„Buchgenres kompakt“ | Anette Huesmann

Das Buch wurde mir von der Autorin kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


aufgeräumte Schubladen?

Genres und Subgenres zum Nachschlagen:
– 98 Genres und Subgenres werden ausführlich beschrieben, inkl. Entstehungsgeschichten und zahlreichen Beispielen
– weitere 80 Genres und Subgenres werden in Stichworten erläutert
– weitere 198 Synonyme werden benannt
Ein Index ermöglicht den schnellen Zugriff auf nahezu 400 Bezeichnungen für Genres und Subgenres.

Klappentext

Kein Buch gleicht dem anderen.

Es gibt Schubladen für alle möglichen Genres und die Autorin Anette Huesmann hat mit diesem Buch etwas Ordnung geschaffen, zumindest in und nach meinem buchigem Verständnis. Grundsätzlich tendieren wir ja gerne dazu Schubladen großzügig zu füllen und wenn wir den Inhalt nicht mögen, zu schließen und nie wieder aufzumachen.
Für die viele existenten Genres und Subgenres würde man einen riesigen Apothekerschrank brauchen.

Die Vielfalt der Bücher ist enorm und wer je seine Bücherregale nach Genres sortiert hat, kennt das Dilemma. Klar, Krimi ist Krimi, es steht ja meist auch irgendwo auf dem Buch. Aber was ist mit den Büchern, die „nur“ die Bezeichnung Roman haben? Umfasst Belletristik (Belles Lettres – französisch für „schöne Literatur“) jetzt nur die Unterhaltungsliteratur oder darf es auch etwas böser sein?
Sind Liebesromane immer Schnulzen und ist historisches immer nur im Mittelalter angesiedelt? Fragen über Fragen und mit dem Sachbuch „Buchgenres kompakt“ habe ich mir Erklärungen erhofft. Apropos Sachbuch – wie sind diese Bücher in den Genres geordnet und macht das überhaupt Sinn?

Sind meine Lieblingsgenres eigentlich auch aufgeführt und wohin gehören diese? Ich liebe den Krimi Noir, atmosphärische Roadtrips und diese kleinen, gemeinen Geschichten über Einzelgänger und Gemeinschaftsschicksale. Es muss nicht immer ein Krimi oder Thriller sein, aber welches Genre ist das jetzt?
Also bin ich hinein gesprungen in das Buch und habe mich über einen längeren Zeitraum ein- und durchgelesen.

Wo liegen die Wurzeln wichtiger Themen, was erzählten die Bücher dieser Genres früher und was erzählen sie heute.

Seite 2

Die Autorin bietet ein sehr kurzes Vorwort und folgt danach direkt mit dem Inhaltsverzeichnis.
Teil I des Buches gibt Einblicke in die Zuordnungen, geht auf Genres und Subgenres ein und gibt Einblicke in Erzähltraditionen, Vermarktung und Gattungen. Dieser Bereich ist auch nicht sehr lange und damit recht übersichtlich. Ab da an fängt es mit Teil II und den Genres sowie den Subgenres erst richtig an und als ob ich es erwartet hätte, war der Krimi an erster Stelle.

Krimis gehören ja zu meinen Favoriten und ich habe wohl schon einige der Subgenres gelesen. Hardboiled, Noir, Gangster und Detektiv, alles schon bekannt. Schmunzeln musste ich bei manchen der Synonyme. Häkelkrimi war so eines.

Grundsätzlich finde ich die Auflistung gut gelungen:
Zuerst der Oberbegriff, wie z.B. Spionageroman.
Darunter das bzw. die Synonyme (von vielen habe ich noch nie gehört).
Es folgt die Charakteristik – also die Erkennungsmerkmale,
die Entstehung, die Besonderheiten und als Schluss aktuelle Beispiele (hey, davon habe ich sogar welche gelesen).

Gerade diese Entstehungsgeschichten empfand ich als sehr informativ. Wer hätte gedacht, dass der erste Splatterkrimi im Jahr 1785 geschrieben wurde – ich sage nur Maquis de Sade.
Bei einem Genre bin ich tatsächlich hänge geblieben, da es ebenfalls ein mir unbekanntes Genre war. Nackenbeißer – hört sich lustig an, ist es aber nicht! Auch hier hat die Autorin kurz und knapp geschildert was es mit dieser Art Buch/Geschichte auf sich hat.

Auch bei den Besonderheiten hat mich so manches überrascht und ich mag die unkomplizierte Art, die seitens der Autorin angewendet wird. Kurz und knapp, ohne viel drumherum zu reden. Mit Sicherheit wäre es machbar die Genres und ihre Subgenres noch viel ausführlicher zu erklären oder beschreiben, dann würde es mir aber die Kurzweile nehmen und dazu führen vieles nur noch zu überfliegen.

Bei manchen Genres musste ich wirklich höllisch aufpassen, da sie sich ähneln oder zumindest ähnliche Ansatzpunkte haben. Ist dieses Buch hier zum Beispiel ein Nachschlagewerk, ein Handbuch oder gar ein Fachbuch? Auf jeden Fall gehört es zu der Oberkategorie Sachbuch (wer das Cover beachtet, erfährt es).
Da spielen so viele Faktoren eine Rolle und ich habe insbesondere bei Fantasy gestaunt, was es da alles an unterschiedlichsten Genres und Subgenres gibt.
Dafür kam mir der Bereich Horror etwas zu kurz. Zwar ist die Beschreibung zu dem Oberbegriff recht großzügig, aber gerade die Subgenres hätten mich (auch als Angsthase) deutlich interessiert.

Gerade bei den weiteren Subgenres wurde ich auf viele sehr neugierig und hätte mir da nicht nur einen Satz gewünscht, sondern noch viel mehr Informationen, auch da die Autorin mich schon sehr gut unterhalten hat. Die angenehm große Schrift und den markierten Oberbegriffen kommt man gut durch das Buch ohne sich zu verzetteln und wenn man doch was suchen muss – im letzten Teil des Buches gibt es einen Index von A – Z.

Für mich ist dieses Buch ein sehr ausführliches, aber nicht überladenes Informationsbuch. Solch eines, zu dem ich immer wieder gerne zurückgreifen werde.

Wer mir jetzt noch ein Beispiel nennen kann, was das Subgenre Bumbling Detectiv Mystery angeht, gewinnt zwar keinen Preis aber eine virtuelle Umarmung :-)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆


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Buchdetails
Titel: Buchgenres kompakt
Buchreihe: Einzelband, 192 Seiten, Paperback
Autorin: Anette Huesmann
Verlag: BOD – Books on Demand [Selfpublisher]
— Rezensionsexemplar —

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7
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Gabi
Gast

Hallo Kerstin,
ich gehe mit der Genrebezeichnung immer sehr kreativ um. Vor allem, weil ich ganz gerne Genremix lese und z. B. Gay Romance (falls das überhaupt ein eigenes Genre ist) sehr oft mit anderen (Thriller, Abenteuer, Drama, Science Fiction) kombiniert wird. Da eine gewisse Ordnung reinzubringen ist schon reizvoll und ganz bestimmt macht es Spaß, in der riesigen Liste von Genres und Subgenres zu stöbern. Von Nackenbeißern hab ich natürlich schon gehört. Aber Bumbling Detectiv Mystery? War mir bis gerade eben völlig unbekannt!
LG Gabi

Mikka
Gast

Hallo,

ich wusste ja, dass es viele Genres und Subgenres gibt, aber ich hatte keine Ahnung, dass es SO viele sind.

Häkelkrimi und Nackenbeißer kannte ich tatsächlich schon – wenigstens das… ;-)

Für mich ist „Bumbling Detective“ so was wie Inspektor Columbo! Leider fällt mir kein Buchbeispiel ein…

LG,
Mikka

Jana
Gast

Liebe Kerstin,

das hört sich nach einem Buch an, das man super verwenden kann, um seine Rezensionen ein bisschen zu präzisieren. Ich hab schon Schwierigkeiten, zwischen New Adult und Young Adult zu unterscheiden – geschweige denn bei Subkategorien von Spionageromanen.
Gerade erst habe ich ,,Wolfsegg“ von Peter Keglevic beendet, auf dem auch schlicht nur ,,Roman“ prangt. Ich weiß immer noch nicht, was ich da gelesen habe. Coming of Age, Thriller, Splatter, Dorfroman? Deinen Buchtipp behalte ich auf jeden Fall im Kopf!

Viele Grüße
Jana

Andrea
Gast

Liebe Kerstin, vielen Dank für diese Rezension!
Ich lese ab und zu gerne mal solch informative Sachliteratur und hoffe, dass ich von der Genreeinteilung jetzt nicht gleich daneben liege :D

Ich werde mir dieses Buch einfach mal auf die WuLi setzen, vor allem, weil ich mir manchmal bei der Einteilung eines Buches alles andere als sicher bin…

Vielen Dank für den Tipp.
Liebe Grüße Andrea