„Der Oktobermann“ | Ben Aaronovitch

Das Buch wurde mir vom dtv Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Die Weine von Trier

›Die Flüsse von London‹ fließen nach Deutschland …
… denn auch hierzulande gibt es magische Vorkommnisse! Das deutsche Pendant zu Peter Grant heißt Tobi Winter und arbeitet beim BKA (Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten, sprich: Magie). Tobi bekommt es mit seltsamen Bräuchen in den Weinbergen rund um Trier zu tun – und mit einem übernatürlichen Rätsel, das schon Hunderte von Jahren alt ist. Selbstverständlich hat in dieser Gegend auch die Mosel ein Wörtchen mitzureden, wenn es magisch wird.

Klappentext

Ein Ausreißer. Der Autor Ben Aaronovitch hat die Reihe um Peter Grant geschrieben und erweitert seine englisch-magische Welt nun, denn die Flüsse fließen auch nach Deutschland! Ich kenne die vorherige Reihe nicht und kann nun nach dem Auslesen zwar sagen, dass sich dieses Buch unabhängig lesen lässt, ich aber direkt in diese Welt hineingeworfen worden bin.

Mich persönlich störte das dann doch etwas. Die verschiedenen Hintergrundinformationen werden eingearbeitet, aber eher nebenbei. Mir fehlte nichts und doch tauchte ich in die Magie dieser Welt nicht ein, was mich aber noch neugieriger auf „Die Flüsse von London“ macht, wovon ich schon viel Positives vernommen habe. Die Charaktereigenschaften die Peter Grant nachgesagt werden, fehlen Tobi Winter leider. Aber auch der Geschichte selbst. Zur Grant-Reihe habe ich Worte wie Absurdität, blutig, gelungener Spagat zwischen Realität und düster magischen Welt vernommen, alles Eigenschaften die dem „Oktobermann“ leider fehlen.

Es macht die Geschichte aber nicht schlecht, ein solider Krimi mit magischem Einschlag. Auch wenn der Fall das KDA (Komplexe und diffuse Angelegenheiten) auf den Plan ruft und Tobi auf magische Wesen trifft, so steht es dennoch nicht im Fokus. Auch ein Punkt den ich etwas schade fand, denn das war es, worauf ich mich freute! Ein Mord und ganz viel Magie. Von Zweiterem war mir dann doch zu wenig zu lesen – ich hätte gerne mehr Zeit mit Kelly verbracht. Mit dem kleinen Mädchen an ihrer Seite. Und mit dem gehörnten Jungen im späteren Verlauf. Doch besonders was das Mädchen betrifft, lassen die offene Fragen vermuten das noch ein Band folgen könnte.

Ich musste schon etwas schmunzeln. Tobi Winter und Vanessa Sommer ermitteln im Herbst. Solche kleine Schmunzeleien die nicht direkt ins Auge springen, da nicht darauf hingewiesen wird, fanden sich immer wieder.

Auch der rote Faden innerhalb der Geschichte war gelungen gestrickt. Weinreben, Weinflaschen, Weingötter, Wein-Club. Und die Morde beziehen sich ebenfalls darauf.

Die erste Leiche ist befallen von einem Pilz. Der erste Gedanke von Tobi kam einem verschimmelten Brot gleich (Humor nach meinem Geschmack). Auch die zweite Leiche erfuhr keinen angenehmeren Tot und steht mit der Herstellung von Wein in Verbindung.

Ebenso gab es Szenen die mich gut schmunzeln ließen! Allein schon die erste Begegnung von Tobi und dem kleinen Mädchen bei Kelly, der Ortsgöttin. Auch der erste Leichenfund ist unterhaltsam umschrieben, so makaber dies nun vielleicht für dich klingen mag. Von diesem Humor hätte ich gerne mehr gelesen.

Hier und da gibt es Punkte die mich beim Lesen störten oder Gründe, warum mich die Geschichte nicht im Ganzen begeisterte, jedoch vieles was Geschmackssache ist oder in den eigenen Erwartungen begründet ist. Aber einen großen Kritikpunkt habe ich, welcher a) nichts mit dem eignen Lesegeschmack zu tun hat und b) leider eine Vielzahl von Geschichten und somit kein Einzelfall ist:
Auf Seite 117 wird eine versuchte Vergewaltigung angesprochen und nachdem ich das Buch beendet hatte, musste ich feststellen dass dies absolut nicht zur Handlung beitrug. Mir ist klar, was der Autor damit vermitteln wollte, dies hätte aber auch ganz anders eingearbeitet und vermittelt werden können!

Dieses Andeuten oder Einstreuen, ohne später gezielt aufgegriffen zu werden, war auch an anderen Stellen zu lesen, welche sich auf die Magie beziehen. Ich wurde neugierig gemacht und frage mich nach dem lesen, warum eben dieses Buch geschrieben wurde. Für Fans? Für zukünftige Leser*innen der Grant-Reihe? Kleines Gimmick das Ben Aaronovitch seine magische Welt nach Deutschland verlagert?
Was auch immer es ist, ich werde nicht unbedingt diese Reihe weiterverfolgen, sollte sie fortgesetzt werden und doch hat es der Autor geschafft …

Aber selbst jene gefühlsduseligen Schwärmer für das Ungezähmte und Erhabene erkannten, dass Magie in der Natur auch übelwollende Mächte hervorbringen konnte, die aktiv danach strebte, zu töten, zu verwüsten und zu vernichten.

Seite 112

… das ich mehr davon will! Deswegen war ich neugierig auf dieses Buch. Besonders die erwähnten Wiedergänger am Ende, ließen mich aufhorchen und ich hoffe sehr in London mehr darüber zu erfahren.

Die Geschichte ließ sich schnell lesen und ist in sich stimmig aufgebaut. Auch wenn hier und da Magie und Humor aufblitzten, so bleib mir das Ermittlerduo und die neue Welt in die mich Tobi mitnahm doch auf Distanz. Das Ende mit Vanessa war nicht überraschend, aber schön zu lesen!

Rezension verfasst von © Janna
★★★☆☆


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Buchdetails
Titel: Der Oktobermann
Buchreihe: 1. Band
Autor: Ben Aaronovitch
Verlag: dtv
— Rezensionsexemplar —
       Tobi Winter – Reihe
Band 1 ~ „Der Oktobermann“


Kennst du den Oktobermann oder die Reihe um Peter Grant?
Ich will definitiv nach London, buchig und im Hörspiel.

Die Reihe scheint so beliebt zu sein, das es auch bereits Graphic Novels dazu gibt.

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Ute
Gast

Hallo Janna,
das ist so in etwas die Reaktion, die ich erwartet hatte von jemandem, der die eigentliche Peter Grant Reihe (noch) nicht kennt. Ich bin sogar überrascht, dass du diese magische Parallelwelt nicht zu verwirrend fandest! Dieses Buch ist eindeutig als „Zückerchen“ für die große deutsche Fan-Conmunity geschrieben und ganz nett, aber lange nicht so gut wie die Hauptreihe.

Ich hoffe, du gibst Peter Grant eine Chance, und dass die Hörspiele den schrägen Charme und Wortwitz von Aaronovitch transportieren können!

Beste Adventsgrüße,
Ute

Yanthara
Gast
Yanthara

Witziger Weise, werden von den Büchern mehr englische Ausgaben in Deutschland verkauft als in den USA. Die eingefleischten Fans scheinen sich alle in Europa zu tummeln :)

Nico aus dem Buchwinkel
Gast

Liebe Janna,

ich kann deine Kritikpunkte voll und ganz nachvollziehen, mir geht es da sehr ähnlich. Ich werde meine Rezension die nächsten Wochen ebenfalls schreiben (hoffentlich), wobei der Grundtenor genau derselbe ist. Aber wen wunderts, wir haben ja nicht nur das gleiche, sondern sogar dasselbe Buch gelesen :)
Vielen Dank dafür nochmal und liebe Grüße,
Nico