„Das Meer“ | Wolfram Fleischhauer

How much is the….

Inhalt laut Verlag

Teresa verschwindet spurlos im Einsatz auf einem modernen Fischfangschiff auf hoher See. Entsetzt ist nicht nur ihr Geliebter und Ausbilder John Render von der zuständigen EU-Behörde in Brüssel. Genauso am Boden zerstört sind Ragna di Melo und ihre Truppe von radikalen Umweltaktivisten, die eine mörderische Methode entwickelt haben, die skrupellose Ausbeutung der Meere zu beenden.
Als Ragnas Vater, ein schillernder Schweizer Lobbyist, Wind von den Aktivitäten seiner Tochter bekommt, die auch seine eigenen Geschäftsinteressen berühren, muss er handeln. Noch bevor das ganze Ausmaß der Bedrohung bekannt wird, reist er nach Südostasien, wo Ragna sich versteckt halten soll. Er weiß, dass seine Tochter niemals mit ihm sprechen wird. Daher heuert er den jungen Dolmetscher Adrian an, der zu Schulzeiten eine leidenschaftliche Affäre mit Ragna hatte – ohne ihn jedoch in die wahren Gründe einzuweihen …
Drei Männer auf einer verzweifelten Suche, zwei Frauen in Todesgefahr – und zwischen ihnen der brutale Apparat der globalen Fischereimafia, eine gleichgültige Öffentlichkeit und eine handlungsunfähige Politik: Wolfram Fleischhauer entwirft ein erschreckend realistisches Katastrophenszenario und erzählt zugleich von den Grenzen der Liebe und unserer Sehnsucht nach einem neuen Umgang mit der Natur.

Spätestens nach dem Genuss dieses Buches, fällt es einem wie Schuppen von den Augen (sorry – das Wortspiel musste sein).
Wo Fisch drauf steht, ist auch Fisch drinnen. Nur wo er herkommt ist so eine Sache. Wer ihn wann und wie gefangen hat, steht in den Sternen. Da nützen auch all die Hinweise auf den Verpackungen nichts. Denn wer soll und kann das kontrollieren? Was für Sorten werden untergemischt, um den Profit noch rentabler zu machen, damit die illegale und weit verbreitete Raubfischerei auch zum Zuge kommt. Seinen wir mal ehrlich, gäbe es die Nachfrage nicht, gäbe es auch diese Art der Fischerei nicht. Hier spreche ich definitiv nicht von den kleinen Kuttern und Liebhaberanglern. Das ist so groß angelegt, wie wohl alles das irgendwelchen Gesetzten und Vorschriften unterliegt.
Mafiaverhältnisse in der Lebensmittelbranche sind ja nichts neues.
Angebot und Nachfrage eben.
Also her mit der Massenware. Doch auf wessen Kosten?

Man bestellt in der Kantine ein Hähnchenschnitzel, aber was man tatsächlich vertilgt, ist ein Königsadler
(S. 89)

Im Roman „Das Meer“ gibt es direkt beim Einstand eine Reise auf einem Fischtrawler. Unruhige See, raue Männer und an Bord eine Kontrolleurin der EU. Ihre Aufgabe: Überwachung der Vorgänge an Bord, Proben und Tests und immer ein Auge darauf, dass letztendlich auch der Fisch gefangen wird und nicht als Beilage eines anderen Bootes an Bord gerät.
Und schwupps „Mann – äh, Frau über Bord“ und damit fängt alles an.
Eine Suche nach dieser Teresa, nach den Umständen und Begebenheiten.
Der Autor bringt in seinen Kapiteln nacheinander immer im zeitlich passenden Wechsel einzelne Charaktere zum Vorschein.
Nur einer von ihnen, Adrian (ein Dolmetscher), erzählt in der Ich-Form.
Man gewöhnt sich sehr schnell an die Einzelnen und es ergibt auch sehr schnell eine Verbindung aller miteinander.
Freundschaften, Liebschaften, Feindschaften und Seilschaften.

Mir kam es so vor, als würden alle etwas suchen und genau so war es auch.
Eine Tochter, eine alte Freundin, eine Verschollene. Die Wahrheit, die Schuld, das Versagen.
Es kristallisiert sich sehr schnell heraus, um was es eigentlich geht und das wurde richtig gut umgesetzt.
Ein äußert kompetent recherchierter Öko-Thriller.
So viel Hintergrundwissen, so viele Details, Erfahrungsberichte und Schilderungen.
Stellenweise fand ich es fast schon zu überladen und ins Eingemachte gehend. Gerade was die politischen Organisationen, Delegationen oder bürokratischen Entscheidungen anging.
Dennoch liest es sich ungemein gut, auch wenn es durchaus mal unappetitlich wird.

Denn die Wahrheit ist: wir können gar nichts ändern.
(S. 412)

Der Roman ist wie das Meer international. Aller Herren Länder sind vertreten und man reist mal hier hin und mal da hin. Das Ziel immer vor Augen: Der Fischfang, die illegalen Methoden und nun wurde es interessant – die Umweltaktivisten.
Eine Gruppe Männer und Frauen die es aufgegeben haben, sich an Gleise zu ketten oder Bäume zu besetzen. Der Ton ist rauer geworden und um endlich Gehör zu bekommen, greifen sie zu drastischen Mitteln.
Wer nicht (zu)hören will muss fühlen, dafür wird manches in Kauf genommen. Doch wer sind die wirklichen Drahtzieher? Es wurde richtig spannend.

Die Geschichten der Einzelnen ergänzen sich im Laufe des Buches zu einer großen Sache. Es wird politisch und es wird persönlich.
Gewalt als Lösungsmittel wenn nichts anderes mehr geht. Korruption, Täuschung und politisches Versagen. Vorschriften, deren Sinn sich nicht erschließen lassen bzw. deren Umsetzung lachhaft bis unmöglich ist.
Ein mehr als erschreckendes Szenario, dass sich vermutlich genauso jeden Tag abspielt. Machtlosigkeit gepaart mit Irrsinn.
Wir fischen die Meere leer, aber den Müll lassen wir drinnen.
Wir zerstören und vernichten auf Teufel komm raus und wundern uns wenn alles aus dem Gleichgewicht gerät.

„Das Meer“ ist viel mehr als nur ein Roman – sondern ganz klar ein Statement an die Endverbraucher, den Konsumenten (und dazu zähle ich mich auch). An das Umweltbewusstsein und die Schäden, die wir alle mit unserem Verhalten auslösen. Aber auch über die Möglichkeiten etwas zu ändern, auch wenn es nicht allen schmecken wird. Eine anspruchsvolle Lektüre und ein Blick über den Tellerrand.

Wir haben keinen Plan B, denn wir haben keinen Planeten B.
(S. 412)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★


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Buchdetails
Titel: DAS MEER
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Wolfram Fleischhauer
Verlag: Droemer Knaur

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