„Bösland“ | Bernhard Aichner [Janna]

Wenn ein Blick das Leben auf den Kopf stellt

Inhalt laut Verlag

Sommer 1987. Auf dem Dachboden eines Bauernhauses wird ein Mädchen brutal ermordet. Ein dreizehnjähriger Junge schlägt sieben Mal mit einem Golfschläger auf seine Mitschülerin ein und richtet ein Blutbad an. Dreißig Jahre lang bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie plötzlich mit voller Wucht zurückkommt und alles mit sich reißt: Der Junge von damals mordet wieder …

Der Beginn spannend. Der Schreibstil genial. Der Verlauf … ich bleibe zwiegespalten zurück! Und genau dies macht es mir schwer eine Rezension zu verfassen. Und doch will ich es mir nicht nehmen lassen. Denn der Anfang ist absolut fesselnd, lässt auf eine eindringliche und einnehmende Geschichte hoffen. Im Endeffekt ist „Bösland“ dies auch, nur anders als ich erwartet hatte. Ich habe es in kürzester Zeit ausgelesen und dies zeugt eigentlich davon, das mich die Geschichte packte. Doch je mehr ich im Nachhinein darüber nachdenke, wie wohl die Gesamtbewertung aussehen wird, desto weniger weiß ich es. Aber lassen wir uns von vorne anfangen und einfach sehen was am Ende entsteht!

Ben. Als Junge. Als Erwachsener. Und dazwischen das graue Nichts des Alltags. Doch dann stellt nur ein Foto, ein kurzer Blick darauf, Bens Leben ein zweites Mal auf den Kopf. Nur ein kleiner Moment. Dann saß er wieder bei der Frau, die ihm schon vor 30 Jahren versuchte zu helfen. Doch weder damals noch heute kann er über seine Jugend sprechen. Nun jedoch holt ihn eben diesen ein.

Ich entwickelte Bilder, Hunderttausende in den letzten zwanzig Jahren. Dass ein einziges mich aus der Bahn werfen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Dass es mir den Boden unter den Füßen wegziehen würde, mich nicht mehr schlafen ließe.
(Seite 53/54)

Und dennoch bleibt die Erinnerung aus. Auch die erneuten Besuche bei seiner Therapeutin, über Monate hinweg, bringen Ben kein Stück näher an diese Lücke seiner Vergangenheit. Er will sich erinnern und doch weigert er sich. Bis zu jenem Tag, an dem die Ereignisse vor über zwanzig Jahren ein Bild erschaffen. Der Mord an einem unschuldigem Mädchen.

– Ich will nicht, dass Ihnen etwas passiert.
– Was sollte mir schon passieren? Wie gesagt, ich habe keine Angst vor Ihnen, vor Ihrer Geschichte.
– Das sollten Sie aber.
– Wie meinen Sie das?
– Genau so, wie ich es sage. 

(S. 90)

Ich liebe den Schreibstil von Bernhard Aichner. Bereits mit seiner Totenfrau-Trilogie, den ersten zwei Bänden, konnte er mich begeistern. Die Konversationen der Protagonist*innen in Spiegelstrichen, absolutes Wiedererkennungsmerkmal des Autors. Ein Stilmittel, welches mir persönlich sehr gut gefällt. Ebenso blieb ich nicht allzu lange im Dunkel was damals wirklich geschah, vielmehr geht es in diesem Buch, wie auch schon in seiner vorherigen Trilogie, um den Umgang der neuen Erkenntnisse. Was macht dies mit einem Menschen? Und welche Konsequenzen haben die darauf aufbauenden Schritte?

Ben muss sich seiner Vergangenheit stellen und was ihn dort erwartet übermannt ihn. Er begibt sich zu seinem damaligen besten Freund. Dem Mann, den er seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat – Kux. Das was dann in diesem Haus geschieht, zu welch einem Menschen Ben sich entwickelt ist faszinierend und spannend zugleich.

So weit, so gut. Das Buch hatte mich innerhalb meines Leseflusses absolut in seinen Bann gezogen, doch die Geschichte konnte mich nicht endgültig überzeugen. Nachdem das Buch zwischen den 80er Jahren und der Gegenwart wechselte, befand ich mich im späteren Verlauf nur noch in den aktuellen Geschehnissen. Gewohnt gibt Aichner dort minimale Aussichten auf den weiteren Verlauf, ohne wirklich etwas preiszugeben. Solche Stilmittel gefallen mir, da die Neugierde entfacht wird. Doch das was kam, war nicht wirklich überraschend und für mich eine Spur zu viel.

Neben Ben und Kux spielt auch Kux` Ehefrau Soy eine nicht unbedeutende Rolle. Zu dritt verbringen sie einige Tage im Haus von Kux und Soy. Ein umeinander herschleichen, Misstrauen im Mantel der Freundschaft. Doch was sich daraus ergibt ist eine Vielzahl an Taten. Ich möchte Euch natürlich keine Spannungsmomente vorwegnehmen und schildere somit nicht, um welche Taten es sich handelt oder von wem diese ausgeführt werden. Jedoch kann ich sagen, dass es mir zu viel war. Nicht das was sich innerhalb des Hauses abspielt, nicht die Konsequenz der Konfrontation. Aber das, was außerhalb dieser vier Wände geschieht, das danach.

Hat das Buch sehr stark begonnen, so konnte es mich leider nicht gänzlich abholen. Ich habe es in kürzester Zeit ausgelesen, mir aber einfach etwas anderes erhofft. Der Moment der Konfrontation – die Geschichte hätte sich auch weiter in diesem Haus abspielen sollen! Schade, aber zum Glück wartet noch der letzte Blum-Band auf mich und der Lesungsabend hat sich auch ohne absolute Buchbegeisterung mehr als gelohnt! Ebenso bin ich einem zukünftigen Buch des Autos absolut nicht abgeneigt, dafür mag ich seinen Stil viel zu sehr.

Rezension verfasst von © Janna
★★★☆☆


1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension

– Weitere Eindrücke –
Zwischen den Zeilen °
Sharon Baker liest °
Lesewelle °

Buchdetails | Anzeige |
Titel: Bösland
Buchreihe: Einzelband
Autor: Bernhard Aichner
Verlag: btb (Random House)

8
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Diana
Gast

Hallo Janna,
ich war auch etwas zweigeteilt bei dem Buch. Der Stil ist einfach nur klasse gewesen und ich habe das Buch auch innerhalb kürzester Zeit gelesen gehabt, aber mir war es einfach zu durchschaubar gegen Ende. Relativ schnell konnte ich mir denken, was wohl geschehen könnte.
Aber wie du schon sagst, ich werde wohl trotzdem wieder zu einem Buch von ihm greifen, denn der Stil ist einfach nur Wahnsinn. :)
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de

Anja aka Ana
Gast
Anja aka Ana

Wie jetzt? Nicht abgeholt? So geht das nicht!

Jetzt aber erstmal: Hallo Janna,

schade, denn für mich war es ein echtes Highlight.
Ich wusste manchmal gar nicht, wer denn das größere Axxxloch ist, oder was ich denken soll.

Anja aka Ana
Gast
Anja aka Ana

Hinter der ersten Zeile sollte eigentlich noch das hinter: ;0)