3 Geschichten – 3 Eindrücke | Romy Hausmann – Elizabeth Day – Claire North

Jannas Hörbuch-Dreierlei

3 Autorinnen – 3 Hörbücher


„Liebes Kind“ von Romy Hausmann

Inhalt laut Klappentext:

Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und der Alptraum geht weiter. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich nun zurückholen will, was ihm gehört.

Ich hatte den Titel noch vor Erscheinen im Blick, stand direkt weit oben auf meiner Wunschliste und löschte ihn dann doch wieder. Die Befürchtung, einen Thriller nach Schema F zu bekommen, siegte. Und dann lag das Hörbuch plötzlich in meinem Briefkasten, hatte zuvor die eine oder andere Rezension gelesen und war wieder sehr neugierig auf die Geschichte darin! Ich las von Aussagen wie „Absolut fesselnd“, „Eindringlich und verstörend“ oder „sehr realitätsnahe“ – besonders der letzten Aussage kann ich leider nicht zustimmen! Bis zu einem gewissen Punkt ja, aber was im Verlauf der Geschichte an Tageslicht kommt, ist nicht das, worüber man in Nachrichten hört – es ist ein Thriller, eine erzählte Geschichte innerhalb eines Buches. Diese zog mich zunächst absolut in ihren Bann, ich war gespannt wie eine Geschichte erzählt wird, die erst nach der Katastrophe beginnt!

Drei Perspektiven. Die entführte Frau. Ein in Gefangenschaft aufwachsende Mädchen. Ein Vater der die Hoffnung nie aufgab. Ein Wechsel aus Erzählungen und Zeitungsartikeln und eine Ahnung, dass auch nach der Hälfte immer noch nicht alles erzählt wurde.

Meine Kritik, ein Spoiler in 3 Akten
In weißer Schrift geschrieben, bitte den Abschnitt zum Lesen markieren

1) Im Epilog erzählt Lena von ihrem Leben in Gefangenschaft, die wahre Lena – die erste. Absolut fesselnd, einnehmend und gelungen. Sie ist kein Opfer, sie sieht den Täter wie er ist, als Gefangener seiner selbst. Die Katze? Ein Kuscheltier. Die Ausflüge? Phantasiereisen. Aber wie kommt es dann, dass Hannah so gezielt ihren Großvater beschreibt und erkennt? Für einige eine Kleinigkeit, für andere wie mich sehr störend. Ein Foto aus Lenas Portemonnaie? Eine so genaue Beschreibung von Lena?
2) Warum identifiziert Jessi den Mann als Täter, der gar nicht der Täter war?! Fragen die nie beantwortet werden …
3) Das mit der Reporterin, die angebliche Nachbarin, nervte mich leider sehr. Trug nicht zum Verlauf bei und erschuf eine Atmosphäre die dann im Nichts verpuffte.
Und was war ich froh, dass sich hinter den Briefen Lenas Vater verbarg – alles andere hätte dem Buch in der Wertung einen ganzen Stern gekostet!
Und das Hannah von ihrem Vater involviert war skizziert zwar gut das Familiensystem in dem sie aufwuchs, wurde mir aber zu schnell abgehandelt.

Ich denke meine Erwartungen waren zu hoch! Als Hörbuch definitiv einnehmend dank der Sprecher*innen und der Epilog ist grandios – wirft aber Fragen auf, die nicht mehr beantwortet werden. Stört mich meist nicht, doch hier ist es leider unpassend. Und doch nahm mich der Verlauf zuvor ein, die Fragen die entstehen und erst viel später eine Antwort erhalten. Es ist ein Thriller der etwas anderen Art, an manchen Stellen leicht überzogen und doch hörenswert, wobei ich in meiner Endwertung wirklich hin und herschwankte … Spannend und gelungen erzählt – aber eben mit Kritik die im Nachhinein, beim Schreiben meiner Eindrücke, doch mehr Auswirkung hat, als beim Hören selbst. Ich finde einen Thriller, der erst dort beginnt wo andere aufhören faszinierend, aber ich hätte mir einen etwas anderen Schwerpunkt gewünscht.

Wertung: ★★★☆☆
1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension
Titel: Liebes Kind
Buchreihe: Einzelband 
Autorin: Romy Hausmann
Sprecher*innen: Leonie Landa, Heikko Deutschmann & Ulrike C. Tscharre
Verlag: Hörbuch Hamburg (gekürzt / ungekürzt)
Printausgabe: dtv

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„Die Party“ von Elizabeth Day

Inhalt laut Klappentext:

Martin Gilmour ist ein Einzelgänger. Aufgewachsen in trostlosen Verhältnissen, seinen Vater hat er nie kennengelernt. Seine Mutter hasst er bis zum heutigen Tag und meidet den Kontakt mit ihr, wo es nur geht. Es gibt nur einen Menschen, der ihm wirklich etwas bedeutet: Ben. »Mein bester Freund Ben«, sagt Martin. Wenn er es sich auch nicht eingesteht, so dreht sich in seinem Leben doch alles darum, Ben zu gefallen und ähnlich zu sein. Ben ist das genaue Gegenteil von Martin: attraktiv, beliebt, reich. Durch seinen Freund lernt er eine andere Welt kennen: die Welt der Oberschicht, der Privilegierten. Martin genießt es, dazuzugehören. Und so tut er alles für Ben – wirklich alles. Nach Jahren des Selbstbetrugs hat auch Lucy das begriffen. Ihr Ehemann Martin mag sie und braucht sie, aber Liebe? Liebe empfindet er nur für den Freund. Längst hat Martin, in scheinbarer Selbstlosigkeit, dafür gesorgt, dass dieser sich nie von ihm lösen kann. »Bens kleiner Schatten«, nennt ihn Bens Ehefrau Serena. Doch grenzenlose Hingabe kann lästig werden – so wie eine gemeinsame dunkle Vergangenheit.

Diese Geschichte stand sehr lange auf meiner Wunschliste und ich muss gestehen, dass der Klappentext und die Pressestimmen meine Erwartungen steigen ließen. War die Enttäuschung absehbar? Keine Ahnung, aber sie ist da.

Ich hatte immer wieder mit einem Abbruch geliebäugelt, war aber dann doch zu neugierig, was auf der Party geschehen sein soll. Doch eben dieses Ereignis wieder immer wieder durch Rückblenden in Martins Kindheit unterbrochen. Es skizziert sehr gelungen seinen Charakter, aber nimmt zu viel Raum ein. Der Wechsel zwischen Martin und seiner Frau, zwischen Martins Vergangenheit und dem Verhör sagten mir direkt zu. Ebenso gefiel mir der ruhige Erzählstil, doch zu oft und zu schnell baute die Intensität und aufkommende Neugierde innerhalb dessen ab.

Ich hatte mir weitaus mehr Psychologie innerhalb dieser Ereignisse gewünscht. Psychische Abgründe halten sich an der Oberfläche, vielmehr geht es um einen Menschen der sich selbst verloren hat – ungeliebt, unbeliebt und obsessiv. Doch dies macht noch keinen intensiven Verlauf, denn ich hatte immer wieder das Gefühl, die Autorin will erklären warum Martin agiert, wie er es tut. Dabei verliert sie sich jedoch in Kleinigkeiten und auch das düstere Geheimnis, das die Freundschaft zwischen ihm und Ben aufrechterhält, ist bei weitem nicht so schockierend, wie es das langsame Zusammensetzen der Puzzleteile vermuten lässt. Realitätsnahe ohne Überziehung, etwas das mir sonst gut gefällt, wirkt innerhalb dieser Geschichte etwas verloren.

Die Art wie die Geschichte erzählt wurde, der Stil der Autorin und die fehlende Action lassen mich die Autorin aber weiter im Blick behalten und einem kommenden Buch würde ich nochmal die Chance geben, mich vielleicht mehr für sich einzunehmen.

Wertung: ★★★☆☆
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Titel: Die Party
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Elizabeth Day
Sprecher: Hans Jürgen Stockerl 

Verlag: Audible Studios
Printausgabe: dumont

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„Die vielen Leben des Harry August“ von Claire North

Inhalt laut Verlag:

Manchmal ist ein Leben nicht genug, um die Welt zu retten…
Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden — mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

Harry ist Jahrhunderte alt. Harry wurde jahrhundertemale geboren. Harry ist jahrhundertemale gestorben. Immer wieder beginnt er sein Leben 1919. Und immer wieder durchlebt er verschiedenste und auch gleiche Ereignisse, weiß von Leben zu Leben von seinen vorherigen und blickt hinter seine eigene Familiengeschichte. Und innerhalb seiner vielen Leben merkt Harry, dass er nicht alleine ist – es gibt noch andere die immer wieder geboren werden und so schließt er sich dem Cronos-Club an. Er lernt verschiedene Kulturen kennen, erlernten Sprachen, nimmt Drogen, findet seine große Liebe und begeht einen Mord – oder doch mehrere? Harry berichtet von seinen unzähligen Leben und wechselt zwischen ihnen. So behält die Geschichte ihren Schwung, wird nicht fad und durch das drohende Unheil und die Ahnungslosigkeit, wie dies endet, wurde auch ein gelungener Spannungsbogen skizziert.

Der Sprecher zog mich direkt in seinen Bann und überzeugt im Facettenreichtum seiner Stimme – ich werde direkt nach weiteren von ihm eingesprochenen Hörbüchern Ausschau halten! Auch die Geschichte selbst hat durch die Thematik absolut seinen Reiz und begeisterte mich innerhalb der Erzählung. Harrys Leben wiederholt, ist aber nicht gleichbleibend. Als sich der Weltuntergang ankündigt und sein engster Freund sich gegen ihn stellt, baut die Autorin einen Spannungsbogen auf, der mich mehr als neugierig auf den Ausgang machte – und das Ende begeisterte mich!

Wertung: ★★★★★
Buchdetails | Anzeige |
Titel: Die vielen Leben des Harry August
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Claire North
Sprecher: Stefan Kaminski

Verlag: Lübbe Audio (Download / CD)
Printausgabe: Bastei Lübbe


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8
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Anja aka Ana
Gast
Anja aka Ana

Huhu,
schade mit Liebes Kind. Für mich eines der Highlights dieses Jahres. Heftig wie unterschiedlich das Buch ankommt. Aber da sind wir uns einig doch uneinig zu sein.

Und Harry, ja was soll ich sagen. Klingt für mich nur nett, ich glaube da verzichte ich trotz Deiner Begeisterung drauf.

LG und eine schöne Restwoche.

Gabi
Gast

Liebe Janna, da hast Du wieder mal eine schöne Auswahl an Hörbüchern getroffen. Bei den ersten beiden hat mich der Klappentext schon gepackt und ich bin neugiereig geworden, aber Deine Rezensionen haben das wieder ein bisschen abgeschwächt. Da ist es mir wohl so gegangen wie Dir. Tolles Szenario, aber mit einer Umsetzung, die nicht rundherum begeistern kann. Und was Harry August angeht, kann auch Deine totale Begeisterung nicht ändern, dass ich dieses Zeitreise-Thema grundsätzlich nicht mag. Egal in welcher Ausprägung, selbst Menschen, die uralt werden und viele Generatonen leben locken mich nicht hinterm Ofen vor. Auch wenn einzelne Bücher mich… Read more »

monerl
Gast

Du Liebe,
jetzt hatte ich schon Angst, Harry hätte dir nicht gefallen! Ich liebe Harry und würde so gerne eine Verfilmung sehen.

Schade für dich wegen den anderen beiden Geschichten. Sind auch nichts für mich.

GlG, monerl

Kate
Gast

Hallöchen, da ist endlich deine Meinung zu „Liebes Kind“. Ich war ja schon sehr gespannt. Bei dem ersten Punkt muss ich dir zustimmen. Ich habe mich tatsächlich auch gefragt, wie Hannah ihren Großvater erkennen konnte. Das aber im Verlauf wieder vergessen und gar nicht mehr darüber nachgedacht. Zu Punkt 2: Ich glaube aus Angst. Sie wollte den Polizisten ja auch nicht alles von ihrer Gefangenschaft erzählen. Sie hat sich geschämt. Ich denke, sie wollte, dass es einfach vorbei ist und das wäre es ja, wenn der Täter gefunden bzw. tot wäre. Natürlich total irrational, aber das habe ich in ihrer… Read more »