„Der Himmel ist heut aus Papier“ | Martin Auer

Das Buchwurde mir vom Klever Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Inhalt laut Verlag:

Martin Auer präsentiert eine Auswahl seiner lyrischen Produktion aus fünf Jahrzehnten. Jedes dieser Gedichte – selbst das kürzeste Haiku – erzählt eine Geschichte. Und jede Geschichte erfordert ihre eigenen Stilmittel, ihre eigene Sprache, ohne Rücksicht auf Schulen und Schubladen: gereimt oder ungereimt, Hochdeutsch, Wienerisch oder Englisch, Song oder Gassenhauer. Immer ist es lebendige Sprache, ohne künstliche Konstruktionen, jeder Text kann gesprochen werden – oder auch gesungen.

Bei Gedichten ist es wie mit Bildern, die einen mögen jenes, die anderen dieses.
Was zieht an, wo hält man inne? Für mich ist es die Vielfältigkeit die sich dahinter verbirgt und damit die unsichtbaren Farben zum Leuchten bringen. Vollkommen egal ob humoriges, bissige Ironie oder scharfer Sarkasmus, da kann sogar alles auf einmal in wenigen Worten vertreten sein.

Als „Der Himmel ist heut aus Papier“ bei mir einzog, stand das Wochenende für der Tür. Freie Zeit und endlich wieder Sonnenschein. So habe ich diesen Gedichtband an einem Nachmittag, auf dem Balkon sitzend, von der Sonne beschienen, gelesen und was soll ich sagen – es war ein Gedicht (ich und Wortspiele halt).

Ich bin das Fremde ~ S. 35
Ich bin das Fremde. 
Mein Name ist
die Stille zwischen den Wörtern.

Auf insgesamt 123 Seiten finden sich pro Seite ein Gedicht. Sehr viele davon sind sogenannte Haikus. Bei dieser Gedichtform kommt es weniger auf einen Reim an, sondern auf die Anzahl der Silben: 5 im ersten Satz, 7 im zweiten und nochmal 5 im dritten. Dreizeiler die Situationen oder Emotionen transportieren und das Besondere dabei herausheben. Die Haikus in diesem Buch empfand ich als sehr bildgewaltig und trotz der wenigen Worte als sehr ausdrucksstark.
Viele davon musste ich mehrmals lesen, zurechtrücken, die Silben zählen um dann den richtigen Ton zu finden. Richtig klasse, auch wenn ich die Befürchtung habe, dass meine „Selbstgespräche“ auffielen, aber vielleicht hat der heimliche Lauscher es ja auch genossen.

Der Autor hat aber noch viel mehr in diesem Band eingefügt.
Neben Mehrzeiler, die in der typischen Reimform gehalten sind, gibt es auch solche, die gänzlich ohne Reim auskommen. Fast schon kleine kurze Geschichten, deren Inhalt allerdings richtig lange nachhallt.

Über die Donau ~ S. 103

über die Wolken,
über den Regen,
gegen den Wind
und gegen die Zeit,
gegen die Nacht
und gegen den Winter,
höher als hoch
und weiter als weit

In Sachen Vielfalt kann der Band auch bei den Sprachen/Dialekten mithalten. Neben deutschsprachigen Gedichten, gab es auch solche in englisch und, was ich richtig klasse fand, einige in Wiener Dialekt. Als Highlight empfand ich die Lieder – holla, nein, ich habe nicht laut gesungen, aber mich dabei erwischt wie ich versucht habe eine Melodie unterzulegen. Eigentlich ist es viel zu schade die Gedichte auf dem Balkon lesend zu genießen oder gar in der Wohnung. Diese müssen raus an die Luft um sich richtig entfalten zu können. Am besten in Gesellschaft und dann rezitieren, es geht aber auch alleine, irgendwer oder irgendwas hört bestimmt zu.

Durchs Wasser bin i gschwumman ~ S. 106

Und es brauchts ma nix schenkn
uns es braucht ma nix gebn:
I kann arbeitn, i kann lernen!
I will einfach nur leben!

Ein Gros der Gedichte hat einen richtig ernsten Hintergrund und der Autor gibt seine Einstellung ganz klar mit seinen Worten rüber. Mir haben viele der gedichteten Aussagen sehr imponiert, Erinnerungen an bestimmte Orte oder Zeiten, Lebensumstände und verzweifelte Versuche.
Diese kleinen Gedichte haben eine Leichtigkeit und eine Wirkung. Sie sind wie das im Titel erwähnte Papier.
Man kann sich sogar daran schneiden und das tut unheimlich weh.

Der Autor hat einen Sinn für Humor, fast würde ich sagen er hat so ein Stückweit den Schalk im Nacken sitzen, auch wenn seine Gedichte (zumindest in diesem Band) sehr ernsthafter Natur sind.
Hier ein Auszug von seiner Homepage – stöbern gehen lohnt sich.

Der Autor 2017 © Martin Auer

Martin Auer wurde 1951 in Wien geboren. Er hat die Universität besucht und dort ein Jahr lang das Studium von Germanistik und Geschichte und dann ein weiteres Jahr das Dolmetsch-Studium geschwänzt. Stattdessen hat er Theater gespielt. War sieben Jahre lang Schauspieler, Dramaturg und Musiker am „Theater im Künstlerhaus“. Hat dann eine Band gegründet. Ist als Liedermacher aufgetreten. Hat Gitarrenunterricht gegeben. Die Weltrevolution vorbereitet (gratis). Als Texter für Werbung und Public Relations Übertriebenes, Unwahres und Einseitiges verbreitet (für Geld). Für Zeitungen gearbeitet. Sich zum Zauberkünstler ausgebildet. Ist bei Betriebsfesten und Kindergeburtstagen aufgetreten. Hat irgendwann einmal auch ein Kinderbuch geschrieben. Das 1986 veröffentlicht wurde.

Seither betrachtet er sich als Schriftsteller und hat aus diesem Grund noch über vierzig weitere Bücher geschrieben, davon ca. zwei Drittel für Kinder. Auch einige Preise eingeheimst, z.B. den Kinderbuchpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen 1990, den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1994, 1998 und 2000, den Förderpreis des österreichischen Bundesministeriums für Verkehr (das damals auch für Wissenschaft und Kunst zuständig war) 1996 und den Jugendbuchpreis der Stadt Wien 1997 und 2002. Er wurde nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1997, und für den internationalen Hans-Christian Andersen-Preis 1997.

Ein wunderbares Buch zum Abschalten und gleichzeitig zum Nachdenken geeignet.
Ideal für überall!

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★


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Buchdetails
Titel: Der Himmel ist heut aus Papier
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Martin Auer
Verlag: Klever Verlag
— Rezensionsexemplar —

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Sarah
Gast

Liebe Kerstin,

nur ganz kurz: Bei dieser Rezension musste ich sofort an Moers‘ Buchhaim denken. So wie sich Buchhaim beim Lesen anfühlt, so fühlt sich diese Rezension an – ganz großes Kino. Dankeschön :)

Ich hab jetzt Lust auf Gedichte :D

Liebste Grüße
Sarah