„Der blutrote Teppich“ | Christof Weigold

Das Buch wurde mir vom Kippenhauer & Witsch Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Tödliches Hollywood

Inhalt laut Verlag:

Eigentlich hat Hardy Engel genug von der Filmbranche. Doch dann braucht William Desmond Taylor, dem Hardy einen Gefallen schuldig ist, seine Dienste als Ermittler. Als er ihn aufsucht, findet er den Starregisseur erschossen in dessen Wohnzimmer. Selbst als Verdächtiger im Visier der Staatsanwaltschaft, hat Hardy keine Wahl: Er muss den wahren Mörder finden.
Am Tatort werden Liebesbriefe zweier prominenter Schauspielerinnen sichergestellt, eine Sammlung von Damenunterwäsche sowie Hinweise auf eine Erpressung. Doch den Filmstudios scheint eher an der Vertuschung des gewaltigen Skandals als an der Aufklärung gelegen zu sein: Beweise werden manipuliert und Zeugen ermordet. Hardy legt sich einmal mehr mit den mächtigsten Männern der Stadt an – und verliebt sich in die junge Regisseurin Polly Brandeis, die ihm immer wieder dazwischenfunkt und in den Fall verstrickt zu sein scheint. Die Spurensuche führt ihn in das Studio von Superstar Charlie Chaplin und bis nach New York. Knallharte Überraschungen warten auf ihn. Und am Ende wird Hardy zur Schlüsselfigur in Hollywoods blutigstem Jahr …

Vorab kann ich direkt sagen, Band 1 und 2 der Hardy Engel-Reihe lassen sich ebenso gut als Einzelbände lesen. Somit ist meine Rezension in Bezug auf den Vorgänger auch Spoiler frei.
Ein paar Anspielungen gibt es in diesem Buch zu „Der Mann, der nicht mitspielt„, aber diese haben für den aktuellen Fall keine Bedeutung und dienen in erster Linie dem Bild eines korrupten Hollywoods. Wobei dieser Eindruck beim Lesen dieses Buches von ganz alleine entsteht!

Das Hollywood kein leichtes Pflaster war und ist, ist kein Geheimnis, doch wie mörderisch es dort zugeht, zeigte mir Hardy aufs Neue. Wieder ein Toter der nicht alleine zu Grabe getragen wird. Ein Fall der weitere Leichen fordert. Und wieder stolpert Hardy eher zufällig in eine Mordermittlung, nur das er diesmal zunächst der Hauptverdächtige ist.

>> Wo Engel ist, ist eine Leiche. Ist inzwischen ja schon ein geflügeltes Wort in Hollywood. <<
(Seite 53)

Nachdem Band 1 tragisch endete, hat Buck eine neue Ermittlerin an seiner Seite und ja, er hat leider auch ein Auge auf sie geworfen. Dies störte mich zu Beginn wirklich stark, minderte sich aber im Verlauf des Lesens. Etwas zu jung, etwas zu früh für ihn, zu klischeehaft für mich – doch Polly ermittelte sich in mein Herz und zukünftig möchte ich sie nicht mehr missen. Sie lässt sich ebenso wenig wie Hardy von den Drohungen der großen Hollywood-Mächte einschüchtern und ermittelt zunächst auf eigene Faust – Go Girl!
Doch allein gegen den Hollywoodkonzern anzutreten erweist sich als schwierig – und bekanntermaßen als tödlich. Somit schließen sich die Zwei zusammen, an ihrer Seite Buck.

Nur in kleinen Szenen geht es rasant voran, ansonsten konzentriert sich der Autor einzig auf die Ermittlungen. Dies gefällt mir besonders gut an dieser Reihe, denn mir geht es um Spannung, offene Fragen, den Hintergründen und die Möglichkeit mit ermitteln zu können. Da ist Action wenig hilfreich, besonders wenn ich das Gefühl bekomme, die Geschichte würde mir davon laufen. Doch nun kommt leider ein aber! Mir war es diesmal zu … nun ja, Spannungsarm trifft es nicht, eher (viel) zu detailverliebt. Beschreibungen die die Geschichte nicht voran bringen, sondern dazu dienten, ein inneres Bild der Umgebung entstehen zu lassen. Was mir im vorherigen Band gefiel, wurde diesmal zu ausschweifend, war uninteressant und brachte mich aus meinem Lesefluss. Und das leider mehr als mir lieb ist, zumal viele vorangegangene Ereignisse im späteren Verlauf gerne nochmals zusammengefasst wurden.
Und das leidliche Thema Alkohol! Hardy hat da ganz klar ein Problem und es mag zum Teil der Zeit geschuldet sein, in der die Geschichte spielt, ebenso der Ort an dem Hardy ermittelt. Aber mich störte es dann doch, dass ihm sein Problem bewusst ist, er es aber doch immer wieder abmindert und darauffolgenden Sätzen. Hier würde ich mir für zukünftige Bände einen anderen Umgang wünschen, den Ermittler*innen mit Alkoholproblemen haben wir Leser*innen in diesem Genre leider schon zu genüge …

Aber ich mag Hardy, ich liebe es, dass er sich gegen all die Korruption stellt. Er hat seine Fehler, dafür lässt er sich jedoch von den großen Namen der Branchen nicht kaufen und für ihre Zwecke benutzen. Er will die Wahrheit, nicht mehr und nicht weniger. Doch sich Korrumpieren lassen, um an Informationen zu kommen, ist für ihn keine Option. Wenn sein Interesse geweckt ist und er feststellt, dass die wahren Hintergründe vertuscht werden soll, ist er noch mehr an einer Aufklärung interessiert. Daran hindern ihn auch keine Leichen im eigenen Wohnzimmer. Und wie schön, dass er in Buck einen Freund hat, der ihm uneingeschränkt zur Seite steht. Und es darf mehr von Buck sein! Ja, er schmuggelt den Alkohol von a nach b, aber er ist eine feste Konstante in Hardys Leben. Ein loyaler Freund, welcher mit einem offenen Ohr da ist und einem den Rücken frei hält. Und eben eine solchen braucht man in diesem korrupten Schweinhaufen namens Hollywood.

Ich hatte bereits in meiner Rezension zum 1. Band erwähnt, dass die Geschichten mit wahren Gerüchten der damaligen Zeit spielt, doch nachdem ich nun auch dieses Buch gelesen habe, sollte ich wohl mal recherchieren. Ich liebe Filme, auch ältere, aber mit den Hintergrundgeschichten der Filmindustrie und einzelner Schauspieler*innen habe ich mich nicht wirklich befasst. Der Autor Christof Weigold hat nun aber meine Neugierde geweckt, denn er scheint sich mit der Filmszene der 20er Jahre befasst und diese Wissen in seiner Krimi-Reihe eingearbeitet zu haben.

Mich konnte dieser Band zwar nicht ganz überzeugen, dennoch werde ich zu einem dritten Band greifen. Alleine schon, weil mir Hardy, Buck und Polly ans Herz gewachsen ist und sollte sich der Autor dann wieder auf das Wesentliche konzentrieren, bleibe ich der Reihe treu! Ich mag das Setting der 20er Jahre, auch wenn ich aufgrund der damaligen Zeit mit einigen Klischees und unschönen Verhaltensweisen leben muss. Aber mit Polly wurde eine weibliche Figur geschaffen, die (zwar) passend für diese Zeit skizziert wurde, jedoch eine Frau ist, die weiß was sie will. Eine Frau die das Leben genießt, ohne sich von einem Mann bevormunden zu lassen und ganz klar ihre Entscheidungen umsetzt, ohne sich von den Männern des Filmgeschäfts rumschubsen zu lassen.
Mal sehen, was mich zukünftig in Hollywood erwarten wird, denn der Epilog lässt vermuten, dass Hardy noch einiges zu erzählen hat! Und ich hoffe doch sehr das Buch weiterhin an seiner Seite ist und auch Polly ein wiederkehrendes Gesicht sein wird.

Rezension verfasst von © Janna
★★★☆☆


– Weitere Eindrücke –
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Buchdetails | Anzeige |
Titel: Der blutrote Teppich
Buchreihe: 2. Band
Autor: Christof Weigold
Verlag: KiWi (Kippenhauer und Witsch)
— Rezensionsexemplar —
Hardy Engel-Reihe
Band 1 ~ „Der Mann, der nicht mitspielt“ 
Band 2 ~ „Der blutrote Teppich“

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Pink Anemone
Gast

Hach, ich liebe ja die Atmosphäre der verruchten und gefährlichen 20er Jahre, jedoch habe ich (glaube ich) noch nie ein Buch mit diesem Setting gelesen, eher Filme geguckt und PC-Games gezockt XD. Deine Rezension hat mir die Reihe ein bisschen schmackhaft gemacht, jedoch nur ein bisschen, wobei mich die Detailverliebtheit keineswegs stören würde. Es ist, wie Du Dir sicher denken kannst, dieses Schmusibu und der alkoholgebeutelte Ermittler. Mit Ersterem kann ich prinzipiell nix anfangen und es nervt und Letzters ist schon sowas von ausgelutscht und nervt mich ebenfalls….. und nun weiß ich auch nicht. Ich hops noch schnell zu Deiner… Read more »