„Das Leben, das wir begraben“ | Allen Eskens

Inhalt laut Verlag

Der Student Joe Talbert muss fürs College mit einem völlig Fremden ein Interview führen. Dafür sucht er in einem Pflegeheim nach der passenden Person und trifft auf den krebskranken, im Sterben liegenden Carl Iverson.
Doch Iverson ist kein harmloser alter Mann. Er ist ein verurteilter Mörder. Vor 30 Jahren soll er ein Mädchen missbraucht, umgebracht und in seinem Schuppen verbrannt haben. Nach einigen Gesprächen erkennt Joe, dass etwas an dem grausamen Mordfall nicht stimmt. Es gibt zu viele Widersprüche. Joe überkommt eine regelrechte Besessenheit, die Wahrheit herauszufinden … Doch das könnte seinen eigenen Tod bedeuten!

Bildquelle: Audible Verlag

Drama per excellence

Es gibt so Bücher, die sehe ich in einer Vorschau und weiß just in dem Moment – das möchte ich lesen! Noch bevor mir der Klappentext bekannt ist oder ich irgendeine Information zum Autor habe. Hier war es dieses Gesicht auf dem Cover, dazu der Titel und damit letztendlich eine ganz spontane Kauf-Entscheidung für das Hörbuch.

Das Leben, das wir begraben“ von Allan Eskens ist ein Debüt. Und, es ist großartig!

Das düstere, schwarze Cover verspricht eine ebenso düstere Geschichte und doch war es vielmehr. Ein Drama, eine Lebensbeichte, eine Tragödie. Eine wunderschöne Geschichte über Schuld und Unschuld. Darüber wie sehr man sich in Vorurteilen verliert und letztendlich eines besseren belehrt wird.
Bücher aus dem Festa Verlag gelten gemeinhin als grausam und brutal, ich kann nur sagen – dieses bringt keine Alpträume aber dennoch schlaflose Nächte – einfach weil es einen so sehr packt, dass man es nicht mehr weglegen kann.

Es gibt Dinge, vor denen kannst du nicht davon laufen
(Zitat aus dem Hörbuch)

Durch diese Geschichte führt einen der Collegestudent Joe Talbert. Er erzählt seine eigene Lebensgeschichte und wie es dazu kam, das er Carl kennenlernte und damit dessen Vergangenheit. Eine Reise, die zeigt was für ein Mensch Carl war und was für ein Mensch er wurde. Wie er eine Schuld auf sich nahm, derer er sich nicht mehr reinwaschen konnte.

Die Ichform lässt es persönlich werden und spätestens, als einem Joes Mutter über das Telefon ins Ohr lallte, war klar dass es in seinem Leben nicht viele Lichtblicke gab. Aber sie sind da, in seinen Erinnerungen und in Gestalt seines Bruders Jeremy. Meine Güte, der Sprecher Oliver Erwin Schönfeld hat mich mit der Intonierung komplett abgeholt. Die unterschiedlichen Stimmen der einzelnen Charaktere sind so intensiv und bei den Dialogen mit Joes autistischen Bruder Jeremy hat es mir immer wieder das Herz zugeschnürt. Jeder seiner Sätze beginnt mit einem „Vielleicht“ und endet mit einem „?“. Darinnen steckt so viel seiner kindlichen, naiven, gefangenen Seele und der Umgang Joes mit ihm ist voller Liebe und gleichzeitig Selbstzweifel, wie er diesem 18jährigen Bruder gerecht werden kann.

Eigentlich wollte Joe nur eine gute Note in seinem deutsch Kurs bekommen. Das er dafür eine Lebensgeschichte aufzeichnen sollte war ihm klar, nur das eben Carl Iversons so außergewöhnlich ist. Wann begegnet man schon einem als Mörder verurteilten Menschen und das in einem Altersheim?  Hier zeigt sich sehr schnell das Carl nicht einfach nur aus seinem Leben erzählen will. Er braucht eine Gegenleistung – Vertrauen – und dafür muss Joe sich seiner eigenen Vergangenheit stellen. Alles andere als leicht für ihn, denn auch er hat etwas begraben, dass ihn nicht mehr loslässt.

Der Zeitpunkt zum Ausgraben seiner Leichen im Keller war gekommen
(Zitat aus dem Hörbuch)

So kommt es, dass der 30 Jahre zurück liegende Mord an dem Mädchen wieder aufgerollt wird. Schnell kristallisiert sich heraus das diese Mordfall einige Ungereimtheiten birgt. Joe ist erst schockiert über diese furchtbare Tat und stellt sich, wie auch dem Leser, die Frage, ist Carl ein Mörder? Ist er der Mann der dieses Mädchen vergewaltigt und getötet hat? Die Indizien sprachen gegen Carl und sein Geständnis hat zur Verurteilung geführt. Nun, als sterbenskranker Mann offenbart er sich und erzählt Dinge, die weit weit in die Vergangenheit reichen.

Joe bekommt Unterstützung von L. Nash, seiner Nachbarin. Keine Bange man erfährt ihren Namen noch und auch das sie eine Vergangenheit hat, die sie lieber begraben möchte.

Ich konnte diese Erinnerung nie loswerden…Ich wollte doch nur das es aufhört so weh zu tun.
(Zitat aus dem Hörbuch)

Es wird spannend und zwar so richtig. Die Suche nach alten Unterlagen, Akten und Zeugen gestaltet sich schwierig, aber Joe und l. Nash graben unermüdlich weiter. Das sie sich dabei in Gefahr begeben ist fast schon denkbar.

Der Autor hat mit den wenigen Charakteren eine unwahrscheinlich gute und ehrliche Geschichte gezeichnet. Man nimmt ihm alles ab. Die Emotionen sind im Guten wie im Bösen sehr authentisch und man verliert sich in der Vergangenheit und Gegenwart all derer, die beteiligt sind.

Was ist Schuld? Wer ist schuldig und wessen? Kann man Dinge, die einen quälen begraben ohne das sie jemals wieder herauskommen?
Wie tief muss das Loch sein und besteht die Hoffnung das durch das Ausgraben einer alten Schuld alles wieder gut wird?

Vielleicht habe ich das ein oder andere Tränchen verdrückt?
Vielleicht hätte ich der versoffenen Mutter gerne mal die Meinung gesagt?
Vielleicht wünscht ich mir das Carls Geschichte nicht so unter die Haut ging?
Vielleicht war dies ein absolutes Hör-Highlight für mich?
Vielleicht würde ich dieses Buch jedem empfehlen, der Lust auf eine spannende und gleichzeitig berührende Geschichte Lust hat?

Auf jeden Fall wird mir Joe und Carl, Jeremy und L. Nash immer im Gedächtnis bleiben!

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

 Weitere Eindrücke –
Janas Lesehimmel °
In Büchern leben °


– Anzeige –
Nachfolgende Links führen zu Verlag- und/oder Autor*innen-Seiten, Amazon, Audible oder Twentysix

Buchdetails
Titel: Das Leben, das wir begraben
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Allen Eskens | Sprecher: Oliver Erwin Schönfeld
Verlage: Hörbuch ~ Audible | Printausgabe ~ FESTA
Laufzeit: 10h:16min

8
Ein Blog lebt von der Interaktion, also immer her Eure Gedanken! Wir freuen uns auf Eure Kommentare & den Austausch!

avatar
Schurkenblog
Gast

Ich hatte das Buch schon im Visier, war mir aber nicht sicher, ob ich es wirklich lesen möchte. Aber nun: Ab auf die WL damit. Bei so viel Begeisterung von dir kann ich ja nichts falsch machen :-).

Martinas Buchwelten
Gast

So ging es mir auch! es ist schon auf meiner Wunschliste gelandet! =)
Liebe Grüße
Martina

monerl
Gast

Mensch Kerstin, wie genial! Man merkt so richtig, wie dich das Buch mitgenommen hat. Also, im positiven Sinne! :-) Es ist sofort auf meine Merkliste gewandert und sobald ein neues Guthaben da ist, werde ich es mir holen.
Ich finde so Geschichten super, die erst so harmlos erscheinen und dann richtig an Tiefe und Spannung gewinnen! Danke für die Vorstellung.
GlG, monerl