Buch trifft Film | „Das Labyrinth des Fauns“ versus „Pans Labyrinth“

Das Buch „Das Labyrinth des Fauns
von Cornelia Funke & Guillermo del Toro
versus „Pans Labyrinth„, der Film von Guillermo del Toro 

Illustrationen © Allen Williams

Inhalt laut Verlag:

Spanien, 1944: Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald, der ihr neues Zuhause umgibt, wird für Ofelia zur Zufluchtsstätte vor ihrem unbarmherzigen Stiefvater: ein Königreich voller verzauberter Orte und magischer Wesen.
Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie diese, ist sie die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hineingezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich. Kann Unschuld über das Böse siegen?

~ Das Buch ~
„Das Labyrinth des Fauns“
von Cornelia Funke & Guillermo del Toro

Als ich das Buch zum ersten Mal in einer Verlagsvorschau sah war mir klar, das muss ich lesen. Natürlich wegen dem Cover, ohne Frage mit eines der schönsten, das mir in letzter Zeit untergekommen ist. Auch ist mir die Autorin Cornelia Funke bekannt, obwohl ich noch nie ein Buch von ihr gelesen haben. Ausschlaggebend aber war der Name Guillermo del Toro. Von dem Regisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller hatte die Trilogie „The Strain“ bleibenden Eindruck hinterlassen und so, nach kurzer Recherche über den Buchinhalt wurde es direkt eine Vorbestellung, passend mit Eintrefftermin zum Erscheinungstag.

Illustrationen © Allen Williams

Ja, für einen Augenblick ließ das Kind alle glauben, dass die Welt wieder friedlich und heil war.
(S. 79)

Ofelia, die 13jährige, die mit ihrer verwitweten Mutter im Spanien des Jahres 1944 in Tagträume flüchtet und ihre Zuversicht eher in Büchern sucht als bei den Menschen macht diese Geschichte aus. Sie und ihre Offenheit gegenüber der Vorstellungskraft, dem Wunschdenken nach einer heilen Welt und eine unerschütterliche Fantasie zeichnen dieses junge Mädchen aus. Düster ist alles um sie herum. Die hochschwanger und erkrankte Mutter, deren neuer Ehemann Vidal, die alte Mühle in der sie nun leben und all die Wälder um sie herum. Die Truppen Francos sind nach dem Bürgerkrieg noch immer damit beschäftigt die Partisanen in den Wäldern aufzureiben und Ofelias neuer, ungewollter Papa ist der Kommandant einer dieser Truppen. Ein hartherziger Mann, furchteinflößend, grausam und nur darauf bedacht, dass sein ungeborenes Kind ihn als Helden und unerschrockenen Vater ansehen wird. Inmitten dieser Welt entdeckt Ofelia aber eine andere, unbekannte und nicht minder furchteinflößende. Alte Gemäuer, Steinportale, verzierte Säulen und überwucherte Gänge ziehen sie magisch an und da ist noch ein Art Elfe, die Ofelia leitet und damit hinab führt in das Reich des Fauns.

Was Ofelia dort erlebt sollten sich alle selbst erlesen, es ist eine Geschichte voller Magie und Zauberkräfte, seltsamer und gefährlicher Wesen, aber auch eine über die Liebe und der Hoffnung.

Die Kapitel sind sehr übersichtlich und es bringt einem immer wieder von der alten Mühle hin zu längst vergangenen Zeiten und damit zu Geschichten die vor Ofelia handelten, aber doch einen Bezug zu ihr haben. Erklärungen quasi wie es zu all den Steinelementen, den Säulen und Skulpturen kam. Hinweise auf Pan und das Labyrinth und warum Ofelia nicht Ofelia zu sein scheint.

Die Sprache ist wunderschön, sie zieht einen hinein in diese Welt voller fantastischer Dinge und im nächsten Moment ist sie hart und ungeschönt, wenn es um das Verhalten insbesondere Vidals geht.

Niemand sprach seinen Namen aus. Vidal. Er klang wie ein stein, den man durch eine Fensterscheibe warf, jeder Buchstabe ein Stück gesplittertes Glas.
(S. 28)

Mit Ofelia erlebt man Abenteuer, stellenweise erschreckend gefährliche und doch fiebert man auch in deren Leben mit. Was ist mit der Mutter, was mit dem Ungeborenen? Wie sehr begibt sich Mercedes, die Bedienstete ihres Stiefvater in Gefahr, wenn sie den Partisanen hilft? Wird es ihr jemals gut ergehen an diesem Ort und wie wird ihre Zukunft aussehen? Viele Fragen, auf die es im Laufe des Buches Antworten gibt. Durch die Gedanken Ofelias wirkt alles sehr lebendig und trotz der Düsternis schwebt da doch immer ein Hauch von Glück und Freude mit.
Eine tragische Geschichte, deren Ende mir einen Kloß im Hals verursachte.

Illustrationen © Allen Williams

Neben all diesen Erlebnissen, die sich in einem schnellen Tempo Episode für Episode einer Art Showdown nähern, sind es die wenigen benötigten Charaktere, die mich faszinierten.

Vidal, der böse Stiefvater, von Ofelia als Wolf betitelt und im Gegensatz dazu Mercedes, eine sehr mutige Frau. Ofelias Mutter ist zurückhaltend, kränklich und geht eher unter. Alle anderen sind Nebenrollen, doch die wichtigste war für mich der Faun (Pan).
Als ich den Schutzumschlag vom Buch nahm und die Zeichnung auf dem Einband sah, war dies ein magischer Moment.

Alleine in diesem Bild liegt so viel Aussagekraft!

Aber es gibt nicht nur schönes, fantastisches oder spannendes in der Geschichte. Ein paar Szenen empfand ich als sehr brutal und grausam, wobei es zwar nicht übertrieben dargestellt wurde, sondern ein Ergebnis von Handlungen einzelner Personen und menschlicher Unmenschlichkeit war. Richtig übel war eine Szene recht am Anfang des Buches, in dem Vidal in all seiner Grausamkeit, sehr kurz nur, aber dafür sehr einprägend dargestellt wurde.


Ein Buch als Vorlage für eine Verfilmung zu nehmen, stelle ich mir als schwieriges Unterfangen vor. Wie sollen auch so viele Seiten in so wenige Minuten gepackt werden? Es fällt mir auf Anhieb kein Buch ein, dessen nachträgliche Verfilmung mich begeisterte.
Aus einem Film ein Buch zu machen, stelle ich mir aber genauso schwierig vor. Beim Lesen entspinnt man sich ja sein eigenes Kopfkino und hat dementsprechend eine Erwartungshaltung – genau deswegen und weil ich das Buch so gut geschrieben empfand, musste ich „Pans Labyrinth“ anschauen.


~ Der FILM ~
„Pans Labyrinth“
von Regisseur Guillermo del Toro

Wer mich kennt weiß dass ich bekennende Angsthäsin bin, was Horror- und/oder Gruselfilme angeht. Vieles was ich lesen kann, ertrage ich nicht in Bildern, die über eine Mattscheibe laufen. „Pans Labyrinth“ aber musste ich sehen. Da ich das Buch unmittelbar vorher gelesen habe, wusste ich in etwas was da auf mich zukommt.

Das Buch passt, absolut! Bereits mit den ersten Minuten hatte ich genau das vor Augen, was ich mir beim Lesen vorgestellt hatte. Die Schauspielerinnen und Schauspieler entsprachen genau meiner Vorstellung und ich war verblüfft, wie sich die Autorin da hineingedacht hatte. Zwar gibt es ein paar wenige Szenen, die nicht im Film vorkommen, aber einen Hintergrund haben, um all das Geschehen verstehen zu können. Die Geschichte des Bildhauers zum Beispiel.

Ofelia ist im Buch, wie auch im Film, etwas zu emotionslos und unerschrocken, gleicht sich aber von den Beschreibungen her perfekt. Auch ihre Mutter bleibt im Film eher nur eine Nebenfigur.

Obwohl ich vorbereitet war, hat mich dann die bereits oben genannte Szene mit der Flasche doch wieder etwas mitgenommen. Das war kurz, aber sehr schockierend.

Etwas, dass mir sehr positiv auffiel, sind die Gedanken und Emotionen im Buch. In einer Filmszene steht Vidal vor einem Spiegel und rasiert sich, langsam und sorgsam, es herrscht absolute Stille im Raum, abgesehen von etwas Musik.
Im Buch steht man mit Vidal vor diesem Spiegel und lauscht seinen sehr bösen Gedanken, so dass sich damit ein komplexes Bild von diesem Mann ergab.

Etwas anderes dagegen – im Buch empfand ich den Faun als sehr liebevoll, wenn auch streng (ersteres vielleicht wegen der Zeichnung auf dem Einband?), im Film aber war er mir sehr unheimlich. Die Geräusche, während er sprach oder bei Ofelia zugegen war, hatten etwas sehr gruseliges und unheilvolles an sich. Schon beeindruckend, wie sehr man sich da beeinflussen lässt.

Trailer = FSK ab 12 freigegeben – Altersfreigabe des Films: ab 16 Jahren
Quelle: YouTubeDE – Universum Film

Alleine die Darstellungen der Umgebung, der Skulpturen, der Unterwelt und besonders des Fauns waren großes Kino. Kein Wunder, dass es so viele Auszeichnungen dafür gab:

  • Academy Award 2007: Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Make-up
  • British Academy Film Awards 2007: Beste Kostüme, Beste Maske, Bester nicht-englischsprachiger Film
  • Goya 2007: Beste Nachwuchsdarstellerin (Ivana Baquero), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bester Schnitt, Beste Maske, Bester Ton, Beste Spezialeffekte
  • Grammy Awards 2008: Nominierung als Bestes komponiertes Soundtrackalbum für Film, Fernsehen oder visuelle Medien
  • Saturn Awards 2007: Bester internationaler Film, Best Performance by a Younger Actor (Ivana Baquero)
    (Quelle: Wikipedia)

Beides zusammen (besser gesagt in kurzen zeitlichen Abstand) ist eine fantastische Reise. Man sollte sich allerdings darauf einstellen, dass es sehr deutliche Gewaltdarstellungen gibt.

Auf jeden Fall habe ich jetzt dieses Lied im Kopf und summe es ständig vor mich hin und wenn ich ehrlich bin, ja, da kamen auch ein paar Tränen.


Mein Fazit: Das Buch ist sehr lesenswert, auch ohne den Film zu kennen, und von der Aufmachung her großartig.
Der Film war besonders und ist (ohne das Buch zu kennen) wert sich die Zeit dafür zu nehmen.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★☆

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension – folgt in Kürze

– Weitere Eindrücke –
folgen •


Illustrationen © Allen Williams

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Titel: Das Labyrinth des Fauns 
Buchreihe: Einzelband, 320 Seiten
Autorin: Cornelia Funke
nach dem Text und Film „Pans Labyrinth“ von
Regisseur Guillermo del Toro
Illustrator: Allen Williams

Verlag: S. Fischer Verlag

Altersempfehlung des Buches: ab 14 Jahren
FSK des Films: ab 16 Jahren

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Bianka Bloecker
Gast

Wunderbar, liebe Kerstin – das hat mich richtig neugierig gemacht! Ich kannte Frau Funke bisher nur als Kinder- bzw. Jugendbuchautorin.

Da werde ich wohl gleich tatsächlich durch Berlins momentanen Kältesommer zu meinem Lieblingsbuchladen laufen …

Dir herzlichen Dank für diese Anregung und eine sorglose Zeit
Bianka

Pink Anemone
Gast

The same procedure as every visit – ich komm rein und … ZACK … Buch auf der WL. Ihr Hexen XD!!
Pan’s Labyrinth habe ich vor Jaaahren mal gesehen und kann mich ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr genau an die Handlung erinnern, bzw. welchen Eindruck es auf mich machte.
Das finde ich jetzt gar nicht so schlecht, denn ich will das Buch haben *g*
Danach schaue ich mir mit Sicherheit auch den Film an.
Und Du hast Recht – das Cover ist einfach ein Traum!!

Liebe Grüße
Conny

Nicole “NiWa” Wagner
Gast

Hallo Kerstin,

ich bin jedenfalls neugierig geworden. Deine Rezension weckt schon mein Interesse – zusätzlich zum Autorengespann & dem ansprechenden Cover. Naja, ich fürchte fast, dass mir die Geschichte zu fantastisch ist. Das Buch werde ich mal unter Beobachtung halten.

Liebe Grüße,
Nicole

monerl
Gast

Liebe Kerstin, da ist sie ja, deine Rezi! Und toll, dass auch du danach den Film geschaut hast! Mir ging es wie dir. Kannte weder den Film noch irgendetwas über die Geschichte. Leider fand ich den Schreibstil jetzt nicht wirklich überragend. Ich habe ein paar Bücher von C. Funke gelesen, die mir gefallen haben. Doch dieses Buch ist anders. Ich finde, man merkt schon, dass es nicht ihre Idee ist. Was mir an Büchern so gefällt, wird auch hier wieder deutlich. Schriftlich kann man eine Szene sehr aufpeppen mit all den Gedanken, die die Protaginisten in dem Moment umschwärmen. Das… Read more »

LeseWelle
Gast

Hallo Kerstin,
ich mochte den Film total gerne, der ist wirklich sehr klasse und als ich gelesen habe, dass Cornelia Funke ein Buch dazu geschrieben hat, stand für mich fest, das muss ich lesen.
Und nachdem ich deine Rezension gelesen habe, bin ich noch neugieriger auf das Buch. Du hast einen echt tollen Beitrag geschrieben. :-*
Liebe Grüße
Diana

Tina
Gast

Liebe Kerstin,

ich bin furchtbar gespannt auf das Buch, denn ich halte sehr viel von dem Film, auch wenn nichts für schwache Nerven ist – die Umsetzung ist einfach unglaublich.
das Buch werde ich hoffentlich bald in den Händen halten und verschlingen. Ich freue mich auf die zusätzlichen Passagen, die im Film nicht existieren und auf den bisher hochgelobten Schreibstil.

Liebe Grüße
Tina