[1 Geschichte – 2 Meinungen] „A Head Full of Ghosts: Ein Exorzismus“ | Paul Tremblay

Heute haben wir was Neues für Dich! Das Format „1 Geschichte – 2 Meinungen“ auf unserem Blog kennst Du vielleicht schon? Wir besprechen den selben Titel als Rezension oder Kurzmeinung und posten diese Eindrücke entweder zeitversetzt oder am selben Tag.

Heute haben wir das gleiche Format, aber innerhalb eines Beitrags!

Die Geister, die wir riefen!

A Head Full of Ghosts schildert auf mehreren Zeit- und Personenebenen die Erlebnisse der 14-jährigen Marjorie. Als sie Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, gipfelt die Hilflosigkeit ihrer Familie und der Ärzte in einem Exorzismus, der als Show live im TV ausgeschlachtet wird.
Jahre später gibt Merry, die jüngere Schwester von Marjorie, ein Interview und spricht über die tragischen und unheimlichen Geschehnisse, die seither zur urbanen Legende wurden.

Klappentex

Damit Du nicht völlig durcheinander gerätst, haben wir unsere Eindrücke voneinander getrennt. Erst erzählt Kerstin ein wenig zu dem Titel, dann schildert Janna ihre Eindrücke. Am Ende werden wir ein gemeinsames Fazit zu dem Titel verschriftlichen und sind gespannt, wie dir dieses kleine Special gefällt!

Kerstins Kurzmeinung

Es war der Autor, Paul Tremblay, der mich an dieses Hörbuch zog, oder besser gesagt sein Buch „Das Haus am Ende der Welt“ (Rezension). Sein Stil, die Art des Erzählens, das was verborgen blieb und auch jenes, was offenbart wurde, hatte mir mächtig imponiert.
So musste ich diese Geschichte hören, auch wenn ich mich ein wenig davor fürchtete.
Die Furcht war unbegründet, es ist kein typischer Horrorroman (bei Festa bin ich da immer sehr vorsichtig). Vielmehr ist es eine Nacherzählung von Vorgängen und der Versuch etwas Licht in eine sehr dunkle Familiengeschichte zu bringen.

Ein Drama der besonderen Art. Alles was in Merrys Rückblicken erzählt wird, erweckte in mir immer mehr den Anschein einer furchtbar unglücklichen Familie, die sich in etwas so irreales flüchtet und dabei die Konsequenzen in keiner Form absehen kann.
Ich mag Geschichten, in denen es in die Vergangenheit geht. Sie fordern Aufmerksamkeit und geben all den Geschehen in langsamer, stetig wachsender Weise ihren Sinn.
Merry, mittlerweile erwachsen, nimmt einen mit in ihre Kindheit. Die Familie lebt am Existenzminimum und dadurch ist auch die Stimmung innerhalb deren Leben geprägt. Marjorie, die ältere Schwester, ist Merrys Halt, dabei hätte sie selbst am meisten Unterstützung gebraucht. Ihre Geschichten formen sich im Laufe der Zeit zu immer skurrileren und angsteinflößenden Situationen und ich hatte mehr als einmal ein unwohles Gefühl. Keine Angst, aber ein unheimliches Gefühl schlich da mit jeder weiteren Minuten durch die Kopfhörer in meine Ohren und sorgte für ein Kribbeln.

Die Episoden um den Einzug der Kameraleute, die Vorbereitungen zum bevorstehenden Exorzismus, das Verhalten aller Beteiligter und besonders Merrys Rolle haben mich hin und wieder irritiert. Wie enorm kann Glauben und Unglauben solche Maße annehmen? Insbesondere Merrys (von Zeitpunkt aus gesehen spätere) Blogeinträge haben beim Hörbuch ihre Wirkung nicht direkt von Anfang an entfaltet. Doch mit zunehmenden Maße empfand ich gerade diese irre informativ. So viele Bezugsquellen, Erläuterungen und Versuche Dinge zu erklären, die eigentlich nicht erklärbar sind. Kleine Details, auf die man erst achtet, wenn sie einem genau vor Augen geführt werden.

Das Ende habe ich so nicht vorhergesehen und es hat mir erneut einen Schauder über den Rücken gejagt. „Besessenheit“ kann so viele Gesichter haben!

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★


Jannas Kurzmeinung

Eine Geschichte die ganz anders verlief, als ich es mir dachte! Der Klappentext verrät nicht viel außer, dass es sich um eine psychische Störung handelt, die in einem Exorzismus endet. Doch ich hatte mir darunter doch etwas anderes vorgestellt. Es ist ein Festa-Buch, Exorzismus die Thematik – da dachte ich, es würde eine Geschichte ähnlich der verschiedenen Filme des Genres sein. Doch der Verlag überraschte mich mal wieder!

Es beginnt bereits damit, dass auf drei Ebenen erzählt wird. Denn das Merry über zwei unterschiedliche Medien die damaligen Erlebnisse verarbeitet hatte ich nicht erwartet.
Die Familie damals, die Geschehnisse im Haus, das Fernsehteam und der Exorzismus.
Merry heute, im Interview mit einer Reporterin.
Mittendrin verschiedene Blog-Einträge. Anonym von Merry und die damalige Serie ihrer Familie.

Was nach viel klingt ergänzt sich wunderbar und ist gut aufeinander abgestimmt. Ich muss gestehen dass mich die Abschnitten der Blog-Einträge zunächst störten, doch sie dienen Merry um die Vergangenheit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Sie nimmt die Serie auseinander und zerlegt sie in ihrer Einzelteile, sie wirft Fragen auf, säht Zweifel.
Doch was sie selbst anzweifelt ist immer wieder unklar und macht dadurch den Reiz dieser Geschichte aus. Zweifelt sie an den Entscheidungen ihrer Eltern? Bezweifelt sie die damalige Diagnose oder die Entscheidung der Eltern? Ihre ältere Schwester wird hin und her gereicht zwischen ihrem Therapeuten, dem Krankenhaus und dem Priester.

Immer wieder fragte ich mich, welche Richtung die Geschichte am Ende einnehmen wird. Beide Wege bleiben bis zuletzt offen, denn die Autorin hat gelungen die ärztlichen und religiösen Faktoren zu einer Geschichte vereint. Ich würde es nicht als ein Meisterwerk des psychologischen Schreckens bezeichnen, auch wenn es im Grunde genau das ist: ein Schrecken auf psychologischer Ebene! Oder etwa nicht? Was ist damals im Haus der Familie wirklich geschehen? Dämon oder Krankheit? War die Unsicherheit ihrer Eltern so groß, das Marjorie das Opfer ihrer Angst wurde? Oder sind die damaligen Ereignisse nur mit Übernatürlichem zu erklären?
Antworten die ich an dieser Stelle nicht gebe, da ich der Geschichte nicht zu viel vorweg nehmen möchte und genau die Fragen, die mich hinein in die Geschichte sogen.

Da mir diese Geschichte gefiel und mich das Buch „Das Haus am Ende der Welt“ (Rezension) begeisterte, werde ich definitiv nach weiteren Büchern des Autors stöbern!

Rezension verfasst von © Janna
★★★★☆


Gemeinsames Fazit

Es ist weniger der psychologische Horror, den diese Geschichte ausmacht, sondern die unterschwellige Spannung. Das Voyeuristische am Teilhaben dieser Familiengeschichte, der Blick hinter die Fassaden und in die Hilflosigkeit, mit der sich alle in eine Situation ziehen lassen, die ganz anders hätte ausgehen können.
Die Sprecherin Verena Wolfien hat Merry eine Stimme gegeben und damit auch ihrer Schwester Marjorie. Der Exorzismus ist nicht das Hauptthema, sondern der Weg dorthin.
Eine provozierte Hysterie von einer Person an die andere weitergegeben macht das (Hör)Buch aus.


– Weitere Eindrücke –
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Buchdetails
Titel: A Head Full of Ghosts – Ein Exorzismus
– Einzelband
Autor: Paul Tremblay
Sprecherin: Verena Wolfien
Print: Festa
Hörbuch: Audible Studios

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