„Der Wintersoldat“ | Daniel Mason

Vom Suchen, Finden und Verlieren

Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Als ein schwer traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, begeht Lucius einen gravierenden Fehler. Daniel Masons aufwühlender Roman erzählt eine Geschichte von Krieg und Heilung, von unverhoffter Liebe, von verhängnisvollen Irrtümern und von Sehnsucht und Sühne.

Inhalt laut Verlag

Was könnte das Leben für Lucius so schön sein. Vermögende und einflussreiche Eltern, ein gutes Umfeld, soziale Kontakte, auch wenn er eher ein Einzelgänger ist, ein unterstützender Professor und beste Aussichten darauf, in den nächsten Jahren sein Medizinstudium sehr erfolgreich abschließen zu können.

Er liebt es zu experimentieren und dabei Dingen auf den Grund zu gehen, die gerade im Bereich der Medizin von großem Vorteil, besonders für die Patienten. sind. Ständig ist Lucius auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen und findet oft genug dieses auch. Doch dann kommt der Krieg. Alle scheinen sich geradezu darauf zu freuen, die Straßen sind geschmückt, die Frauen und Kinder winken mit Fähnchen und in Heerscharen schreiben sich die jungen Männer ein. Lucius will auch an die Front, allerdings als Sanitäter und so geht es schneller als gedacht und er sitzt mit vielen anderen im Zug an die Ostfront, doch damit beginnt erst ein klitzekleiner Teil seiner Reise in eine Welt, die er so nicht erwartet hätte.

Der Autor Daniel Mason hat einen sehr erhabenen Stil diese Geschichte zu erzählen. Durch den Sprecher Stefan Kaminsky wird dieses nochmals gesteigert. Ein behutsamer Ton, gerne auch mal mit einer Prise Humor, aber durchweg nüchtern über das erzählend was Lucius erlebt. Viele Gedankengänge, Überlegungen, Hinterfragen von Situationen und Zuständen, bringen einen diesen Mann immer näher. Das Lazarett, eine kleiner Ort irgendwo im Osten, abgeschottet von der Welt, wird für ihn immer mehr zu einem neuen Zuhause. Allerdings eines mit Schrecken, denn erstmal muss er feststellen, dass hier und im Krieg der Mensch immer das Opfer ist. Noch völlig unvorbereitet und für ihn zum Glück mit einer gebrochenen Hand, nimmt ihn die Nonne Margarete unter ihre Fittiche und assistiert, unterstützt und lehrt ihn die Regeln in der Wundversorgung. Ein angehender Arzt, der von einem scheinbaren Laien geschult wird. Amputationen sind an der Tagesordnung, ebenso wie Kopfverletzungen und mit zunehmendem Maßen die Verletzungen an der Seele. So wird der Wintersoldat in die Geschichte gebracht und mit ihm das Schrecken und die Unmenschlichkeit. Letzteres besonders gut dargestellt durch die Offiziere, die in den Lazaretten nach Verweigerern, vermeintlichen Simulanten und in irgendeiner Form noch nützliches Kanonenfutter suchen.

Die Gemeinschaft innerhalb des Lazarettes wird ebenso authentisch rüber gebracht, wie die täglichen Operationen, Visiten und Todesfälle. Blut, Eiter, Verstümmelungen und unsägliches Leid kommen ungeschönt zur Sprache und zwischen all dem krabbeln die Läuse. Es hat mich regelmäßig erschüttert. Dennoch war es ein besonderes Hörerlebnis, auch da Lucius Reise wieder zurück geht. Ein eher abenteuerliches Beschreiben seiner Rückkehr und auch hier sind es wieder die ganzen Umstände und Situationen, die es so besonders machen.
Lucius findet eine Heimat vor, die weit entfernt ist von dem wie er sie verlies. Vorbei sind die Zeiten in denen Fahnen die Straßen schmückten, weg die Bäume, da verheizt und überall finden sich die Kriegsversehrten. Männer, die zu Krüppeln gemacht wurden.

Was im Buch sehr deutlich herüberkommt ist all die Unwissenheit über die seelischen Verletzungen. Warum isst der Soldat nichts mehr? Weshalb schreien die Männer im Schlaf? Was löst dieses Zittern aus? Viele der Wunden heilen, es bleiben Narben und Verstümmelungen, aber die nicht sichtbaren Verletzungen bringen so manchen um den Verstand.

„Der Wintersoldat“ beherbergt aber neben all den schlimmen Schilderungen auch eine zärtliche Liebesgeschichte, die inmitten des Krieges beginnt und sich doch verliert, auch weil sich nicht immer alles wünschenswerte erfüllt.

Eine einfühlsame Geschichte über das Leben und den Tod.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★

  – Weitere Eindrücke –
LesePartie
Franzi liest


| Anzeige |

Buchdetails
Titel: Der Wintersoldat 
Buchreihe: Einzelband
Autor: Daniel Mason | Sprecher: Stefan Kaminsky
Laufzeit: 13 Stunden und 17 Minuten – ungekürzt
Verlag: Audible | Printausgabe: C.H. Beck

Beitrag teilen mit:

Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her mit Deinen Gedanken! Wir freuen uns auf Deinen Kommentar & den Austausch mit Dir!

avatar