„Die Stunde des Wolfs“ | Simo Hiltunen

Das Buch wurde mir vom Verlag  kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt.
Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Inhalt laut Verlag

„Du willst das Böse sehen – um deinem wahren Ich zu begegnen.“

Es ist mehr als eine Schlagzeile: Ein Polizist ermordet seine Familie und schließlich sich selbst. Lauri Kivi, ein Reporter, der sich auf Verbrechen spezialisiert hat, ist entsetzt. Zu Gewalt hat er eine besondere Einstellung – in seiner Jugend wurde er von seinem Vater so misshandelt, dass er auf einem Ohr taub ist. Je mehr er recherchiert, desto genauer erkennt er ein Muster. Jemand scheint hinter diesen Morden zu stecken und sie den Familienvätern in die Schuhe zu schieben. Da ihm niemand glaubt, versucht Lauri, den Täter zu provozieren, um selbst ins Fadenkreuz zu geraten. Doch der Mörder nimmt jemand anderen ins Visier: das Mädchen Aava, Lauris heimliche Tochter.

Zuerst möchte ich etwas aus diesem Buch erzählen, das mich wirklich faszinierte. Es ist eine Erzählung, eine Art Legende und betrifft den Wolf im Menschen. In jedem Mensch leben zwei Wölfe, einer gut und einer böse. Doch welcher der beiden wird der stärkere sein? Die einfache Antwort darauf: Der den du fütterst!

Äußert sich das Böse in Taten? Oder genügte es, dass man nichts tat?
(S. 102)

Dieser Kriminalroman ist für mich eher ein Thriller.
Dafür enthält er alle notwendigen Elemente. Ein Serienkiller, grausame, sinnlose Morde, ein Ermittler (auch wenn er kein Polizist ist) und eine spannende Suche nach Hintergründen und Motiv. Hinzu kommt eine Lebensgeschichte die mit jeder weiteren Erzählung, mit jedem Rückblick, offenbart wie grausam der Mensch sein kann oder ist.
Wie aus Angst Wut wird, die sich in  Hass wandelt und damit neuen Hass schürt.
Ein Kreislauf von Gewalt, von Väter an die Söhne weitergegeben, während die Mütter in ihrer Rolle als Opfer selbst maßlos grausam sind.

Ich habe es gelernt, das unter Kontrolle zu halten, ich kann das auch dir beibringen.
(S. 339)

Es ist dieser Reporter Lauri Kivi, der selbst am eigenen Leib erfahren musste was Gewalt gegen Kinder anrichtet. Seine Erinnerungen sind in die komplette Story eingeflochten und stellenweise sehr brutal und schonungslos. Er hat erkannt, was da in ihm lauert und versucht es zu bändigen, was ihm allerdings nicht immer gelingt – hier hatte er bei mir einerseits Mitleid aber auch genügend Wut entfacht. Ein Charakter der zwar ungemein stark ist, voller Motivation in seinem Beruf als Polizeireporter aufgeht, intelligent vorausschaut, mitdenkt. und doch so schwach ist.
Kein Allerweltsmensch, sondern eben ganz speziell, ein Einzelgänger der die Isolation freiwillig sucht. Wie ein Wolf, der umher zieht, alles erkundet und letztendlich sein Revier und sein Leben bis zum letzten verteidigt. Lauri folgt den Spuren, die von der Polizei nicht gesehen werden und lehnt sich dabei weit aus dem Fenster. Gute Recherchen, Connections und der ein oder andere Zufall kommen ihm natürlich zu Hilfe. Dennoch – man muss ihn nicht mögen!

Eine vergebliche Hoffnung war schlimmer als Hoffnungslosigkeit
(S. 319)

So grau und düster wie das Cover, ist auch die Geschichte. Und ebenso wie diese Augen des Wolfes herausstechen, macht es auch die Geschichte.
Neben all den schockierenden Handlungen und Taten, ist da auch die Spannung, die mich an einem Stück am Buch gehalten hat. Lauri Kivi zu beobachten und ihm zu folgen, in die Kindheit, die Jugend und nun im Erwachsenenalter, hatte was.

Ist das schon Voyeurismus wenn man unbedingt immer mehr lesen möchte um alles zu erfahren, was man vielleicht gar nicht wissen möchte? Wenn man ihm in das Haus der ermordeten Familie folgt, mit ihm Ausschau hält nach versteckten oder offensichtlichen Hinweisen? Wenn seine Kindheitsgeschichte sich mit der Gegenwart verbindet und es sich zeigt das der Kreis geschlossen wird, endlich, nach so vielen Jahren?

Was soll das Böse töten, wenn nicht das Böse selbst
(S. 443)

Es liest sich schnell und gut. Insgesamt 6 Kapitel, die alle mit einer kurzen Einleitung beginnen, ein Reim, ein Lied, ein Bibelzitat. Das fand ich sehr gelungen und hat so den Einstieg in das nächste Kapitel verfestigt.
Die Schriftgröße ist angenehm und vom Stil her, hat es mich ebenfalls angesprochen. Durchaus mal etwas Humor und kecke Sprüche – ohne es zu übertreiben und den Situationen angemessen.
Langes Rätselraten um die Identität des Mörders (mein Verdächtiger Nummer 1 war es nicht), Einblicke in die Arbeit des Reporters und ein sehr furioser Showdown hat mich sehr gut unterhalten. Anfänglich störten mich die vielen Namen, was sich aber im Laufe der Geschichte legte.

Wer allerdings einen Kriminalroman erwartet sollte sich auf einen gefasst machen, der viel (auch häusliche) Gewalt bereit hält. Es hatte fast schon etwas von einer Charakterstudie, denn neben Lauri Kivi bleiben alle anderen Charaktere vollkommen farblos.
Dennoch, oder genau deswegen, hat die Geschichte eine Faszination auf mich ausgeübt.

Der Mensch ist schwach
(S. 224)

…also füttert bitte den richtigen Wolf…

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆


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Buchdetails
Titel: Die Stunde des Wolfs  
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Simo Hiltunen
Übersetzt aus dem Finnischen von Peter Uhlmann
Verlag: Rütten & Loening [Aufbau Verlag]  
— Rezensionsexemplar —

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mllefacette
Gast
mllefacette

Das klingt aber höchst interessant und vielversprechend.

Vivka Wynter
Gast

Jaaaa es ist ein Wolf drauf! Und es ist von einem finnischen Autor! Uuuund es ist mehr Triller als Krimi? Ich setze es jetzt doch auf meine Wunschliste xD

Liebste Grüße

Vivka

Pink Anemone
Gast

Ich will ja nix sagen, aber im Grunde seid Ihr an meinem großen SuB schuld XD / tolle Rezi und schwupp wieder ein neues Buch auf der WL *g*

laberladen
Gast

Ich liebe ja Krimis, die sich eher in Richtung Thriller orientieren. Und auch wenn die Stimmung düster ist und schlimme Themen behandelt werden, liegt da ja auch ein bisschen die Faszination darin, dass das Böse bekämpft und bestraft werden muss und man die Bemühungen dazu miterleben darf. Ich glaube, dieses Buch behalte ich näher im Blick!

LG Gabi

Anja von Nisnis Bücherliebe
Gast

Liebe Kerstin,

die Begründung deiner empfundenen Faszination macht mich sehr neugierig :-).

Liebe Grüße

Anja

Martinas Buchwelten
Gast

Das hört sich interessant an! Bleibt gleich mal in meinem Gedächtnis bzw. Wunschzettel =)
Liebe Grüße
Martina