die ich aber bis auf paar doch alle sehr mochte.
Es gibt jede Menge an Blut und Körperteilen, aber ich empfand es nie als eklig.
Das ein Zombiebuch auch humoristisch sein kann habe ich nicht erwartet und das hat mir dann doch sehr gut gefallen. Eine schräge Komödie, die mit allerlei Überraschungen aufwartet. Das ein oder andere Klischee wird auch deutlich bedient, aber wie ich anfangs schon sagte – es ist eine Parodie und als solche habe ich es auch bewertet.

Machs gut Bela ;-)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★☆

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension

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Buchdetails
Titel: Fuck you Zombie
Buchreihe: Einzelband
Autor: Erdal Ceylan
Verlag: Independently published | [Selfpublisher]
— Rezensionsexemplar —

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10
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Pink Anemone
Gast

Ach Herrje, Kerstin liest ein Zombiebuch, schimpft mit dem Autor, muss bei nackten Hintern lachen und mag das Buch. Was soll ich da jetzt bitte machen? Ok, eigentlich stellt sich die Frage jetzt nicht wirklich. Während ich „Ach Herrje“ geschrieben habe, zappte ich auf Amazon und knallte das Buch in meine WL. Somit wären wir schon bei Buch Nr. 2.
Vielen Dank für die herrlich amüsante Rezi und ich winke Dir und dem Nacktpopo Bela hinterher.

Liebe Grüße
Conny

Christin
Gast

Hach, das ist jetzt so Engelchen und Teufelchen.
Auf der einen Seite hattest mich auf twitter mit dem Buch angefixt und hier – nach der Kritik – hab ich so gar keine Lust mehr drauf. Weil ich genau weiß, dass ich mich an den Kritikpunkten aufhängen würde >.<
Was. Ne. Blöde. Zwickmühle.

Gabi
Gast

Wie interessant, dass das Buch bei Janna und Dir im Grunde schon gleich gesehen wird, aber wie es bei Euch ankommt, schon unterschiedlich ist. Ich hab Deine verborgenen Absätze gelesen und kann gut verstehen, dass manche Menschen durch derartige Szenen getriggert werden können. Grundsätzlich finde ich Triggerwarnungen für mich persönlich nicht hilfreich, weil mich sehr vieles nicht triggert und falls es doch passiert, bin ich oft überrascht davon. Das lässt sich gar nicht in Rubriken oder Themen kategorisieren, sondern ist hoch individuell und vom einzelnen Buch abhängig. Da würde nur helfen, solche Szenen (und viele anderen, die Triggerpotenzial haben) wegzulassen.… Read more »

Nicole “NiWa” Wagner
Gast

Mein Interesse ist zumindest geweckt. Die Rentnerzombies klingen schon nett. ;)

Shirisu
Gast

Also das Cover und der Titel + das Thema sprechen mich ja schon sehr an! :D
Aber ob es nun ein Buch für mich ist, da bin ich noch am Überlegen.

Aber danke für deine Rezension, fand ich sehr schön! :)