„Du hast angefangen! Nein, Du!“ | David McKee

Pfurzpflaume & labbriger Cornflake

Inhalt laut Klappentext

Es war einmal ein blauer Kerl, der lebte an der Westseite eines Berges, wo die Sonne untergeht. Und an der Ostseite, wo die Sonne aufgeht, da lebte ein roter Kerl. Manchmal redeten die beiden miteinander durch ein Loch im Berg. Aber gesehen hatten sie sich noch nie. Bis eines Tages ein heftiger Streit zwischen den beiden entsteht …

Ich liebe dieses Kinderbuch – welches auch ohne Worte auskommen würde. Die Bilder sind ausdrucksstark genug, um daraus eine einfache Bilderbuchbetrachtung machen zu können. Aber der Text dazu lohnt sich. Sauer aufeinander sein und dies verbal äußern, in dieser Geschichte Unterhaltung pur!

Natürlich könnte man nun mit erhobenen Zeigefinger sagen, das man sich nicht beschimpfen darf – aber Kinder äußern ihre Frustration und Wut nicht nur non-verbal (körperlich), sondern eben auch über Worte (verbal). Und dieses Buch greift das alltägliche Thema ‚Streit‘ mit Humor auf, denn ein wenig streiten kann auch Spaß bringen. Und sich streiten ist wichtig, darüber mit Kindern zu sprechen fördert soziale Kompetenzen und sensibilisiert.

In diesem Buch tauchen die zwei Kontrahenten in Form von Monstern auf, dies jedoch nur optisch, innerhalb der Geschichte werden sie als ‚Kerle‘ bezeichnet.
Der Tag geht oder die Nacht kommt – zwei Aussagen welche die gleiche Bedeutung haben und doch zu einem großen Streit mit Zerstörung führen.
Die zwei Kerle sind sauer aufeinander und vernichten nach und nach den Berg, der sie voneinander trennt. Sie brüllen sich an, mit wundervoll alternativen Schimpfworten (labbriger Cornflake, Pfurzpflaume, stinkiger Pudding, etc.). Und doch sitzen sie am Ende zusammen und betrachten den Himmel.

Wie in vielen Kinderbüchern hat auch dieses ein kleines „Und die Moral von der Geschicht’…“, denn am Ende stehen sich die beiden gegenüber und nehmen den Blickwinkel des jeweils anderen ein. Sich streiten und sich am Ende (dennoch) mögen!
Genau dies gefällt mir an diesem Buch, es kommt nicht mit der Vorzeige-Pädagogik um die Ecke, sondern zeigt das sich streiten befreiend sein kann, sogar Spaß bringt und danach dennoch alles Gut ist. Auch das Streiten will erlernt sein und fördert verschiedene Kompetenzen – wenn man es zulässt (und natürlich sich in einem humanen Rahmen befindet).

— Pädagogische Randnotiz —

Das Buch bietet eine Vielfalt an pädagogischen Angeboten und Projekten an. Ich selbst habe daraus vor einigen Jahren mit Kindergartenkindern ein Theaterstück entwickelt. Ich habe das Buch vorgelesen und mit der Kleingruppe darüber gesprochen. Der Schwerpunkt lag auf der Meinungsverschiedenheit, welche ich kindgerecht aufgegriffen habe – hier sind die Möglichkeiten grenzenlos: Es kann sich darüber unterhalten werden ob man sich beschimpfen darf und was dies bei seinem gegenüber auslöst. Oder man erörtert wann die Kindergruppe so richtig sauer wird (Was macht dich wütend) und wie kann man in solchen Situationen handeln? Wütend sein dürfen und Verzeihen / sich entschuldigen können sind Fähigkeiten die im Alltag eine wichtige Rolle spielen. Um einen kleinen Einblick zu gewähren Im Anschluss haben wir uns neue (humorvolle) Schimpfworte überlegt, das Bühnenbild gestaltet und diese Geschichte in abgewandelter Form vor der Kita aufgeführt. Aber auch ohne solch ein Projekt kann man mit Kinder, in pädagogischen Einrichtungen oder zu Hause, wundervoll verschiedene Thematiken nach dem Vorlesen aufgreifen.

Rezension verfasst von © Janna
★★★★★

– Weitere Eindrücke –

              Buchdetails
Titel: Du hast angefangen! Nein, Du!
Buchreihe: Einzelband 
AutorIn: David McKee
Verlag: Fischer (Sauerländer | Blubberfisch) 
ISBN: 978-3-7373-6054-8 [Hardcover]
Es handelt sich hierbei um die Mini-Ausgabe, dieses Buch gibt es jedoch auch in größerer Ausführung.

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Madame Lustig
Gast

Hallo liebe Janna,
wie du weißt, bin ich immer auf der Suche nach tollen neuen Büchern für den Piraten und dieses hier klingt ganz danach. Vor allem, dass sich hier um Meinungsverschiedenheiten und Streit geht, finde ich toll. Mein kleiner Mann macht gerade so seine ersten richtigen Streiterfahrungen und allein deshalb passt dieses Buch schon perfekt zu uns. Es wandert also gleich auf meinen Wunschzettel und wird bei nächster Gelegenheit bei uns einziehen. Vielen vielen Dank für den Tipp!

Ganz liebe Grüße,
Maike

Svenja
Gast

Hey! Das Buch klingt ja zuckersüß! Das Thema Streit bei Kindern ist ja immer aktuell, von daher macht das Buch alles richtig, aufzuzeigen, wie es ist zu streiten, aber auch, wie schön es sein kann, sich wieder zu vertragen. Da fallen mir direkt ein paar Kinder ein, denen das Buch ganz gut tun würde :) Danke für die schöne Rezension!
Liebe Grüße
Svenja

Kerstin
Gast

Als ich das Foto von dem Buch bei dir gesehen habe, musst eich einfach sehen was dahinter steckt. Was ist das für ein Buch, bei dem zwei „Monster“ auf einem Hügel Rücken an Rücken sitzen. Also habe ich mir deinen Post durchgelesen und musste schmunzeln. Ohne Streiten wäre das Leben doch langweilig. Wie oft habe ich mich mit meinem kleinen Bruder gestritten. Oft sind es absolute Nichtigkeiten gewesen. Doch in dem Moment waren sie sehr wichtig. Wenn wir uns jetzt als Erwachsene begegnen, erinnern wir uns gerne an Streitsituationen. Ein ganz eklatanter Streit endete mit einem gebrochenen Finger. Und nur,… Read more »

Buecherpanda
Gast

Liebe Janna,

Auch wenn ich Kinderbücher nicht häufig lese, klingt das nach einem wirklich tollen und schönem Buch!
Denn du hast vollkommen Recht: Auch streiten muss gelernt sein.
Besser man lernt schon vom Klein auf wie man vernünftig diskutiert und „streitet“, als das man sich später einen anderen Katalysator sucht.
Jeder streitet sich mal und wenn man weiß, wie man verbal und ohne seinen Gegenüber zu verletzen seine Meinung darstellen kann, hat man vieles richtig gemacht. :) zumindest sehe ich das so!

Liebste Grüße
Jenny