(M)ein Abend mit Melanie Raabe und Marc Raabe [Experimentelle Lesung]

Ein leidiger Hinweis auf Werbung, weil ich von einer Lesung schwärme und Verlinkungen einbaue. Ich schreibe diesen Bericht aus freien Stücken, ohne Androhung in einem der zukünftigen Thriller als Opfer oder Täterin aufzutauchen.

M. Raabe²

Melanie, Marc und Mimi. Die etwas andere Lesung!

Auch in diesem Jahr richtete die Buchhandlung „Lünebuch“ das Krimifestival aus – der Buchdealer meines Vertrauens! Diesmal fand die Lesung in einem Restaurant statt. Somit sind meine Begleitung und ich recht früh dort hingefahren, um den Abend mit einem leckeren Essen zu beginnen. Und ja, die spätere Wahl lag auf Pina Colada und nicht Gin Tonic, erschreckend, ich weiß!
Gesättigt und mit einem kühlen Getränk suchten wir uns zwei Plätze und waren gespannt auf die Lesung mit Werkstattgespräch.

Melanie Raabe, Autorin (Links) | Miriam Semrau, Moderatorin (Mitte) | Marc Raabe, Autor (Rechts)

Ein Experiment
Lesung trifft auf Werkstattgespräch

Weder sind Melanie Raabe und Marc Raabe verheiratet oder miteinander verwandt, noch kannten sich die Beiden zuvor. Lustig jedoch, dass die Zwei die gleiche Kneipe in Köln besuchen. Melanie für das Frühstück, Marc für die abendlichen Schreibstunden. Begegnet sind sie sich dort nie.

Ähnlich einem Interview moderierte Miriam Semrau uns durch den Abend. Sie stellte Fragen, die beiden Autor*innen antworteten. Es sind jedoch nicht gänzlich die typischen Interview-Fragen, sondern gaben auch Einblicke in den Schreibprozess. Es gab immer wieder auch einen Austausch zwischen den beiden Autor*innen, was den Abend nochmals besonders interessant machte! An dieser Stelle jedoch war ich manchmal so gefangen von den Antworten und deren Austausch, das ich einfach nicht mehr mitschrieb. Ich habe auch nicht jede Frage wortgetreu notiert und gebe somit nur den Inhalt wieder, man möge es mir nachsehen.

Die erste Frage wäre auch meine gewesen. Ob sich die beiden, wenn schon nicht persönlich, zu mindestens buchig kennen? Da für Melanie die Lesereisen auch für sie die meiste Zeit zum selbst lesen geben hat sie den neuen Thriller von Marc bereits ausgelesen. Bei Marc selbst sieht es etwas anders aus, er hat Melanies neues Buch zwar angefangen, aber noch nicht beendet. Während Marc allgemein gerne im Genre „Krimi und Thriller“ liest, verzichtet Melanie auf dieses Genre gänzlich, wenn sie selbst gerade im Schreibprozess ist.

Die große Frage, die viele Leser*innen umtreibt, ist das Mitspracherecht von Autor*innen bei der Covergestaltung. Ich weiß, dass die verschiedenen Verlage dies sehr unterschiedlich handhaben. Von Mitgestaltung bis hin zur Möglichkeit ein Veto einzulegen.
Melanie ist froh darum, dies nicht selbst gestalten zu müssen. Ihr fehle das Talent den Inhalt auf ein einziges Bild runter zu brechen.
Marc ist selbst Grafiker und war mit den Covern zu seinen anderen Thrillern nicht ganz glücklich. Bei seinem aktuellen Thriller „Schlüssel 17“ hat er weitaus mehr auf seine Vorstellungen bestanden und ist mehr als zufrieden mit dem Resultat. Auch wenn der Autor sehr gerne mit seinem Verlag zusammenarbeitet, äußert er auch ganz direkt, dass sich Verlage (im allgemeinen) nur ungerne reinreden lassen.

Beide Bücher haben ihren Ursprung im vergangenem. Miriam wollte wissen, ob dies einen Thriller ausmacht – vergangene Ereignisse die Spannung erzeugen.
Melanies Thriller „Der Schatten“ besteht einzig aus gegenwärtigen Szenen, jedoch macht die Vergangenheit die erwachsene Person aus. Aus der Kindheit und dem Jugendalter erklärt sich der heutige Mensch.
Die Backstory ist für die Protagonist*innen grundlegend wichtig, sagt Marc, egal welches Genre. Inwieweit diese im Mittelpunkt stehen ist unterschiedlich, wichtig dabei ist das Gefühl darin, nicht die Fakten.

Wie sieht eigentlich so ein Schreibprozess aus? Steht das Ende als erstes?
Besonders bei dieser Frage waren die Zwei in einem intensiven Austausch. Und die Arbeitsweise der beiden unterscheidet sich stark.
Melanie überarbeitet viel und stellt die Szenen und den Aufbau um. Für sie ist es wichtig, das Ende vorab zu kennen, da sie sich sonst in ihrer Geschichte verlieren könnte.
Marc ist Cutter und hat ein Gefühl entwickelt, welche Szenen wann und wo auftauchen müssen, um ein nachvollziehbares Gesamtbild zu ergeben. Doch auch für ihn geht der Schreibprozess nicht gänzlich ohne solch Umstrukturierung von Szenen. Er jedoch kennt das Ende seiner Bücher vorab nicht und schreibt viel ‚frei Schnauze‘. Dies bewundert Melanie, wäre für sie selbst jedoch kein Weg. Doch auch ihr kommen die besten Ideen während des Schreibprozesses, nachdem das Exposé bereits steht.

Sind Thriller-Autor*innen immer blutig und brutal? Da fand ich die Antworten fast ein wenig amüsant, denn beide äußerten, ein zartes Gemüt zu haben und selbst nicht zu viel ertragen zu können – dennoch schreiben sie in einem Genre, das genau solches verlangt.
Melanie geht es vor allem um die Auswirkungen von Ereignissen und nicht um die Tat(en) selbst. Sie liebt es, wenn Bilder durch Bruchstücke im Text entstehen und schreibt die Geschichten so, wie sie sie selbst gerne liest.
Für Marc ist es eine Kunst Szenen zu um- statt zu beschreiben, doch für sein aktuelles Buch entschied er sich ganz bewusst für die detaillierte Beschreibung.

Aus der Frage, warum der eine Thriller ohne Psychologin und der andere mit einer solchen Protagonistin verfasst wurde, entwickelte sich zu einem Gespräch um den Migrationskonflikt. Inhaltlich sehr spannend, doch befürchte ich, dies nicht gelungen aus dem Gedächtnisprotokoll wiedergeben zu können.
In Bezug auf die Bücher war es für Melanie wichtig, dass sich ihre Protagonistin im Verlauf der Ereignisse selbst entblättert und das Buch etwas von einem Schauerroman vermittelt. Marc ist fasziniert von dem Beruf seiner Frau und ihrem Talent, Menschen lesen zu können. Daraus entwickelte sich seine psychologische Protagonistin.

Die Orte und das kleine soziale Umfeld in „Der Schatten“ und „Schlüssel 17“ spielen eine bedeutende Rolle in der Atmosphäre der Geschichten. Da fragt man sich als Leser*in natürlich wie wichtig dies für Bücher aus diesem Genre ist.
Für „Der Schatten“ wollte Melanie eine große und offene Stadt, die Bilder m Kopf der Leser*innen erzeugt, ohne dass diese dort gewesen sein müssen. Die Protagonist*innen in einem Thriller müssen nicht zwingend einsam sein, dies ist jedoch stark abhängig von dem was erzählt werden will. Für ihren aktuellen Thriller war es wichtig ein mehr als überschaubares soziales Umfeld zu haben, da es schwerer ist jemanden zu manipulieren, wenn die Person offen mit anderen redet und die verschiedenen Situationen reflektiert.
Auch Marc wollte eine große und pulsierende Stadt, welche ein Schmelzsiegel an unterschiedlichen Menschen ist. Er selbst findet solch fokussierte Menschen mit einem kleinen Freundeskreis weitaus interessanter. Diese Charaktere brennen für etwas und haben kaum Raum und Zeit für andere Interaktionen, dies ist auch etwas das seinen Ermittler ausmacht.

Einzelband oder Buchreihe – wie entscheidet sich die Frage? Müssten nicht alle Bücher Reihen sein, allein schon weil einem die Protagonist*innen ans Herz wachsen? Den Autor*innen wahrscheinlich noch mehr als uns Leser*innen.
Auch wenn Melanie sich vorstellen irgendwann mal eine Reihe zu beginnen, so ist die aktuell keine Option für sie. Sie mag die in sich abgeschlossenen Geschichten, wobei es ihr zum Ende hin schwer fällt, ihre Protagonist*innen ziehen zu lassen, jede*n einzelne*n. Doch wenn der letzte Satz geschrieben ist, ist es okay für sie die Geschichte loszulassen.
Marcs ersten Bücher sind Einzelbände, da die Themen erzählt und die Lebensrätsel der Protagonist*innen gelöst sind. Diesmal entschied er sich bewusst für eine Reihe, da mehr Personen innerhalb einer Geschichte auch mehr Raum brauchen. ebenso gibt es Charaktere die nur über mehrere Bände erzählt werden können. An dieser Stelle gab er als Beispiel ‚Severus Snape‘ aus Harry Potter an.

Ich muss gestehen, dass ich den Autor Marc Raabe zwar sehr sympathisch finde, mich sein Buch an diesem Abend aber leider einfach nicht ansprach. Ich lasse mich jedoch gerne von dem einen oder der anderen unter Euch belehren, wenn sein aktueller Thriller lohnenswert ist. „Heimweh“ aus seiner Feder liegt noch auf meinem SuB und bislang kenne ich noch keines seiner Bücher. Was ich aber empfehlen kann ist Toms Garage. Der Ermittler aus Marcs aktuellem Thriller, seine Notizen und Gedanken – wirklich schön gestaltet.

Melanie Raabe hingegen ist bereits mehrfach von mir gelesen. „Die Falle“ und auch „Die Wahrheit“ gefielen mir sehr gut. Der besondere Reiz für mich das Hörbuch anstatt des Prints gewählt zu haben? Die Autorin ist für eine Szene zu hören!
Ich bin gespannt was mich in dieser Geschichte erwartet, denn Melanie Raabe überzeugt durch psychologische Spannung in unblutigen Thrillern.

Auch wenn das Bild leicht verschwommen ist, ist es mir das Liebste!
Spontanes Lachen ist eben viel schöner als diese gestellten Bilder!

 

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Diana
Gast

Hallo Janna,
toller Beitrag. Ich hatte fast das Gefühl mit dabei gewesen zu sein. :)
Fehlt nur noch der Pina Colada. :P
Heimweh von Marc Raabe habe ich gelesen und fand es wirklich klasse, kann es dir also empfehlen. Schlüssel 17 habe ich gewonnen und liegt noch ungelesen auf meinem SuB.
Melanie Raabe ist wirklich sehr sympathisch, ich habe sie auch schon einmal auf der Buchmesse gesehen. Ihr Bücher mag ich auch sehr gerne, weil sie wie du schon sagst unblutige, aber psychologisch sehr spannende Thriller schreibt.
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de

Pink Anemone
Gast

Hallo Janna,
gaaaanz toller Beitrag, der auch uns Nicht-Teilnehmer etwas Lesungs-Luft schnuppern und hinter die Kulissen gucken lässt. Deine Fotos kenne ich ja schon, aber in groß sind sie noch viel schöner *g*. Ich freue mich soo sehr für Dich, dass Du dabei warst…auch wenn du keinen Gin Tonic getrunken hast…ich bin entsetzt!! Muss ich eben das nächste Mal einen für Dich mittrinken…so einfach ist das *g*.
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag..ja, ich weiß, ich wiederhole mich XD

Liebe Grüße und Busserl
Conny
(ich finde es noch immer schade, dass ich hier keinen Klick hinterlassen kann)

Conny P(lanlos)
Gast
Conny P(lanlos)

Hallo Janna,

ich war zwar noch nie auf einer Lesung, aber dein Beitrag klingt, als ob ich echt was verpasst hätte. Jetzt muss ich mich mal umhören, ob es bei uns so etwas auch gibt, denn ich bin sehr neugierig geworden. Es ist wirklich ein schönes Bild, auch wenn es verschwommen ist, was solls. Ich bin gespannt auf weitere Beiträge von euch. Liebe Grüße Conny

Gabi
Gast

Liebe Janna, um diese Doppel-Lesung bzw. Gespräch beneide ich Dich total. Hut ab für Lünebuch, die so tolle Autoren ausgewählt und eingeladen haben. Das wäre auch mein Geschmack gewesen. Okay, die Bücher von Marc Raabe haben mich nicht so ganz komplett begeistern können. Im Gegensatz dazu bin ich ein großer Fan von Melanie Raabe. Wie Du von den Dialogen der beiden Autoren miteinander erzählst, von den Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Schreibprozess, das ist so klasse, man fühlt sich richtig dabei. Hab vielen Dank für, uns so ausführlich von diesem Abend zu erzählen! Genau solche Plaudereien von Autoren möchte ich –… Read more »

Schurkenblog
Gast

Ha, ha. Da habe ich ja gleich zweimal richtig getippt!

Kompliment an deinen Lesungsbeitrag. Das ist ja fast schon ein Protokoll! Hut ab!
Ich muss auch zugeben, so ein bisschen beneide ich euch um die tollen Lesungen, die hier im Hinterland bei uns so gut wie gar nicht stattfinden. Ganz selten sind da so tolle, interessante Autoren dabei, obwohl es in den letzten Jahren besser geworden ist und sich schon mal Aichner oder Raab hier her verirrt hat :-).

Zu dieser Lesung wäre ich aber schon alleine wegen Miriam gegangen :-). Danke für den Beitrag!