Das erste #LitCampHH – von Überforderung bis Begeisterung

Bilder ©  Literaturcamp Hamburg

Literaturcamp (Barcamp)
Es werden Sessions (Sitzungen) geplant und vorgestellt. Meist bereiten sich die Teilnehmer*innen mit Themen vor und präsentieren diesen dann, doch der darauf folgende Austausch und weiterer Verlauf ist offen. Dieser wird gemeinsam mit den anderen durch die Diskussion gestaltet.

Literaturcamp Hamburg | 15. + 16. September 2018
St. Katharinen

Eingang der Kirche St. Katharinen

Hui hui hui war ich bei der Anfahrt aufgeregt! Wusste ich doch schon vorab, das ich nur zwei, drei Gesichter offline bereits gesehen hatte und nur mit Mareike wirklich bislang Zeit verbracht habe – ergo, ich kannte alle anderen nur als online Bekanntschaften. Mit Menschenaufläufen tue ich mich ja in solch einer Form etwas schwer – Festivals sind da doch was ganz anderes gegen! Ja, ich war überfordert. Habe ich die social media-Welt doch erst vor 2 Jahren, mit Beginn des Bloggens für mich entdeckt, so war es eine Reizüberflutung diesen Menschen nun in natura zu begegnen.

Von der Flummi-Janna (wie Kerstin mich gerne bezeichnet) war dann nichts zusehen, musste ich mich erstmal zurecht finden. Dieser Smalltalk, bis das Eis gebrochen ist. Liegt mir gar nicht! Und somit bin ich ohne einen mir vertrauten Menschen immer erstmal ruhiger. Kennt Ihr das? Ein Ankommen müssen sozusagen, da reichen 2 Tage voller Input und Rotation nicht aus, denn so wundervoll es war, zur Ruhe kommt man nicht. Und auch nicht zum Quatschen, das hatte ich nicht erwartet! Natürlich habe ich viele Gesichter offline näher kennen lernen dürfen, aber für vertiefte Gespräche war kaum Zeit, schließlich wollte man auch kein Session-Beginn verpassen. Nur Samstagabend war etwas Raum, um essen zu gehen und sich auszutauschen.

Nun aber genug schwadroniert, ab in die heiligen Hallen. MOIN!
Das erste LitCampHH

Das LitCampHH-Team

Die Location war schon fein – Session Planung in der Kirche. Doch vor der Planung kommt das kennenlernen, à la „Ringlein Ringlein, du musst wandern“, nur das es an dieser Stelle ein Mikro war. Vorstellungsrunde mal anders, denn neben dem Namen und ggf. Blog, sollten auch drei Hashtags zur eigenen Person genannt werden. Ich war ganz unkreativ und habe welche genommen, die auch oft im Netz von mir verwendet werden. Und dann wurden die verschiedenen Sessions vorgestellt.

Holy! Ich bin doch kein Entscheidungsmensch! An 9 Sessions innerhalb der beiden Tage konnte man teilnehmen, angeboten wurden jedoch insgesamt 37 – Ihr ahnt mein Dilemma?! Erstmal Kaffee! Kaffee hilft immer!

2 Tage Buch pur

Ja, es sieht nun wirklich nach viel Input und Text für Euch aus. Ich wollte zu mindestens jede Session die ich besucht habe vorstellen, aber ich halte mich kurz. Unter dem Hashtag #LitCampHH findet Ihr viele weitere Beiträge und sobald die Veranstalter einen Sammelbeitrag online stellen, werde ich Euch diesen hier nachtragend verlinken! Ebenso natürlich alles was das Literaturcamp Hamburg selbst verfasst oder bildlich zeigt!

Samstag

Session 1: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“
Das Thema waren rechte Verlage in der Buchbranche und der Redebedarf war hoch! Marion stellte drei Verlage vor und gab viel Hintergrundwissen an, wovon mir einiges nicht bewusst war. Aufbau/Entstehung, welche Bücher sehr bekannt sind und wie Buchhändler*innen damit umgehen. Das Interesse, was man als Leser*in tun kann, war hoch und wurde nochmal in einem Beitrag aufgegriffen, den ich Euch nach der Auflistung verlinkt habe.
Wer rechte Bücher nicht im Regal haben will, sollte folgende Verlage umgehen:
◊ Antaios,
◊ Kopp
◊ Manuscriptum
◊ Andromeda
◊ Armanen
◊ Arndt Verlag
◊ Grabert Verlag
◊ Leopold Stocker (Imprint Ares)
◊ Straube Verlag
◊ Verlag Deutsche Militärzeitschrift
◊ Verlagsgesellschaft Berg
Auch von den Sachbüchern auf Amazon sollte man laut einer Teilnehmerin lieber die Finger lassen, da der Kopp Verlag in hoher Zahl dort vertreten ist. Ebenso hat Thalia laut einer anderen Teilnehmerin immer noch rechte Bücher/Verlage in ihren Schaufenstern ausgestellt.
Marion hat auf ihrem Blog ‚Schiefgelesen‚ einige Aussagen und Fragen innerhalb der Session aufgegriffen und verschriftlicht – lesen lohnt sich!

Session 2: „Aus dem Leben einer Verlagsautorin“
Leider war diese Session nicht ganz das, was ich erwartet bzw. mir erhofft hatte. Ich wollte ein wenig aus dem Verlagsleben hören, den Tätigkeiten von Lektor*innen und ihrer Zusammenarbeit mit Autor*innen. Dies jedoch war eher nebensächlich in der Vorstellung, sondern skizzierte vielmehr einen Tagesablauf und nur am Rande um bspw. die Cover-Entstehung. Und wie wenig Mitspracherecht Autor*innen bei Titel und Cover haben, erschreckte mich dann doch.

Session 3: „How to make Rezensionen Great again?“
Ein Thema das für mich mega reizvoll klang, da ich auch immer wieder überlege wie ich meine Buchbesprechungen aufpeppen kann! Es war ein netter Austausch, doch dann begann die Diskussion mit der Platzierung des Fazits und endete mit der Frage nach Objektivität oder Subjektivität.

Session 4: „Blogger & Autoren – was können wir füreinander tun?“
Da saßen die falschen Blogger*innen und Autor*innen zusammen, denn alle die dort waren, waren an eben solch einer Zusammenarbeit interessiert und haben schon viel in dem Bereich gemacht. Blogtouren, Wohnzimmer-Lesungen, Interviews und einiges mehr. Ich bin immer offen für den Kontakt mit Autor*innen, aber mache auch nicht bei jeder angebotenen Aktion mit. Ich möchte auch außerhalb des nahenden Erscheinungsdatum und der benötigten Werbung mit den Autor*innen im Austausch sein. Somit gab es bei uns auf dem Blog bislang nur solche Aktionen mit Autor*innen und/oder Verlagen, wenn zuvor bereits Kontakt bestand.

Session 5: „Hand in Hand kommunizieren + zuhören“
Kommunikation auf mehreren Ebenen, nachfragen, ob man auf dem richtigen Kanal hört und sensibilisiert für das Gegenüber sein. Letzteres klingt einfach, ist es aber nicht – versucht mal ausschließlich in „Ich Botschaften“ zu sprechen, ohne Kritik und Vorwürfe. Ich bin noch zu dicht an meinen Fort- und Weiterbildungen im Bereich Sprache und hatte mir zu dem Thema eben aus diesem Grund keine Notizen gemacht. Nun befürchte ich, drei Wochen nach dem Literaturcamp, zu viel Wissen zu verschriftlichen, was gar nicht an diesem Tag angesprochen wurde …

Nach dem LitCamp ist vor der Lesung
– St. Katharinen –

Zum Essen war ich mit einigen Buchmenschen in der Nähe vom Hauptbahnhof und auf dem Weg zurück wollte der Bus Babsi und mich nicht dahin bringen, wo wir hinwollten, somit verpassten wir die erste Lesung leider. Umso schöner war dann aber Magret Kindermann`s Lesung, auf die ich mich im Vorfeld sehr gefreut hatte! Nicht nur weil sie mir als Person einfach mega sympathisch ist und ich den Austausch mit ihr mag, sondern weil ihre Worte einnehmend und fesselnd sind. Am Sonntag (Bild rechts) hielt Magret dann auch noch selbst eine Session, die ich sehr gelungen fand.
Eigentlich gab es noch weitere Lesungen und sogar Poetry Slam! Aber ehrlich gesagt war ich ganz erschlagen von all den Eindrücken und so mukkelte ich mich vorne am Empfang dazu.

Die Nacht war reichlich kurz! Mareike, Babsi und ich waren bis Mitternacht (?) vor Ort und bis man dann im Bettchen ist … Als wir dann endlich lagen, dachte ich da schläft wer tief und fest neben mir, nope! Mareike war hellwach und hat den Tag im Kopf gewälzt – also zu geschwatzt damit sie abgelenkt wurde und plötzlich klingelte da auch schon der Wecker.
Hier nochmal ein Danke für die Übernachtungsherberge Mari <3 (Mit deinem Spitznamen werde ich dennoch nicht warm, der ist mir zu soft *lach)

Sonntag

Session 1: „Beschreibungen: Orte, Menschen & Co. – wie werden sie gut?“
Eine Session in erster Linie von einer Autorin für Autor*innen, denn was ich als Leserin will, weiß ich. Genau das benannte Magret dann auch:
Beschreibungen – ja, zu detailliert – nein! Und diese Beschreibungen sollten neu, nicht in jedem zweiten Buch genauso zu finden sein. Dies stelle ich mir nicht einfach vor, aber es gab einige gute Tipps, wie bspw. sich über Youtube informieren. Videos anschauen, um neue Blickwinkel zu entdecken und zu verschriftlichen. Neben den Beschreibungen von Örtlichkeiten, der Umgebung, ging es dann auch um die Klischees der Protagonist*innen. Charaktere erschaffen, die Schwächen haben, egal ob äußerlich oder charakterlich, und nicht in das erwartete Bild der Leser*innen passen. Mein klarer Wunsch: liebe Autor*innen,  skizziert Protas die in eine Schublade passen und eben darin eigentlich nie zu finden waren. Spielt mit Klischees und brecht sie auf! Aber bitte nicht erst nach der Hälfte des Buches, wenn es 600 Seiten hat!
Zitate von Magret, Session-Leiterin und Autorin:
Eine Geschichte ist spannend, wenn der Prota interessant ist
Autor*innen sollten vor dem Schreiben einer Szene, die beschriebene Umgebung darin vorher ganz bewusst selbst wahrnehmen/erleben, ohne Ablenkung.
Positiv Beispiel für Beschreibungen in Büchern: Autor Milan Kundera

Session 2: „Blogger als Dienstleiter? – Kooperation von Bloggern + Verlagen“
Ein interessantes Thema, welches mir persönlich nicht viele neue Erkentnisse mit auf dem Weg gab. Für mich ist es selbstverständlich Bücher a) nur anzufragen oder anzunehmen, wenn ich Zeit zum Lesen und rezensieren habe und b) diese ehrlich zu besprechen. Wenn ich Kritik habe, benenne ich diese. Aber die aufkommenden Fragen waren interessant: was mache ich, wenn ungefragt Bücher bei mir ankommen? Wie gehe ich mit schlechten Wertungen um, wenn ich den/die Autor*in kenne, regelmäßigen Kontakt habe?
Ein, für mich, neuer Tipp war noch, den Verlagen die Beleglinks von Büchern die selbst gekauft wurden, ebenfalls als Mail zu schicken.

Session 3: „Selbstverteidigung für Frauen“
Ellenbogen, baby, Ellenbogen! Das hat mir mega Spaß gebracht und ich hoffe Mareike frischt beim nächsten Übernachtungsdate die Moves bei mir nochmal auf!
O-Ton Freund: „Bist als Bloggerin zum Literaturcamp und kommst als Mini-Fighter zurück.“
Die Moves von Mareike durfte ich nicht an ihm ausprobieren …

Session 4: „Schöne Krankheiten“
Dank Mareikes Mama, die die Session gehalten hat, habe ich nun Bilder im Kopf die ich nie haben wollte *lach. Sie hat es wundervoll humorvoll gemacht und den Einstieg mit Bildern von den Erkrankungen sowie einem Schutzanzug begonnen „Das ist Cholera. das ist Lepra. Das bin ich.“. Ein sehr interessanter Vortrag mit neuem Wissen für mich!

Zwei Tage voller Menschen und Bücher.
Eine Vielzahl an Themen und Gesprächen.

Ich werde Wiederholungstäterin!

Hach, ein wenig Blues entsteht ja schon beim Schreiben! Ja, ich war wirklich überfordert von all den bis dato online-Gesichtern und ich brauche ein wenig Zeit um mich einzufinden. Aber ich habe so zauberhafte Menschen endlich offline treffen dürfen und viele davon will ich unbedingt wiedersehen!

Und ohne Ausbeute gehe ich natürlich nicht nach Hause – I´m in Love! „Und dein Leben, dein Leben“ signiert, „Briefe aus dem Sturm“ endlich mein Eigen & ein paar Goodies obendrauf.

Ganz wichtig!

Ein dickes DANKE an Mareikes Mama!! Sie hat zuvor noch nie vegan gebacken und für die Veranstaltung hat sie uns gleich alle zwei Tage mit süßen Leckereien verwöhnt!

Wir waren nicht wenig Mensch und es gab wirklich viiiel Auswahl und es schienen alle glücklich über die zuckrigen Muffins und Kuchen gewesen zu sein! Also sich an dieser Stelle ein *ApplausGeräusch* denken!
Der Pudding war ein Goodie von Nadine und Mari, weil ich dezent Heißhunger auf Schokolade hatte *lach

Wer am Stream einiger Sessions interessiert ist,
sollte *hier* bei Youtube vorbeischauen!

Und was habe ich vergesse? ICH! Fotos von feinsten Buchmenschen und mir – ich könnt heulen. Einzig ein paar Schnappschüsse im Netz gefunden oder von anderen gemacht … das wird dann mit dem ein oder anderem Gesicht aber bitte auf der kommenden Frankfurter Buchmesse nachgeholt!


Wart Ihr schon mal auf einem Literaturcamp?
Oder wurdet Ihr neugierig auf solch eine Veranstaltung?

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Daggi
Gast

Ich weiß genau, was Du meinst. Heidelberg im Juni war mein erstes LitCamp und ich hatte das Gefühl, alle kennen sich und ich kenne keinen. Und ich habe auch eine Anlaufzeit gebraucht. Irgendwann hat sich jemand zu mir gesetzt und das war das beste und intensivste Gespräch während des ganzen LitCamps und danach war ich auch angekommen :)

Anett
Gast

Liebe Janna,
das ist ein toller Beitrag und ich finde die Sessions total interessant. Aber bei so einer Vielzahl hätte ich auch Probleme mich zu entscheiden.
Leider war mir ein LitCamp noch nicht vergönnt, ich hoffe mal auf eins in meiner Nähe!

Liebe Grüße Anett

Anna
Gast

Das war ein wirklich toller Überblick, ich finde mein LitcampHH-Erlebnis da sehr wieder :) Wundervoll!

Tintenhain
Gast

Danke fürs so doch ein bisschen dabei sein können. :-)

Petrissa
Gast

Liebe Janna, WOW!!! Was für ein großartiger, spannender und interessanter Beitrag! Ich kann das mit der Überforderung gut nachvollziehen. Ich habe auch ein bisschen Schiß vor 3 Tage Buchmesse. Letztes Jahr war ich nur ein Tag. Aber gut. Ich freu mich sehr auf die Leute. Euer Blog ist erst 2 Jahre alt? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Die rechten Verlage werde ich mir notieren und ich bin gespannt auf den verlinkten Beitrag. Gerade das Thema habe ich gespannt auf Twitter mitverfolgt. Hat die Teilnehmerin mit Thalia das dort angesprochen? Würde mich interessieren, wie die darauf reagiert haben/hätten. Kann mir… Read more »

Marion // schiefgelesen
Gast

Hallo Petrissa, zur Thalia-Frage: die Teilnehmerin, die das angesprochen hat, hatte schon vor einiger Zeit (ca. 2 Jahre?) einen Beitrag dazu auf ihrem Blog gepostet, den es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Damals ging es darum, dass eine Thalia-Filiale im Bremer Süden im Eingangsbereich einen Tisch präsentiert hat, auf dem auch Bücher rechter Verlage auslagen mit dem Hinweis „zur aktuellen Debatte“ oder so ähnlich. Das ist damals von mehreren Medien kritisch aufgegriffen worden und es gab auch entsprechende Berichte aus anderen Städten. Die Pressesprecherin äußerte damals, dass man eben mehrere Meinungen nebeneinander präsentieren wolle (Stichwort Meinungsfreiheit). Anscheinend wurde der Druck… Read more »

Isabel
Gast

Liebe Janna, was für ein schöner Rückblick, macht direkt wieder Lust. Aber jetzt startet ja die Buchmesse und ich hoffe sehr, dass wir uns dort begenen.
Liebe Grüsse
Isabel

Mari
Gast

Sooooo ein schöner Artikel! Das Lob reiche ich an Mum weiter, die freut sich darüber wie ein Schnitzel :)

Und natürlich frische ich dich etwas auf – schließlich müssen wir uns bei der Pyjamaparty ja gegen Zombies und anderes Ungeziefer wehren!!

Bis die Tage
Mari