„Die artgerechte Haltung von Gedanken“ | Bella Bender

Das Buch wurde mir vom Periplaneta Verlag und der Autorin Bella Bender kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Lasst die Gedanken frei?

14 Geschichten über Selbstfindung, Ängste, Sehnsüchte und den Umgang mit Gedanken und Ideen:
Eine Verabredung, die nicht stattfindet.
Eine wunderbare Aussicht, wenn da der Zaun nicht wäre.
Schädlingsbekämpfung, die letztendlich auch nur eine Form des Tötens ist.
Das Raubtier, das zur Beute wird.
Der Freund, der auf einmal nicht mehr da ist.
Und eine Begegnung mit dem früheren Ich.
Vielleicht sind Menschen in der Theorie frei. Doch der Tausch von Freiheit gegen Sicherheit beginnt bereits in der Gedankenwelt.

Inhalt laut Verlag

Artgerecht, Haltung und Gedanken. Eine Kombination, die impliziert, dass alles so einfach ist. Ist es das?

Bedürfnisse die befriedigt werden (wollen), Lebensqualität oder auch nicht, und alles nach Schema F oder einfach mal außer der Reihe.
Kopf hoch, Brust raus, Rücken gerade und immer schön aufrecht. Wenn es einen mal umhaut, dann still und leise, heimlich nur für sich.
Denken, mit oder über, wegen oder weil, alleine für sich, mal leicht, mal schwer.
Die Autorin Bella Bender hat es in diesen 14 Kurzgeschichten genauso so gemacht. Sie erzählt und lässt erzählen. Kurze Episoden aus dem Leben einzelner Charaktere, die aber so ein breites Spektrum abdecken, dass ich den Eindruck hatte all diese zu kennen, oder kennenlernen zu wollen.

Könnt ihr es nicht aushalten, einmal nichts zu tun,…

Seite 88

Einfach mal nichts tun.
Sich komplett entspannt fallen lassen und den Kopf frei machen. Es gelingt nicht immer, da sind zu viele Gedanken im Kopf. Doch hatte ich mit „Die artgerechte Haltung von Gedanken“ ein komplett angenehmes Lesegefühl, damit gar keine Zeit um mir Gedanken zu machen und Momente eines Fallenlassen.
Das konnte ich mit dem Buch und ich habe es zelebriert. Nie mehr als eine Geschichte pro Tag, damit sie sich entfalten und wirken konnten.

14 Geschichten, die allesamt eine ganz persönliche Note haben, auch wenn es jedesmal komplett andere Lebensgeschichten sind. Es war wie eine Art Intimität, da es einen in die Köpfe der erzählenden Charaktere führt. In ihre Leben, Wohnungen, Umstände und Zustände. Es waren selten Wohlfühlmomente und dennoch habe ich sie genossen.

Die Geschichte, inmitten der ganzen Geschichten, von der ich sage – Ja, das war die eine besondere. Diese durch und durch traurige Offenlegung eines Menschen mittels so weniger Worte, Sätze und kurzen Einspielern. 24 heißt diese Kurzgeschichte und sie schafft es, mit den gerade einmal 13 Seiten, ein ganzen Leben zu schildern, inklusive aller Unzulänglichkeiten und Trauma. Selbstgewählte Einsamkeit, scheinbar zufrieden und doch knabbert da etwas an den Seiten. Ganz wenige Situationen, Erinnerungen und Begebenheiten, die aufzeigen, dass dieses Alleinesein auf den ersten Blick zwar akzeptiert wird, aber man doch besser immer ein zweites Mal hinschauen sollte.

Das stimmt. Es ist nicht zum Aushalten. Aber es geht trotzdem weiter. Wir wollen es so.

S. 41

Bella Benders Buch hat mich mit diesen Geschichten über einen langen Zeitraum begleitet. Viele der beschriebenen Situationen bergen Traumata, verborgene Sehnsüchte, unerfüllte Wünsche und sehr viel Traurigkeit. Es ist keine Lektüre, die sich nebenbei weg liest, dafür ist es einfach zu ernst und vor allem zu ehrlich.

Alle, die sich in dem Buch finden, könnten auch in der Realität umherlaufen und sich ihre Gedanken machen. Es sind Alltäglichkeiten, die dennoch besonders sind, wie die Frau die sammelt oder der Leopard, der mehr mitbekommt als gedacht.

Wie schon René Descartes sagte: „Ich denke, also bin ich. Da es ja immer noch ich bin, der zweifelt, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phantasiert, selber nicht mehr zweifeln.

Die Autorin hat mir neue Gedanken gebracht und ich zweifle kein Stück an der Möglichkeit dieser im Buch geschilderten Geschehnissen. Die Gedanken sind frei!


Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★

– Weitere Eindrücke –
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Buchdetails
Titel: Die artgerechte Haltung von Gedanken
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Bella Bender
Verlag: Periplaneta
— Rezensionsexemplar —


Bereits im Oktober 2017 hatte mich das Buch „Tinte in Wasser„, in dem sich viele besondere Kurzgeschichten der Autorin Bella Bender finden, bestens unterhalten, für Kurzweile gesorgt und mich zu Experimenten verleitet.

Periplaneta ist ein unabhängiger Verlag, 2007 gegründet, der Wert legt auf Klasse statt Masse. Was mir sofort ins Auge sprang war diese Schabe auf dem Buch, der beiliegenden Infobroschüre und der Homepage.
Dazu gibt eine sehr gelungene Aussage:
Das Maskottchen von Periplaneta, die Großschabe, hat über die 350 Millionen Jahre, die es dieses Insekt schon gibt, eine erstaunliche Überlebensstrategie entwickelt. Die Schaben blieben über diese extrem lange Zeit in ihrer Form fast unverändert und trotzdem waren sie in der Lage, sich auf immer neue Situationen, wie Kontinentaldriften, Gebirgsbildung, Eiszeiten oder Hitzewellen, einzustellen. So haben wir uns das auch für Periplaneta gedacht. Wir wollen uns treu bleiben und mit unseren Produkten dennoch variabel sein, zumindest bis zur nächsten Eiszeit ;-)
(Quelle: www.periplaneta.com)

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Gabi
Gast

Liebe Kerstin,
Sammlungen von Kurzgeschichten bergen immer das Risiko, dass nur einige wenige davon einem gefallen und der große Rest der Sammlung nach diesen Perlen erst einmal durchsucht werden muss. Das klingt hier aber gar nicht so! Mir scheint, jede der Geschichten packt einen auf ihre eigene Art und das gefällt mir richtig gut.
Diese artgerechte Haltung schreib ich mir gleich mal auf die Liste!
LG Gabi