„Bruder“ | Ania Ahlborn

Brutale Geschichte mit Tiefgang

Inhalt laut Verlag

Das alte Farmhaus der Familie Morrow steht fernab von jeder Straße. Und das aus gutem Grund – denn wenn in der Umgebung eine Frau verschwindet, klopft niemand an ihre Tür und stellt neugierige Fragen. Und niemand schaut nach, was sie schon wieder im Hinterhof begraben haben.
Aber der 19-jährige Michael ist nicht wie der Rest seiner Familie. Er wünscht sich ein Leben weit fort von all dem Grauen.
Als Michael in der nahe gelegenen Stadt die hübsche Alice trifft, vergisst er für einen Moment fast das Ungeheuer, zu dem er selbst geworden ist. Doch sein Bruder Rebel erinnert Michael daran, wohin er gehört …

Ein Festa-Buch das es in sich hat, aber nicht gänzlich so, wie man es bei dem Verlag vermutet! Ja, es ist brutal. Ja, es ist detailliert. Aber es ist auch so vielschichtig – erschreckend, einnehmend, überraschend!
Das der Film „Chained“ zu dieser Geschichte inspirierte kann ich mir sehr gut vorstellen und doch dachte ich zunächst direkt an den Film „Haus der 1000 Leichen“, wobei dieser eher im entferntesten Sinne etwas mit dem Buch gemein hat (oder umgekehrt).
Randnotiz: ich kann Euch beide Filme sehr empfehlen!

Eine Familie. Vermisste Frauen. Schreie. Stille. Ein Bruder der in seinen Taten Erfüllung findet. Der andere Bruder, der sich nach einem anderen Leben sehnt. Und dazwischen viele Emotionen und einschneidende Traumata. Eine Geschichte bei der nicht zu viel verraten werden darf, denn es ergeben sich Wendungen die nicht vorhersehbar waren, es entwickelt sich ein Verlauf, bei dem man kaum weiterlesen mag. Ich war inmitten der Küche und des Hofes der Familie Morrow. Zwischen vergangenem und gegenwärtigem.

Besonders die zwei Brüder stehen im Fokus der Geschichte. Die Entwicklung ihrer Beziehung, der Anfang ihres Schicksals. Michael und Ray (Reb genannt) könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Ray monströsen Phantasien nachgibt und hinter seiner Fassade sehr gut bei jungen Frauen seines Alters ankommt, so ist Michael zurückhaltend und tut unter Zwang Dinge, die ihn nachts wach halten.

Der Umgang mit Menschen fiel ihm leichter, wenn sie tot waren.
(Seite 14)

Doch zu seiner Schwester Misty hat Michael ein inniges Verhältnis, so hat Ray ihn gut unter Kontrolle. Doch dann taucht plötzlich Alice auf und Michaels Gedanken beginnen Achterbahn zu fahren. Kann er sich von seiner Familie lösen und Misty zurücklassen? Kann man seine dunkle Seite so tief vergraben?
Michael lebt zwischen zwei Welten, fast schon bizarr diese zu lesen – zwischen Horror und Verliebtheit. Ein Horror der mir nicht nur in den Morden begegnete, sondern auch in der Beziehung zu den Eltern, dem Leben auf dem Hof.
Misty, die sich ihrem Schicksal fügt und sich zu sehr an Michael klammert.
Eltern die mit Taten statt Worten sprechen und ihre Kinder in einem gewaltvollen Umfeld aufwachsen lassen.
Michaels Liebe die er seiner Schwester gegenüber empfindet, die zarte Entstehung der Verliebtheit zu Alice. Der Kampf zwischen Loyalität und Freiheit.
Und Ray, für den das Morden nicht nur ein Spiel ist, sondern eine Erfüllung auf verschiedenen Ebenen. Mit einem Plan der an Perfidität kaum zu übertreffen ist.

Je mehr Seiten ich las, umso mehr Geheimnisse gaben die Morrows preis. Erlebnisse die zu erahnen waren und Ereignisse die mich überraschten! Besonders die Skizzierung der Kindheit beider Brüder lässt ein erschreckend schauriges Bild entstehen. Man wird gezwungen sich in Ray hineinzuversetzen, ein Horror-Thriller welcher mehr verbirgt als brutale Morde. Eine Beziehung zwischen Brüdern die über Jahre immer mehr Risse bekam und zum Ende hin mit seiner vollen Wut zuschlägt.

Es ist und bleibt ein Festa-Buch! Die Gewaltszenen sind deutlich beschrieben und auch die Vergangenheit schleicht mit Schrecken durch die Zeilen. Einzig in einer Szene wird beschrieben was Leser*innen triggern kann/könnte, alle weitere Erfahrungen die einzelne Protagonistinnen erleben mussten werden benannt, aber nicht weiter ausgeführt.

Eine Kleinigkeit fehlte mir, etwas mehr herauszögern am Ende und etwas weniger von Michaels Verständnis, aber grundlegend ein Buch das ich weiter empfehlen kann! Gelungene Überraschungen und Wendungen innerhalb der Geschichte und auch ein Ende, das mich als Leserin überzeugen konnte, da es eben endet, wie es endet! Und dabei ist es völlig nebensächlich, ob der Ausgang im Vorfeld zu erahnen war oder nicht, es geht um die Zeilen dazwischen!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


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Buchdetails
Titel: Bruder
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Ania Ahlborn
Verlag: Festa

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Pink Anemone
Gast

Ich wollte mir eigentlich nur kurz mal Euren Monatsrückblick ansehen…das war vor ca. einer halben Stunde und..tja, ich bin noch immer da *lach*
Und wieder ein Buch was durch Euch auf meine WL wandert. Ihr macht’s mich noch fertig *g*

Mein SuB lässt Euch Grüße ausrichten und winkt Euch fröhlich zu.

Liebe Grüße,
Conny

Diana
Gast

Hallo Janna,
jetzt musste ich doch glatt noch ein bisschen weiterstöbern und bin auf deine Rezension zu Bruder gestoßen. ;)
Ich kannte das Buch bis jetzt nicht, aber du hast mich schon neugierig gemacht. Das klingt nach einem Horrorerlebnis, das dazu vielschichtig scheint.
Ich denke, da ist noch ein Buch auf meiner Wunschliste gewandert. ;)
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de

Schurkenblog
Gast

Hallo Janna,
ich habe ja schon ungeduldig auf deine Rezension zu „Bruder“ gewartet und bin froh, dass es dir gefallen hat :-).
Für mich ist es noch immer einer der Highlights dieses Jahres, ich mag so Psychozeugs in Thrillern unheimlich gerne und diese Familie ist Psycho pur.
Eine schöne Woche dir! Ganz liebe Grüße, Iris

Shanlira's Bücherwelt
Gast

Hallo Janna,

wieder Mal eine tolle Rezension, bei der man nicht nein sagen kann und sofort zugreifen muss. Da wandert wieder Mal ein Buch auf meine Wunschliste.

Liebe Grüße
Nicole

Anja aka Ana
Gast

Hallo Janna,

großartige Rezension, die Lust auf das Buch macht. Wenn ich nur nicht schon gefühlte Millionen Bücher zu Haus e hätte, die ich eigentlich alle noch lesen möchte…
Abstich behalte es definitiv im Hinterkopf.

LG Anja