„Alles, was ich am Strand gefunden habe“ | Cynan Jones

Inhalt laut Verlag

Zwei Männer, die auf ihre Chance warten. Holden setzt alles daran, ein Versprechen einzulösen, das er einem sterbenden Freund gegeben hat, während Grzegorz auf ein besseres Leben für seine Familie hofft und zu allem bereit ist … Zwei Männer, die auf ihre Chance warten, setzen wider besseren Wissens ihr Leben aufs Spiel. Eine schiefgelaufene Drogenübergabe löst eine fatale Verkettung von Ereignissen aus, in deren Folge sie zum Spielball unkontrollierbarer Kräfte werden. Stringer, der lange im Gefängnis saß und nun merkt, wie sehr sich die Welt verändert hat, wird losgeschickt, um die verloren gegangene Lieferung wieder aufzutreiben. Und um ein Zeichen zu setzen.

Drei Männer!

Was für ein Buch  – besser kann ich es gar nicht sagen. Nach der Empfehlung „Graben“ zu lesen, musste unmittelbar danach auch dieses bei mir einziehen. Beide Bücher haben mich begeistert, da eine wunderschöne Sprache vorrangig zu finden ist durch die alle Charaktere erst ihre Form bekommen. Es sind wieder nur wenige Personen die das Leben in die Geschichte tragen, oder eben den Tod. Es beginnt mit einem Leichenfund am Strand. Der Tote ist kaum zu identifizieren, wodurch es zu dem Geheimnis schlechthin wird. Wer liegt dort am Strand?

Bereits nach wenigen Seiten wird man zurück geführt in die Vergangenheit und man lernt zwei Männer in einem steten Wechsel kennen.

Grzegorz – der Pole:
Er ist in das walisische Land gekommen um Arbeit zu finden. Eine Flucht vom elterlichen Bauernhof und vor der Ausweglosigkeit von Arbeitslosigkeit, Armut und dem dadurch entstanden Teufelskreis. Nun arbeitet er in einem Schlachtbetrieb und kann kaum glauben dass dieses erhoffte Paradies nichts anderes ist als Ausbeutung und Betrug. Eine Chance seiner Frau und dem kleinen Sohn ein besseres Leben zu bieten ist verschwindend gering und so lässt er sich auf etwas ein, dass ihn Kopf und Kragen kosten kann.

Und warum das Ganze? Um jemand zu sein.
(S. 19)

Holden – der Engländer:
Er ist ebenfalls auf der Verliererseite. Fast mittelos haust er in einem Wohnwagen, geht auf die Jagd und fischt sich seinen Lebensunterhalt zusammen. Hat er Geld, richtet er damit das Haus seines verstorbenen Freundes auf, um dessen Witwe und Sohn eine Zukunft geben zu können. Holden macht einen ganz besonderen Fund und auch dadurch gerät er in eine Situation, die er trotz seiner Bedenken und Befürchtungen nicht ausschlagen will. Er wittert eine einmalige Chance und fürchtet sich doch immens davor.

Da war dieses sorgfältig hergestellte Gebäude, und plötzlich kam etwas und richtete es zugrunde.
(S. 148)

Nachdem man diesen zwei Männern durch ihren Alltag, den Problemen und vor allem ihren unglaublich gut geschilderten Gedankengängen folgte, kommt der dritte Mann ins Spiel. Man könnte ihn den Antagonisten nennen. Einer, der nichts gutes im Schilde führt und erst so nach und nach merkt man dass auch dieser Mann seine Sorgen und Nöte hat. Andere als Holden und Gregorz und doch machen sie ihm zu schaffen.

Stringer – der Ire:
Ein Krimineller, dessen Vergangenheit in verfolgt und der nun alles daran setzt etwas zurück zu bekommen, was man ihm zwar nicht gestohlen hat aber doch von immensem Wert ist.
Er schreckt vor nichts zurück, ein gewalttätiger Mann, in dessen Gedanken sich immer wieder Tagträume von gewünschten aber nicht erfüllten Wünschen schleichen.

Er war sogar wütend auf seine eigene Wut.
(S. 174)

Der Titel des Buches spricht vom Finden und doch ist es eine einzige Suche.
Diese drei Männer (es gibt nur wenige Personen mehr im Buch) sind alle etwas am suchen. Das Glück, die Liebe, das Leben, eine Chance.
Eine Art Obsession bei jedem einzelnen und irgendwie hatte ich die ganze Zeit gehofft dass sie Erfolg haben werden.
Cynan Jones lässt einen teilhaben an diesen drei Männern und ihren Gedanken. Man taucht ab in die Köpfe, spürt ihre Emotionen und kommt ihnen damit näher als man möchte. Ihr Äußeres ist begrenzt beschrieben und doch weiß man Dinge über sie, die man als normaler Beobachter nie gesehen hätte. Der Autor schafft es auf wunderbare Weise Empathie durch die Zeilen zu transportieren und das in wenigen Sätzen und Kapiteln.

Holden ist definitiv der Charakter im Buch. Er gibt alles vor und die anderen zwei sind ein Beiwerk, welches sich aber schnell zu einer komplexen großen Geschichte ausweitet.
„Alles, was ich am Strand gefunden habe“ inspiriert durch die großartige aber auch gewalttätige Natur in der sich viele Szenen abspielen.
Man hört das Meer, riecht das Salz, spürt den Sand und selbst in der Dunkelheit sieht man alles was sich versteckt hält. Ich liebe es wenn ein Autor so gekonnt schreibt, dass alles spürbar ist was da in und zwischen den Zeilen steht.

Die Ahnung was da kommt und wer welchen Weg einschlägt, wird irgendwann durch Gewissheit abgelöst. Bis dahin heißt es, sich zurückziehen und einer gemächlichen Stille zu lauschen, all dem was die drei zu erzählen haben. Es wird laut werden, ganz spät erst und dies hat all dem Suchen ein Ende bereitet.

Eine wunderschön erzählte Geschichte.

…doch gleichzeitig war sie durchsetzt von großer, massiver Traurigkeit.
(S. 230)

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

– Weitere Eindrücke –
Kaffeehaussitzer °
Lecture of life °


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Buchdetails
Titel: Alles, was ich am Strand gefunden habe
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Cynan Jones
Verlag: Liebeskind 

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kaisuschreibt
Gast

Ich hab das Buch auf Englisch hier liegen und deine Kritik zeigt mir, dass ich es auch schleunigst lesen sollte :D