3 Geschichten – 3 Eindrücke | Stephanie Hayek – Camilla Läckberg – Jennifer Clement

Kerstins Dreierlei

Von Frauen und (ihren) Geschichten


„Als die Tage ihr Licht verloren“ von Stephanie von Hayek

Bildquelle: Audio Media Verlag

Linda und Gitte, Töchter einer liberalen, gut bürgerlichen Berliner Familie, genießen ihre Jugend. Gitte, die als Sekretärin im Reichsinnenministerium arbeitet, hofft, einst als Juristin Karriere zu machen, Linda, die ungestüme Träumerin, schlägt den künstlerischen Weg ein und heiratet den sensiblen Erich, die Liebe ihres Lebens. Als seine Nachrichten von der Front ausbleiben und sein Schicksal ungewiss ist, fällt sie in tiefe Melancholie – gefährlich in einer Zeit, in der psychische Krankheiten zum Todesurteil werden können. Denn die Nationalsozialisten planen bereits, was sie verharmlosend »Euthanasie«, den guten Tod, nennen. 

Mein erster Eindruck: Durch das Cover hätte mich diese Geschichte gar nicht so sehr gereizt, aber nachdem ich eine Rezension bei Lovely Mix Buchblog gelesen habe, war mir klar dass ich dem Hörbuch auf jeden Fall eine Chance geben werde. Das Thema um Euthanasie während des Nationalsozialismus kommt kaum oder nur sehr wenig in mir bekannten Büchern vor.

Auf den zweiten Blick: Ich war sofort gefesselt um die fiktive Geschichte dieser zwei jungen Frauen. Lebenshungrig, inmitten des Berliner Treiben, genießen sie ihre Jugend, die Fürsorge der Eltern und die sich ihnen bietenden Möglichkeiten.
Der Krieg scheint fern, es gibt zwar Einschränkungen aber alles in allem gehen sie ihrer Arbeit nach, leben gut und lieben es tanzen zu gehen.

Linda lernt die Liebe ihres Lebens kennen und dennoch ist dieses Buch keine Liebensgeschichte. Viel zu schnell wird einem klar, dass es eine Zeit ist, in der keiner sicher ist, weder vor dem Krieg noch vor den Menschen. Der psychische Verfall, bedingt durch einen traumatischen Verlust wird bei Linda nicht nur zur gesundheitlichen Gefahr. Die gesamten Ereignisse im Buch „arbeiten“ darauf hin, der Leserschaft aufzuzeigen wie schnell es einen aus der Bahn werfen kann und wie schnell die Menschen ausgegrenzt sind. Besonders während der NS-Zeit, als unwertes Leben, unnütze Esser, Asoziale oder wie immer die Bezeichnungen dafür waren, aufgelistet und abgestempelt waren. Die Autorin hat es sehr gut geschafft die damaligen Verhältnisse und das schleichende aber sehr gezielte Aufspüren dieser Menschen in einer Manier erfolgte, dass es dafür ganze Ämter, Berufsbezeichnungen und ganz besonders ausführende Kräfte benötigte. Ausgerechnet Gitte, die eigene Schwester, wird in einer Abteilung eingesetzt in denen das systematische Töten nicht nur amtlich abgesegnet, sondern auch die Möglichkeiten der Durchsetzung genutzt wird.

Einige Charaktere begleiten einem in dieser Geschichte. Manche sind nur angeschnitten, andere dagegen ganz wichtige Bestandteile des Buches. Die Sprecherin hat mir sehr gut gefallen. Ein behutsames Erzählen, in dem neben dieser Lebensfreude aber auch irgendwann die Trauer, die Hilflosigkeit und besonders Lindas unendliches, verzweifeltes Leiden einschlägt.
Es gibt einige positive Charaktere und genauso auch sehr negative. Man spürt es immer ganz deutlich wie sich wer entwickeln wird. Wegen der gekürzten Ausgabe bin ich sicher etwas verpasst zu haben, vielleicht werde ich es doch einmal in seiner Gänze lesen müssen.

Last but not least: Ich habe die gekürzte Ausgabe gehört und somit nicht das im Print stehende Nachwort mitbekommen. Dort steht wohl noch einiges an Informationsmaterial rund um diese grausamen Verbrechen. Im Buch ist alles eher unterschwellig, wobei es mehr als einmal sehr gezielte Darstellungen gibt. Insbesondere die ersten „Versuche“ mittels umgebauten Bussen die psychisch Erkrankten oder solche mit geistigen Einschränkungen, zu vergasen. Eine Geschichte, in die man direkt hineinspringt, erst durch das freudvolle Miteinander eingelullt wird und dann begreift, dass es hier um Leben und Tod ging.

Wertung: ★★★★☆

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Buchdetails 

Titel: Als die Tage ihr Licht verloren
Buchreihe: Einzelband, Laufzeit 7 Stunden 4 Minuten (gekürzt)
Autorin: Stephanie von Hayek Sprecherin: Doris Wolters
Verlag: Hörkiosk – Audio Media Verlag | Print bei Bento

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„Golden Cage“ von Camilla Läckberg

Bildquelle: Hörbuch Hamburg

Faye und Jack sind das absolute Traumpaar. Sie haben das erfolgreichste Unternehmen Stockholms aufgebaut, wohnen in einem luxuriösen Apartment und sind umgeben von den Reichen und Schönen. Die gemeinsame Tochter Julienne ist die Krönung ihres Glücks. Doch der Schein trügt. Fayes Leben dreht sich nur noch um den verzweifelten Versuch, Jack zu gefallen. Seine Verachtung ist in jeder seiner Gesten spürbar. Was verbirgt ihr einst liebevoller Mann vor ihr? Als Jack und Julienne von einem Bootstrip nicht zurückkehren und die Polizei eine Blutlache im Apartment entdeckt, fällt der Verdacht schnell auf Jack. Hat er seine eigene Tochter ermordet? Nichts in Fayes Leben ist mehr so, wie sie es kannte …

Meine erster Eindruck: Als erster Thriller der Autorin beworben und da mir der Stil in „Die Eishexe“ schon ganz gut gefiel, freue ich mich auf diese Geschichte um Faye. Alleine die Tatsache, dass Vera Teltz dieses Buch spricht ist für mich schon ein Grund es zu hören.

Auf den zweiten Blick: Wie soll ich das jetzt beschreiben – ich fand es gut, unterhaltsam, oft genug sehr spannend aber auch ganz furchtbar an den Haaren herbeigezogen. Eine „ich wünsche mir dass alles gut ausgeht“-Geschichte. Eine Geschichte die eher wie ein Porno beginnt, da Faye sich ihrem Mann zu liebe halt mal auf etwas anderes einlässt. Jack ist der personifizierte Arsch in der Geschichte. Seine sexuellen Fantasien scheinen schon eher in kriminelle Handlungen abzudriften und ich habe sofort gewusst wie der Hase läuft! Faye ist das liebe, nette Frauchen, die sich fügt und eigentlich überhaupt nichts zu sagen hat.

Es war zu erwarten dass es einen großen Umbruch geben wird. Der Klappentext verrät ja schon ein bisschen etwas und ich war sehr gespannt was da kommt.
Unterhaltsam war es doch, muss ich ja zugeben. Allerdings nicht wirklich in thrillermäßiger Angelegenheit. Es war eher ein Zuschauen aus der Ferne. Was wird diese Frau tun, was wird der Mann tun und wer von beiden wird gewinnen?
Nur darum geht es nämlich letztendlich, wer macht wen fertig und wer lacht zum Schluss. Eigentlich eine ganz böse Geschichte. Böse aufgrund diverser Handlungen, sehr böse sogar, böse aufgrund der geschilderten Schicksalen und noch viel böser als Faye die wahre Fassade ihres Mannes erkennen muss.

Wie gesagt, grundsätzlich hat es mich sehr gut unterhalten, aber es war mir (wieder) zu überdreht. Bei solchen Geschichten frage ich mich dann immer, wer so handeln würde, wer diese Möglichkeiten bekäme und was mit all den anderen ist, denen sich solche Optionen erst gar nicht stellen.

Last but not least: Eine Geschichte von einer Frau, über Frauen die für Frauen einstehen. Ich denke ein Mann würde diese Geschichte anders aufnehmen, denn Männer kommen in dem Buch verdammt schlecht weg. Toxische Beziehungen ohne Ende. Ein Neuanfang, der anfänglich wie absoluter Abstieg wirkt, entpuppt sich dann als eine sehr gezielte Racheaktion. Opfer die den Spieß herumdrehen und mir scheint, sie haben es sogar genossen. Man(n) sollte sich nie mit einer Frau anlegen!

 

Wertung: ★★★☆☆

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Buchdetails

Titel: Golden Cage

Buchreihe: Einzelband, 480 Minuten Laufzeit (gekürzt)
Autorin: Camilla Läckberg Sprecherin: Vera Teltz
Ve
rlag: Hörbuch Hamburg | [Print bei Ullstein]

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„GUN LOVE“ von Jennifer Clement

Bildquelle: Buchfunk

Seit ihrer Geburt lebt Pearl im Auto, sie vorne, ihre Aussteiger-Mutter auf der Rückbank. Zwölf Jahre stehen die beiden jetzt schon am Rande eines Trailer Parks irgendwo in Florida. Draußen vor der Windschutzscheibe ist die Welt den Waffen verfallen: Kinder wachsen mit Pistolen statt Haustieren auf, Schießübungen immer und überall, mal Alligatoren, mal den Fluss, mal Polizisten im Visier, und sonntags sitzt man beim Gottesdienst mit der geschulterten Schrotflinte in der ersten Reihe. Doch im Ford Mercury wirken andere Kräfte, hier lernt Pearl das Träumen. Bis mit Eli ein Mann auftaucht, der das Herz der Mutter stiehlt …

Mein erster Eindruck: Das Hörbuch ist eher ein Zufallsfund, der Klappentext reizt und das Cover ist genial. Irgendwo hatte ich eine durchweg positive Rezension gelesen, also lasse ich mich mal hineintreiben, in die Geschichte um Pearl und ihre Aussteiger-Mutter.

Auf den zweiten Blick: WIE GENIAL IST DAS DENN BITTE?!

Um was es geht? Eigentlich um nichts und doch um alles. Das Leben und die Liebe. Zueinander, miteinander, füreinander. Aussteigermodus hoch ³. Mutter und Tochter, wobei die Mutter damals selbst noch ein Kind war, als sie Pearl erwartete.

Ich kann es gar nicht beschreiben, es geschieht gar nicht so doll viel.
Es gibt keine Spannungselemente á la crime oder thrill, es gibt keine Verschwörungstheorien, keine Morde (ok, da kommt doch was), keine Dramen und Tragödien und doch ist diese Geschichte ein Drama, eine Tragödie per excellence und es hat mich total geflasht.

Diese kleine, zarte Pearl. Eine 12jährige, fast durchscheinend, mit ihren fast weißen Haaren, der hellen Haut, dem grazilen Körperbau und doch ist sie so stark, so gewaltig in ihrem Auftreten und dem was sie denkt. Pearls Leben scheint ein Abenteuer zu sein, aber was sich da alles abspielt ist viel, viel mehr.

Last but not least: Leise, zart, bedächtig, anheimelnd, schmeichelnd, liebevoll, verrückt, abgedreht, grausam, erschütternd, brutal. All das ist diese Geschichte und die Sprecherin Edith Stehfest zieht einen hinein, in das Leben der jungen Pearl. Das Leben in einem Auto, so abstrus es sich auch anhört. Den Kofferraum voll mit ganz besonderen Erinnerungen. Ein Trailerpark, gefüllt mit so herrlichen Charakteren und Geschichten. Eine Reise wie ein Traum, bis der Alptraum beginnt, als dieser Eli auftaucht. Meine Güte, was die Autorin da für Worte gefunden hat, wunderschön, selbst in all der Tragödie. Lesen, nein besser hören und dabei komplett abschalten. Ein absolutes Highlight für mich!

Wertung: ★★★★★

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Buchdetails

Titel: Gun Love
Buchreihe: Einzelband 
Autorin: Jennifer Clement Sprecherin: Edith Stehfest
Verlag: Buchfunk | [Print bei Suhrkamp]


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Diana
Gast

Hallo Kerstin,
ich muss ja ganz ehrlich sagen, dass ich Golden Cage gar nicht gut fand. Ich mag es nicht, wenn eine Gruppe, in dem Fall Männer, einfach mal pauschal alle als schlecht abgestempelt werden. Klar ist Jack ein Arsch und ich möchte auch gar nichts schön reden, aber auf einmal sind alle Männer böse und nur Frauen können gemeinsam stark sein. Diese ganze Racheaktion fand ich ganz furchtbar.
Werde wohl so schnell nicht mehr zu einem Buch von Camilla Läckberg greifen.
Liebe Grüße
Diana von lese-welle

Daggi
Gast

Camilla Läckberg habe ich bereits gelesen und das Buch hat mir auch gut gefallen, aber hier bin ich doch sehr skeptisch, bei toxischen Geschichten ist mir schon mehr als einmal die Leselust vergangen.

Lg Daggi

Chrissi
Gast

Ich hab noch nie in Buch von Camilla Läckberg gelesen. Das hier klingt für ich jetzt aber doch irgendwie spannend :D
Ach, die Wunschliste. Ich behalte es mal im Auge. Vielleicht ergibt es sich ja einfach irgendwann mal.

Beste Grüße
Chrissi