Buch trifft Film: „Auslöschung“ | Jeff VanderMeer

Das Buch wurde mir vom Droemer Knaur Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.

Distanzierte Faszination

Inhalt laut Verlag:

Eine geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet irgendwo an der amerikanischen Küste übernommen, seit vor 30 Jahren ein mysteriöses Ereignis stattgefunden hat. Und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam aus. Doch was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden, Karten zu zeichnen, das Fremde zu verstehen. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt wird eine zwölfte Expedition entsandt.

Einnehmend. Bildgewaltig. Distanziert. Faszinierend. Vier Schlagworte die mir zu dem Reihenauftakt der Southern-Reach-Trilogie direkt einfallen und doch ist dieses kleine Büchlein so viel mehr! Nicht mal 240 Seiten umfasst die Geschichte, doch selten hat mich ein Buch so herausgefordert, dass Gelesene und meine Eindrücke dazu, zu verschriftlichen.

Area X – ein Areal, welches eine völlig neue Lebensform zu sein scheint und sich immer ein Stück weiter ausbreitet. Eine Grenze schützt – uns Menschen? Oder Flora und Fauna in Area X? Die beteiligten Menschen der unterschiedlichen Expeditionen kennen die Grenze nicht, überschreiten diese in Hypnose und finden sich dann in der faszinierenden und völlig neu erschaffenen Natur dieses Areals wieder. Leben das mit nichts zuvor dagewesenem vergleichbar ist. Eine völlig neue Welt in der sich nicht nur die Protagonistinnen zurechtfinden mussten. Schillernd und gefährlich. Beängstigend und Faszinierend! Ich kann kaum in eigenen Worten wiedergeben, was mir in der Geschichte begegnete. Alles scheint dort zu leben, selbst Wände. Es ist so einnehmend und doch unverständlich zugleich.

Eine Expedition die nur aus Frauen besteht. Frauen ohne Namen. Eine Landvermesserin, eine Psychologin, eine Landvermesserin und die Ich-Erzählerin, die Biologin. Allein dies ist schon ungewöhnlich. Nicht nur das es einzig Frauen sind, die Area X erforschen, auch das sie auf ihre Namen verzichten sollen ist zunächst gewöhnungsbedürftig, aber absolut passend für diese Geschichte! Und diese beginnt genau dort, in Area X. Die Grenze für mich ebenso ein Mythos wie für die Biologin. Eine Welt wie wir sie kennen ist weit entfernt. Ein vollkommen neues Ökosystem, welche kleinere in sich verbirgt. Pulsierendes Leben, welches unerklärlich ist.

Nichts Lebendes unter der Sonne kann wahrhaft objektiv sein […]
(S. 13)

Und doch ist es genau das, was von der zwölften Expedition erwartet wird! Sie werden hypnotisiert um auf bestimmte Befehlsformen der Psychologin zu reagieren. Bei emotionalen Zuständen wie Angst oder Verunsicherung, sagt die Psychologin gezielt Sätze, um dem entgegen zu wirken. Sie erfahren vieles über die vorangegangenen Expeditionen, aber bei weitem nicht alles. Area X soll erforscht und ausgekundschaftet werden, doch was sich hinter der Grenze befindet bleibt hinter einem Nebel – bis eben jene Grenze überschritten wird. Proben nehmen und Tagebuch führen, sich nicht von der Umwelt beeinflussen lassen – doch geht dies? Beginnt man nicht automatisch mit einer Interpretation, mit persönlichem Empfinden etwas wahrzunehmen?!

Die Luft war so sauber, so frisch, während die Welt auf der anderen Seite der Grenze so war wie schon während der ganzen Moderne: schmutzig, langweilig unvollkommen, ein Auslaufmodell.
(Seite 39)

Der Schwerpunkt des Buches ohne je als solches herausgelesen zu werden durch Worte. Doch die Biologin schildert Erinnerungen von ihrer Kindheit, die eben in diese Richtung lenken. Ebenso sind es gewisse Nebensätze die ein hohes Gewicht tragen. Wenn über Orte erzählt wurde, die nicht beachtet werden und sterben. Erschaffene Ökosysteme die Gebäuden weichen müssen. Area X – eine Antwort auf uns Menschen?

[…] manche Fragen zerstören dich, wenn du die Antworten nur lange genug vorenthalten bekommst.
(S. 201)

Ein wundervoller Satz! Denn genau das ist es leider, was ich als Kritik zu diesem Buch las – die nicht vorhandenen Antworten. Für mich persönlich das Highlight. Zum einen kommen noch zwei Bände und zum anderen finde ich nicht, dass die Geschichte Antworten braucht. Sie lässt Fragen entstehen, die zum Nachdenken anregen und auch nach dem Lesen noch nachklingen. Ob es nun eine außerirdische Kraft ist, die Natur selbst – oder etwas gänzlich anderes. Es ist da. Und es ist faszinierend.

Ebenso mochte ich die distanzierte Art der Erzählung. Ich bin gespannt auf die kommenden Ereignisse in „Autorität“ und „Akzeptanz“. Gerne mit mehr Wissen über Area X, aber ohne Antworten auf jede Frage, das würde eben jene Welt die der Autor Jeff VanderMeer erschaffen hat, zerstören.
Ich muss jedoch gestehen, was ich oben als Vorteil nannte, könnte eben für einige Leser*innen ein Kritikpunkt sein. Ich denke ohne die Vorkenntnisse des Films, wäre ich nicht so schnell in die Geschichte hineingekommen. Auch die distanzierte Art der Erzählung passt zwar hervorragend zum Buch, aber hält mich eben auch auf Abstand. Es ist keine anspruchsvolle Lektüre in seiner Sprache und doch fordert das Lesen! Zu mindestens konnte ich nicht zum Buch greifen, wenn mein Tag geprägt von Stress und Hektik war.

Der Film? Definitiv Filmkunst! Allein die Bilder sind wahnsinnig einnehmend und die Geschichte hatte mich absolut in seinen Bann gezogen. Es bleiben am Ende einige Fragen offen oder lassen sich interpretieren – für viele ein großer Kritikpunkt. Ich liebe es, wenn nicht alles beantwortet wird und ich denke auch nicht, dass dies im Sinne des Autors ist. Es geht darum weiter zu spinnen, die Suche nach dem Warum und vielleicht für die eine oder den anderen, um eine Erkenntnis, eine Warnung.
Lasst Euch weder Film, noch den Reihen-Auftakt in Buchform entgehen.

Mir wurde gesagt der Film sei ein Zusammenspiel aller drei Teile und da ich nun den Film, sowie Band 1 kenne: Jain. Ich vergleiche Buch und Film immer sehr stark miteinander, diesmal jedoch lässt es sich nicht vergleichen! Und es passiert mir ja eigentlich nie, dass ich einen Film vor dem Buch kenne, aber diesmal hat es der Lesefreude keinen Abbruch getan! Es half mir sogar, mich direkt in Area X orientieren zu können, wobei vieles im Buch passiert, was im Film nicht thematisiert wurde. Deswegen bin ich auch neugierig auf die Folgebände und notiere sie mir weit oben auf meiner Wunschliste!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


Weitere Eindrücke
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Buchdetails | Anzeige |
Titel: Auslöschung
Buchreihe: 1. Band
Autor: Jeff VanderMeer
Verlag: Droemer Knaur
— Rezensionsexemplar —
Southern Reach – Reihe
Band 1 ~ „Auslöschung“
Band 2 ~ „Autorität“
Band 3 ~ „Akzeptanz“

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7
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Chrissi
Gast

Hallo Janna,

Spoilert der Film die Fortsetzungen, weißt du das?
Ich habe alle drei Teile hier stehen, bisher leider nur den ersten gelesen und muss sagen, dass der Film mich schon sehr reizt, aber ich mich halt auch nicht spoilern will :/ Ich sollte mich vielleicht einfach mal dazu bringen weiterzulesen.

Liebe Grüße
Chrissi

Tiefseezeilen
Gast

Hi!

Das klingt ja super und ich denke, das werde ich bald mal lesen. Ich hab das Buch schon früher gesehen, es müsste ja auch schon etwas länger draußen sein, aber irgendwie konnte mich das Cover bis jetzt nie so stark reizen, dass ich mich damit näher befasst hätte.
Auf jeden Fall hab ich jetzt Lust dem Buch eine Chance zu geben und bin mal gespannt was so alles auf der Expedition passiert… :)

Viele liebe Grüße
Ani

Steffi
Gast

Hey,
das Buch klingt echt gut. Ich lege es mir mal auf die Wunschliste. :) Danke schön für die Rezi!!

Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend

Ganz lieben Gruß

Steffi