„Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ | Stuart Turton

Ermittlungskarussell

Maskenball auf dem Anwesen der Familie Hardcastle. Am Ende des Abends wird Evelyn, die Tochter des Hauses, sterben. Und das nicht nur ein Mal. Tag für Tag wird sich ihr mysteriöser Tod wiederholen – so lange, bis der Mörder endlich gefasst ist.

Auszug Klappentext

Eine Geschichte die mich begeisterte, auch wenn mich das Ende etwas gefrustet zurück ließ, aber dazu später mehr. Denn von meiner kleinen Kritik abgesehen, gehört dieses Buch zu meinen Highlights im September (der Monat in dem ich es las). Und es erfordert Konzentration! Auf über 600 Seiten gilt es nicht nur die Hintergründe zu ermitteln, den Mörder oder die Mörderin, sondern auch eine Vielzahl an Kleinigkeiten will beachtet werden. Gespräche, Ereignisse, Namen und dann wiederholt sich der Tag nicht nur immer und immer wieder, sondern springt auch noch in der Zeit hin und her. Der Ich-Erzähler wacht immer wieder am selben Tag auf, jedoch in unterschiedlichen Körpern. Und damit das Chaos perfekt ist, wacht der Ich-Erzähler auch mal in einem Körper auf, zu einer anderen Tageszeit, in dem er zuvor schon mal war.

„Agatha Christie meets Und täglich grüßt das Murmeltier“ trifft es voll und ganz! Ein gutdurchdachter Krimi, der sich vom Ablauf her wiederholt und trotz der Sprünge innerhalb verschiedener Körper und Zeiten in sich stimmig ist.

Zu mindestens sind mir keine wirklichen Logikfehler aufgefallen und trotz einiger Verwirrungen habe ich nie den Faden verloren oder etwas nicht verstanden. Doch dafür forderte die Geschichte auch meine Konzentration, mal eben hier und dort zwischendurch lesen bietet sich bei diesem Buch nicht an. Ich wollte keine Details versäumen, machte mir durchgehend Notizen – ich glaube so viele hatte ich noch nie zu einem Krimi. Gar nicht um mich darauf innerhalb meiner Rezension zu stützen, sondern um mit zu ermitteln.

Und jetzt kommt mein größtes Problem. Eigentlich gehe ich an dieser Stelle auf den Inhalt ein, was mir gefiel und warum. Doch dies ist kaum möglich, ohne gewisse Erkenntnisse vorweg zu nehmen und das würde die Geschichte schon etwas vermiesen. Von vielem hätte ich vorab nicht wissen wollen, da dies zum einen die Spannung nimmt und auch Überraschungsmomente verloren gehen.

Ich mag Geschichten die sich an nur einem Ort und seiner nahen Umgebung abspielen. Und ich liebe Bücher in denen ich einen bildlichen (Ein)Blick erhalte, ohne mich zu sehr in meiner eigenen Phantasie einzuschränken. Dies bietet „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und das Buch beginnt zunächst mit der Einladung zum Maskenball und den wichtigsten Namen der Geschichte.

Und dann ging es direkt los! Es wurde nicht viel herum geschrieben, sondern begann direkt mit dem ersten von acht Tagen. Nicht nur der Ich-Erzähler war direkt verwirrt, auch mir fehlten jegliche Informationen, doch das störte den Ablauf des Tages reichlich wenig und die Ereignisse nahmen direkt ihren Lauf.

[…] kommen Sie schon, wir sind zu einem Mord geladen.

Seite 175

Am Ende hatte ich nicht nur eine Zettelwirtschaft an Notizen, sondern auch im Buch immer mal kleine Randnotizen, vor allem vorne bei der Einladung. Doch trotz meiner intensiven Ermittlungsbeteiligung überraschte mich die Geschichte immer wieder aufs Neue.

Und sie forderte mich! Immer wieder wacht der Ich-Erzähler in einem neuen Körper auf. Er muss herausfinden wer er ist, wo er sich im Haus befindet, welche Uhrzeit es ist und wie er mit diesem neuen Körper näher an die Lösung heran kommt. Schon nicht wenig um sich zu orientieren, aber warum einfach, wenn`s auch schwer geht?! Das dachte sich der Autor Stuart Turton wohl auch, denn hinzukommen auch noch Zeitsprünge und bei sowas dreht sich mein Kopf gerne. Ich muss mich neu orientieren, ich achte darauf, ob der Ablauf dennoch in sich stimmig ist. Ein wahres Ermittlungskarussell! Ich war und bin verliebt in diesen Kriminalroman. Ich kann gar nicht zählen wie oft ich ein „what?“, „Ui“ oder ähnliche Ein-Wort-Aussagen notierte. Immer wieder springt eine Erkenntnis um die Ecke, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Jeden Abend stirbt Evelyn Hardcastle. Ein Selbstmord hinter dem sich ein Mord verbirgt. Eine Vielzahl an potenziellen Tätern und Täterinnen. Welche Geheimnisse verbirgt dieses Anwesen und warum geschieht dies am Abend des Maskenballs?

Ich tauchte völlig ein in das Anwesen von Blackheath und ich huschte im Haus und auf dem Anwesen umher. Ich versuchte zusammen mit dem Ich-Erzähler Einzelteile zusammenzusetzen und den Geheimnissen der Gastgeber und Gäste auf den Grund zu gehen, immer mit dem Blick auf den Mord der nicht wie ein Mord aussieht.
Und ich litt mit ihm, denn der Ich-Erzähler kann sich an nichts aus seinem vorherigen Leben erinnern, wird jedoch immer mehr von den einzelnen Körpern und ihren eigentlichen Bewohnern eingenommen.

So viele Erinnerungen und so viele Geheimnisse. So viele Bürden. Jedes Leben hat so unendlich viel Gewicht.

Seite 558

Vielmehr möchte ich auch gar nicht mehr schreiben. Du solltest dich selbst auf den Weg zum Blackhealth Anwesen begeben, dich in den immer wieder kehrenden Tag zurechtfinden und dich von dem was dort wartet überraschen lassen!

Das Buch begeisterte mich, ich inhalierte die Geschichte regelrecht! Doch das Ende ließ mich unzufrieden zurück. Ein Teil meiner Kritik ist Geschmackssache, ein andere ließ eine Frage offen, deren Antwort ich mehr als gerne erhalten hätte.

Spoiler

In weißer Schrift geschrieben, bitte den folgenden weißen Abschnitt zum Lesen markieren

Mit dem Ende bin ich etwas unzufrieden. Ich hätte mir gewünscht, dass irgendwas dazwischen gekommen wäre, irgendein Fehler und die ersten Sätze des Buches im Epilog wieder zu lesen wären. Doch es wurde ein Happy End, eines das mir zu überzogen war, nachdem ich erfuhr, warum Aiden überhaupt freiwillig dorthin ging. Und die Moral von der Geschicht … hätte diese jedoch nicht gebraucht, schade!

Und so ganz ist mir dieses Schauspiel nicht klar! Die Eltern und der Bruder wussten, dass Evelyn nicht Evelyn ist – irgendetwas muss mir entgangen sein. Denn warum ist die echte Evelyn nicht Evelyn, sondern die Kammerzofe, wenn doch ein fingierter Selbstmord geplant war? Ich denke, diesen Part werde ich mit etwas Abstand nochmals lesen, doch auch wenn es sich dann logisch zusammenfügen würde, ändert dies nichts an meiner Endwertung. Ich liebe das Buch, es ist eines meiner Top-gelesenen-Titel im September (2019), aber ein Ende hat immer große Wirkung auf mich. Es sind die letzten Zeilen der gesamten Geschichte, das was nachhallt – neben anderen Szenen. Bei diesem Buch war es für mich nicht stimmig im Gesamtbild und es hätte gerne geheimnisvoller um Aiden und Anna bleiben dürfen. Nicht in Bezug auf das, was Blackheath House steht, aber was die Hintergründe ihrer Rollen sind.

Spoiler Ende

Ein wenig Kritik am Ende, aber der (Lese)Weg dorthin war einfach einnehmend! Ich mochte den Ich-Erzähler, ich war mit ihm verwirrt und ich versuchte mit ihm die Hintergründe zu begreifen. Ein sehr starkes Debüt und ich hoffe sehr, dass der Autor diesem Genre treu bleibt, ich will mehr davon!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


– Weitere Eindrücke –
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Buchdetails
Titel: Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
– Einzelband
Autor: Stuart Turton
Verlag: Tropen (Imprint von Klett Cotta)

Hörprobe

Von „Spooks – Deine Hörbücher und Hörspiele“

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Anett
Gast

Liebe Janna,

vielen Dank fürs verlinken – ich habe dich auch bei mir verlinkt!
Mir ging es ähnlich – mal nur für zwischendurch ist dieses Buch einfach nichts! Man braucht Zeit und Ruhe, um über wirklich alles genau nachdenken zu können. Und kaum glaubt man einen Ansatz gefunden zu haben – zack, kommt was Neues um die Ecke!

Und ja das Ende, von dem war ich auch enttäuscht!
Da haben wir ja doch fast ähnliche Gedanken!

Ganz liebe Grüße Anett

Sandra
Gast

Oh ha! Von diesem Buch hatte ich schon gehört, aber so richtig interessiert hatte es mich bislang nicht. Das hat deine Rezension nun geändert. Wow. Das klingt irgendwie mega spannend und toll und ich weiß auch nicht… jetzt will ich es lesen, am liebsten sofort. xD

Liebe Grüße und Danke für diese tolle Rezension!

Sandra