„Das Lied der Wächter – Das Erwachen“ | Thomas Erle

Das Buch wurde mir vom Gmeiner Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Singender Nebel

Inhalt laut Verlag

Seit einem verheerenden Atomunfall vor 16 Jahren gilt der Schwarzwald als unbewohnbar – die Bevölkerung wurde evakuiert und die gesamte Region zur Sperrzone erklärt. Die Menschen waren zunächst verunsichert, haben sich aber nach über einem Jahrzehnt wieder eingerichtet in ihrer heilen Welt. Doch die Regierung spielt seit Jahren ein falsches Spiel. Denn die Gefahr, die in dem verstrahlten Gebiet lauert, ist so viel größer, als sich die Menschen vorstellen können: Eine unerklärliche Kraft scheint alles Leben zu bedrohen …

Ja, ich muss gestehen, dass ich mir dieses Buch trotz reizvollem Klappentext, nicht von allein gekauft hätte. Ich habe doch gewisse Vorurteile gegenüber Protagonist*innen im Teenager-Alter. Ich lese nicht oft Bücher aus dem Jugendbuch-Bereich, da ich bislang meist eher enttäuscht wurde. Aber hier klingt es zu reizvoll, als das ich es gar nicht erst versuchen wollte. Und ich bin dem ja nun auch nicht völlig abgeneigt, nur skeptisch bezüglich der Themen die im Mittelpunkt stehen könnten. Dies relativierte sich durch den Beginn der Geschichte recht schnell. Das Buch ist in drei Kapitel gegliedert: vor und während der Katastrophe, 16 Jahre später und ein kleiner fieser Cliffhanger am Ende. Für mich war besonders das erste Kapitel am intensivsten, da es die Stimmung sehr gut auffängt und wiedergibt.

Der Lärm und das Tosen des Unwetters waren verstummt. Die Stille war so intensiv, dass er glaubte, sie mit den Händen greifen zu können.
(Seite 35)

Ein Beginn der absolut Neugierig macht auf die kommenden Ereignisse! Ein Ehepaar inmitten des Schwarzwald, ein nahendes Unwetter. Während sie versuchen sich in Sicherheit zu bringen, fallen ihnen vermehrt die mysteriösen Umständen auf. Meterhoher Schnee nach wenigen Stunden inmitten des Herbstes, jegliche Elektrizität funktioniert zeitgleich nicht mehr. Ebenso verhalten sich die Tiere auffällig untypisch und der näher kommende Nebel scheint einem Gesang ähnlich zu sein.

Dann kommt ein rapider Schnitt. 16 Jahre später. Kurz vor Felix` Geburtstag muss er erfahren das seine angebliche Mutter ihn zwar großzog, diese aber nicht seine leibliche Mutter ist. Diese ist zusammen mit seinem Vater nie wieder aus dem Schwarzwald zurückgekehrt. Ich war absolut angefixt! Die positionierten Soldaten stehen auch heute noch am Rande des Schwarzwaldes, doch bewachen sie diesen damit niemand hereingeht … oder nichts herauskommt? Weitere Ereignisse ließen mich durch die Seiten hüpfen, vergangenes wird gegenwärtig und ich wollte unbedingt auf schnellstem Wege mit Felix losziehen! Ich habe mir überhaupt nicht viele Notizen gemacht, da ich nur so durch die Seiten flog. Wer oder was lebt noch dort? Was geschah mit seinen Eltern?

Ich denke ich nehme hier niemanden die Überraschung, wenn ich sage das es gemeinsam mit Felix Richtung Schwarzwald ging. Und die neuen Erkenntnisse die dazu führten, stellten nur noch mehr Fragen in den Raum, gaben nur wenige Antworten. Doch dann kam für mich ein Schnitt, die Neugierde blieb vorhanden, aber die Spannung verpuffte … Zu sehr störte mich Felix` andauernde Fragerei – zu Beginn absolut nachvollziehbar, aber auf dem Weg nervte es mich bald nur noch. Auch der Verlauf konnte mich nicht mehr packen. Zu sehr werden Situationen geschildert, die nicht tragend für die eigentliche Geschichte sind. Uninteressante Ereignisse nehmen zu viel Raum ein und die spannenden und interessanten Momente sind zu schnell abgehandelt.

Zunächst befürchtete ich, der Autor rundet all dies noch mit dem zarten Klischee der Liebe ab, doch dem war – zu mindestens in diesem Band – nicht so und das darf auch gerne so bleiben! Es ging vordergründig um das Leben im Schwarzwald, ohne all die Vorzüglichkeit der Elektrizität. Es geht um den Umgang der wenigen Zurückgebliebenen untereinander. Der Ort und seine Gegebenheiten innerhalb eines Buches soll und muss natürlich skizziert werden. Das diese Themen dem Autor wichtig waren, kann ich nachvollziehen, nur war die Umsetzung, der Verlauf zu positiv. Es hat die Gefahr des Waldes, das was im Wald lebt, sich ausbreitet, zu stark relativiert.

Das Ende lässt mich unbefriedigt zurück! Und das positiv gemeint, denn die Geschichte ist nicht abgeschlossen. Auch wenn die Ereignisse des ersten Bandes zu einem Abschluss kommen, so bleibt der weitere Verlauf ebenso offen wie einige Fragen.

Auch wenn mich dieser Reihenauftakt nicht vollends umhauen konnte, so freue ich mich dennoch auf den zweiten Band und hoffe das dieser in den Ereignissen und dem Gänsehautfaktor anzieht! Und der großen Frage, nach dem was dort im Wald herrscht, näher kommt. Ebenso besteht schon große Vorfreude auf die Buchmesse und das Event des Gmeiner Verlags!

Rezension verfasst von © Janna
★★★☆☆


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                    Buchdetails
Titel: Das Lied der Wächter – Das Erwachen 
Buchreihe: 1. Band
Autor: Thomas Erle
Verlag: Gmeiner
— Rezensionsexemplar —
       Das Lied der Wächter – Reihe

Band 1 ~ „Das Lied der Wächter – Das Erwachen“
Band 2 ~ „Das Lied der Wächter – Der Gesang“ (erscheint voraussichtlich März 2019)
Band 3 ~ „Das Lied der Wächter – Das Gesetz“ (erscheint voraussichtlich September 2019)

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Daggi
Gast

Die Befürchtung mit dem „zarten Klischee der Liebe“ hatte ich zunächst auch ;)

Die Idee, das Leben der Menschen, die noch im Schwarzwald leben, um Jahre zurückzuversetzen, hat mir auch gut gefallen. Wie kocht man, wie kühlt man Lebensmittel, wie macht man Feuer, Licht, was isst man, das fand ich sehr interessant und das hat dem Schwarzwald etwas Ursprüngliches zurück gegeben.

Das Kopiere ich jetzt gleich noch aus meinem Kommentar raus und füge es in meiner Rezension ein :D

Gabi
Gast

Hallo Janna, ich kann Deine Kritikpunkte nachvollziehen, denn das Buch ist manchmal ganz schön detailverliebt und es gibt auch ruhige, erzählerische Passagen. Das hat mir aber gut gefallen, weil dadurch für mich eine total realitätsnahe Atmosphäre rüberkam, vielleicht etwas spannungsarm, aber eben so, wie man es in so einer Situation tatsächlich erleben würde. Dass spannende Momente zu schnell abgehandelt wurden, diesen Eindruck hatte ich bei einer Szene gegen Ende. Da fand ich es schade, dass sie quasi „im off“ aufgelöst wurde. Insgesamt war ich aber sehr angetan vom Buch, ich hab es echt verschlungen. Und ich sehe, Du kennst schon… Read more »

Pink Anemone
Gast

Also ich MUSS das Buch haben. Kerstin (Seehase) hat es mir schon so schmackhaft gemacht und jetzt auch noch Du. Uiuiuiiui

Schurkenblog
Gast

Liebe Janna, du liest wohl die falschen Jugendbücher! Gerade im Dystopie- (aber auch Thriller-) Bereich sind die oft wirklich teilweise besser als die Titel für die Erwachsenen.
Vielleicht sollte ich dir mal eine Leseliste erstellen, ich sehe, wir müssen da deine Meinung etwas aufpolieren :-).

Zum Glück habe ich mir dein besprochenes Buch noch nicht gekauft. Ich glaube, ich wäre da wirklich der falsche Leser für, auch wenn ich dystopische Bücher total vernarrt bin. Danke für die Besprechung und einen schönen restlichen Sonntag dir!

Kate
Gast

Hallöchen,
ich habe das Buch auch vor einer Weile entdeckt und war ziemlich neugierig darauf. Irgendwie hat es mich dann aber nicht so vollends angesprochen, dass ich es mir geholt hätte. Deine Rezension macht das Buch jetzt wieder interessant, obwohl ich nach wie vor zwiegespalten bin. Das ist manchmal echt schwer mit den Büchern :D
Liebste Grüße, Kate